Von wegen saure Crowd: Krautreporter-Chefredakteur von Streit kontert Kritiker

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Die Crowd scheint sauer – zumindest teilweise. Nach rund hundert Online-Tagen zieht Marc Wickel in seinem Blog eine erste kritische Krautreporter-Bilanz. Der Abonnent ist enttäuscht über die geringe Frequenz mit der die meisten Autoren veröffentlichen, vom Qualitätsmanagement und der Themenauswahl. Gegenüber MEEDIA widerspricht Chefredakteur Alexander von Streit dem Kritiker.

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Basis der Kritik des Lokaljournalisten ist eine Auswertung, welcher Krautreporter-Autor bislang wie viele Storys veröffentlicht hat. Dabei zeigt sich, dass bis zum 3. Januar 125 Texte erschienen sind. Macht 12,5 pro Woche oder genauer 2,7 pro Autor. „Wenn man nur die Aktiven zählt, sind es 3,6 Texte pro Autor“, schreibt Wickel.

Kritik: „schlechte Recherche“ und „größtenteils langweilige“ Storys

Angeführt wird die Veröffentlichungsliste von Tilo Jung mit insgesamt 19 Stücken, gefolgt von Victoria Schneider, Peer Schader und Rico Grimm. Dabei hätte Wickel gerne mehr von Jens Weinreich, Richard Gutjahr oder Thomas Wiegold gelesen.

Noch mehr als die wenig ausgeglichene Verteilung scheint den Abonnenten die „schlechte Recherche bei zu vielen Texten“ und die Menge an „größtenteils langweiligen“ Storys zu nerven.

„Die Unwuchten, die Wickel bei der Autoren-Verteilung erkennt, sind vorhanden“, gibt Chefredakteur Alexander von Streit gegenüber MEEDIA zu. Tatsächlich sei die Mischung noch nicht so, wie er es und die anderen Macher wollen. Aber: „Wir haben auch erst zwei Monate so richtig am Stück gearbeitet. Wir sehen uns noch immer am Anfang unseres Weges“. Von Streit verspricht: „In den nächsten Monaten wird sich vieles noch nach vorne bewegen“.

Konter: „Jeder Text durchläuft bei uns eine genaue redaktionelle Faktenprüfung“

Zudem merkt der Chefredakteur an, dass die Kritik teilweise sehr unkonkret sei. So nennt Wickel keine genauen Beispiele für das fehlende Fact-Checking und die zu seichte Recherche. „Jeder Text durchläuft bei uns eine genaue redaktionelle Faktenprüfung, für die ein Teammitglied ausschließlich Tätig ist. Die Kritik kann ich nicht annehmen. Ganz im Gegenteil.“

Für Interviews, wie die von Tilo Jung, gelten allerdings andere Regeln. „Wir korrigieren natürlich keine Antworten, sondern prüfen sie nur nach justiziablen Inhalten“.

Grundsätzlich bescheinigt der Chefredakteur seinen Krautreportern in Sachen Recherche einen guten Job zu machen. „Gegen eine Langzeitrecherche der New York Times können wir mit unseren Mitteln natürlich nicht bestehen.“

In seinem Posting „Kraut von Rüben sortiert“ wirft Wickel auch die Frage auf, ob alle Autoren, unabhängig von ihrer Produktivität eine Pauschale von 2.000 Euro bekommen würden. Dem ist nicht so. Bezahlt wird pro Text.

Die Diskussion über die wenig ausgeglichene Verteilung der Autoren und ihrer Honorare, verdeckt allerdings die eigentlich nötige Debatte über mehr Relevanz. Bislang lieferten die Autoren zu wenig Text, die für Aufmerksamkeit und Diskussionen über die Community-Grenzen hinweg sorgen. Noch immer erzeugen die Berliner den meisten Buzz mit ihrem Geschäftsmodell, statt mit ihren Inhalten.

Als Erfolgsgeschichte gilt intern der tägliche Newsletter, der offenbar für viel positives Feedback sorgt. Mittelfristig wird er – wie auch die wunderbare Idee die Autoren und Leser über Events noch stärker zu vernetzten, nicht reichen, um die Leser und zahlenden Abonnenten bei der Stange zu halten.

Den Krautreportern fehlt es, rund hundert Tage nach dem Start, noch immer an Geschichten, die sich ins kollektive Lesergedächtnis gebrannt haben. Ob es nun kleine, aber feine Reportagen, Hintergrundstücke oder Scoops sind. Damit aus der Sauer- eine Happy-Crowd wird, muss die Relevanz der Themen, nicht aber am Text-Ausstoß einzelner Autoren, erhöht werden.

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Alle Kommentare

  1. Redaktionelle Prüfungen würden auch Meedia nicht schaden. Ziemlich abenteuerlich, was ein Redaktionsleiter hier grammatisch leistet.

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