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Jetzt auch in Englisch und mit kostenpflichtigem Archiv: Gutjahr baut sein Blog um

Hat Micropayment im Journalismus Chancen? Richard Gutjahr meint: Ja! Foto: Mathias Vietmeier
Hat Micropayment im Journalismus Chancen? Richard Gutjahr meint: Ja! Foto: Mathias Vietmeier

Journalist Richard Gutjahr hat mit seinem Blog bereits bewiesen, dass Micropayment funktionieren kann. Jetzt wagt er ein neues Experiment und monetisiert nicht mehr einzelne Beiträge sondern alle Artikel, die älter als eine Woche sind. In Zukunft bietet Gutjahr Teile seines Blogs zudem auch auf Englisch an.

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Richard Gutjahr betreibt seit mehreren Jahren erfolgreich „G!utjahrs blog“. Im vergangenen Jahr startete der Journalist ein Experiment: Gemeinsam mit dem Münchener Start up Laterpay entwickelte er ein WordPress-Plugin und begann einzelne Blogposts an seine Leser zu verkaufen. Mit Erfolg, wie ein Kassensturz nach einem halben Jahr zeigte.

Nun ist ein neues Jahr angebrochen und Gutjahr möchte ein neues Experiment starten.
Diesmal bleiben alle aktuellen Beiträge gratis, nur sein Archiv soll kostenpflichtig werden. Nutzer zahlen entweder 10 cent pro Artikel oder erwerben Zeitkontingente, innerhalb derer sie sich uneingeschränkt über das Blog bewegen können. MEEDIA hat mit Gutjahr über die Pläne für sein Blog gesprochen.

Lieber Herr Gutjahr, bisher haben Sie einzelne Blogposts über Laterpay an Leser verkauft. Nun wollen Sie alle aktuellen Artikel wieder frei zugänglich machen und dafür Ihr Archiv monetisieren. Welcher Gedanke steckt dahinter?

Es ist ein Test. Ich möchte wissen, was sich mehr auszahlt: Wenn ich ausgewählte Artikel sofort verkaufe oder wenn ich alle aktuellen Beiträge gratis anbiete, diese dann aber nach einer bestimmten Frist kostenpflichtig werden. Ich habe festgestellt, dass große Teile meines Traffics über ältere Beiträge kommt. Ich möchte die Leute dadurch auch ein Stück weit motivieren, ihre Hemmschwelle zu senken, für gute Inhalte auch zu zahlen.

Ab wann wandern Blogbeiträge ins Archiv?

Nach sieben Tagen.

Ist das ein Finanzierungsmodell, das auch in größerem Maße funktionieren könnte?

Ich glaube tatsächlich, hier liegt viel Potential, das keine Zeitung wirklich clever nutzt. Es gibt zwar kostenpflichtige Archive – Verlage bieten diese aber hauptsächlich ausgewählten Institutionen, Firmen oder Verbänden an. Oder es ist viel zu teuer – zwei Euro zahlt doch keiner für einen Artikel, den es anderswo in ähnlicher Form auch gratis gibt.

An sich ist das Geld aber wirklich nicht das Problem. Die Leute würden zahlen. Es soll ja auch Menschen geben, die noch für SMS zahlen! Aber die Anmelde- und Bezahlsysteme sind eine Zumutung und gerade für mobile Geräte absolut unbrauchbar. Ich glaube, wenn man ein Archiv geschickt monetarisieren würde, mit einem Zahlsystem, dass so einfach zu bedienen wäre wie Apple iTunes oder One-Click-Buy von Amazon, dann könnte es zu einem wichtigen Bestandteil der Finanzierung werden.

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Bisher haben Sie einzelne Beiträge über Laterpay verkauft. Das günstigste waren dabei 10 cent, das teuerste 149 Euro. Wie hat sich das ausgezahlt?

Ich habe dazu mal einen Beitrag geschrieben und einen Kassensturz gemacht. Zusammengefasst könnte man sagen, ein schlecht laufender Artikel bringt mir 20 Euro, ein gut laufender 120. Im Schnitt sind das 60 Euro pro Artikel, was ich fair finde.

Welche Rolle spielt das Blog in Ihrem Alltag?

Inzwischen ist es sicherlich mehr als ein Hobby und mittlerweile zu einer tragenden Säule meiner Arbeit geworden. Ich könnte allein von meinem Blog nicht leben, aber ich erreiche dadurch unglaublich viele Menschen, die ähnlich ticken wie ich und mit denen ich gemeinsam an größeren, in der Regel dann auch bezahlten Projekten arbeite.

Sie haben außerdem angekündigt, einzelne Inhalte jetzt auch auf Englisch anzubieten. Was versprechen Sie sich davon?

Ich habe gesehen, dass meine Seite immer häufiger in den USA aufgerufen wird, meist zu Themen, die auch global Bedeutung haben wie der Medienumbruch und die Zukunft des Journalismus. Diese Nutzer sind dann aber ganz schnell wieder weg, vermutlich wegen der Sprache. Wenn ich mich mit englischsprachigen Kollegen unterhalte, würde ich gelegentlich gerne einen Link zu einem meiner Blogposts schicken – Google Translate möchte ich niemandem zumuten. Letztlich erhoffe ich mir davon also einen regeren Austausch mit Menschen, die dieselben Themen diskutieren wie ich, auch über den deutschsprachigen Raum hinaus.

Könnten Sie sich auch vorstellen, ihr komplettes Blog in Englisch zu verfassen?

Ja, das könnte ich mir vorstellen. Aber das ist wie mit den fliegenden Autos – wer weiß schon, was die Zukunft bringt.

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