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„Heiligtum im Bademantel“: Pressestimmen zum Tod von Udo Jürgens

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Auch wenn er schon 80 Jahre alt war: Die Nachricht vom Tod des Sängers Udo Jürgens kam überraschend und hat Millionen berührt. Zu präsent war der Künstler noch in diesen Wochen bei vielen öffentlichen Auftritten, zu vital wirkte der ewig Junggebliebene. Zeitungen und Online-Medien würdigen das Lebenswerk in Nachrufen. MEEDIA dokumentiert Auszüge daraus.

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Gerhard Matzig, Süddeutsche Zeitung (nur Print): „Er sang über unsere Sorgen und Hoffnungen, weil er sie teilte. Und wurde dadurch einer wie Brel, Brassens, Bécaud. (…) Udo Jürgens war eher ein Chansonnier als ein Schlagersänger und noch viel eher ein Künstler denn einer dieser Schlagermarketender, wie sie sich heute auf ihn berufen, weil in seinen Liedern das Große dem Kleinen so kunstvoll nahe kommt. ( …) Man kann seine Texte einfach finden – sie sind aber komplex. Das große Ganze aber auf die Größe des Alltags zu bringen, für uns, hier und jetzt, (…) das sicherte ihm jenes Millionenpublikum, welches sich auch jetzt an seiner aktuellen Tournee erfreuen wollte. Er wurde geliebt. Wobei er nachts oft die Schatten sah, die auf ihn zukamen. (…) Man wollte, die Geschichte über seinen Tod wäre nur dies: eine Möglichkeit der Schatten. Sie ist aber wahr. Was für ein Elend. Was bleibt: Seine Lieder. Was für ein Glück.“

Die Zeit: „Den Familienroman über seinen Großvater hatte Udo Jürgens mit einem poetischen Satz über einen vorweihnachtlichen Spaziergang im Bremen des Jahres 1891 beginnen lassen: „Jedes Haus, jeder Baum, jedes Licht, ein Abschiedsgruß.“ Bei einem solchen Gang ist er nun gestorben: Am Sonntagnachmittag brach Udo Jürgens am Ufer eines Schweizer Sees im Kanton Thurgau zusammen; am Nachmittag blieb sein Herz im Krankenhaus stehen. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben mit ihm einen engagierten Schlagersänger und Liedermacher von Rang verloren. Seit dieser Nachricht füllen sich die sozialen Netzwerke mit Zitaten seiner Lieder und Videos seiner Auftritte: Jeder Satz, jeder Ton, jedes Lied, ein Abschiedsgruß.“

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Die Welt: „Udo Jürgens, Popstar und Chansonnier, Götterliebling am Klavier, Schlagersänger ohne Schlagerappeal, ein Musiker der Millionen, für die Pop kein Image oder Distinktionsmittel ist, sondern berührendes Gefühl. Jürgens verkörpert Würde und Alterslosigkeit genauso wie seine Melodien zeitlos sind; ja, verkörpert, die so endgültig klingende Vergangenheitsform will in diesen Stunden noch nicht so recht passen. Er hat das Bürgertum mit deutscher Popmusik versöhnt und Generationen von Teenagern zum Singen deutscher Texte gebracht. Alles fiel ihm zu. Alles fiel ihm scheinbar leicht. Ein Charmeur und Charismatiker, ein Optimist und selbst erschaffener Glückspilz, den jeder verstand, wenn er „Und immer, immer wieder geht die Sonne auf“ anstimmte.“

Hannes Ross auf stern.de: „Udo Jürgens Leben erzählt die Geschichte eines Jungen, der klein und kränklich war, gehandicapt durch einen einseitigen Hörschaden, der durch die Prügel eines Nazi-Aufsehers in der Hitler-Jugend entstand. Jürgens selbst hielt sich für „ein hoffnungsloses Muttersöhnchen“, und doch gelang es ihm, sich neu zu erfinden. Durch die Kraft seiner Musik und sein übersprudelndes musikalisches Talent wurde er zum größten Popsänger der deutschen Nachkriegsgeschichte. Ein Gigant über Jahrzehnt neben dem Grönemeyer, Westerhagen oder Lindenberg wie Zeitgeistzwerge wirkten. (…) Udo Jürgens stand bis zuletzt auf der Bühne, er konnte nicht anders. Er war längst ein Nationalheiligtum, ein Nationalheiligtum im Bademantel.“

Spiegel Online: „Jürgens‘ bis zuletzt in seinen Konzerten trotzig vorgetragene Behauptung, das Leben beginne so richtig erst mit 66 Jahren, war natürlich eine fromme Lüge. Aber dass mit 66 noch lange nicht Schluss ist, bewies er eindrucksvoll. Bis in den Dezember hinein war Jürgens auf Konzertreise, im kommenden Jahr hätte sie weitergehen sollen. „Mitten im Leben“ hieß die Tournee. Genau so hat ihn nun der Tod erwischt, bei einem Spaziergang am Sonntag.“

Focus Online: „Er schrieb den Soundtrack unseres Lebens – und er wird unendlich fehlen.“

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Jan Wiele auf FAZ.net: „Durch die Nähe auch im Privaten, mit der das Fernsehen Jürgens bis zuletzt begleitete, wurde er eine Projektionsfigur für Millionen, die trotz ihres zeitweiligen Rufes als „homme à femmes“ und der im Bademantel gesungenen Zugaben nicht als entrückter Star erschien, sondern als Mensch wie du und ich. (…) Über das Motto seiner Tournee, ‚Mitten im Leben‘, war zuletzt zu hören, es sei doch kokett für einen Achtzigjährigen. Wer so redet, übersieht freilich den heiligen Ernst, der auch in diesem Motto steckt: Media vita in morte sumus, das ist die Erkenntnis eines Mönchs aus dem neunten Jahrhundert, Notkers des Stammlers aus St. Gallen. Auf Deutsch kennt man sie aus Martin Luthers Übersetzung des liturgischen Gesangs: „Mitten wir im Leben sind / Mit dem Tod umfangen“. Mitten im Leben, auf einem Spaziergang in der Schweiz, hat nun Udo Jürgens der Tod ereilt. Wenn der Mann, der gut tausend Lieder geschrieben hat, auch aus diesem Ereignis noch einen Song hätte machen können, dann hätte er ihm vielleicht den Memento-mori-Titel eines alten, weisen Grabspruches gegeben: Heute ich, morgen Du.“

Jan Feddersen, taz.de: „Udo Jürgens, das war der Mann, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Chansonnier wurde – und doch hauptsächlich ein Idol war. Er war ein Mann, der mit Liedern wie ‚Ein ehrenwertes Haus’, mit ‚66 Jahren’, ‚Lieb Vaterland’, ‚Paris, einfach nur so zum Spaß’ oder ‚Ich war noch niemals in New York’ sich in die Gemütslagen jener Menschen fräste, die wie er Selbstidealen wie Großherzigkeit, Antispießertum und Antipingeligkeit nachhingen. (…) Seine nächste Tournee war geplant, die Kartenvorverkäufe hatten vor Monaten begonnen, manches Konzert war ausverkauft. Aber Udo Jürgens wusste auch immer, dass man selbst in neuen Liedern nur so tun darf, als lebte man ewig – aber die Ewigkeit allzurasch ein Ende haben kann. (…) Vermutlich muss man sich sein Leben als vollendetes vorstellen. Er war ein Großer.“

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Alle Kommentare

  1. Ja der Udo Jürgens war ein großartiger Entrtainer.
    Viele seiner Lieder sind Ohrwürmer. Immer Present gewesen,
    obenauf. Udo Jürgens war immer da mit seiner Musik
    Weiterhin in seinen Liedern, auf Yu tube so zu sehen wie er war.

  2. Dem einzigen Mann, dem ich fuenfzig Jahre treu war. Ein MANN mit Charm,
    der mir in vielen ,Stunden Kraft gegeben hat mit seinen Liedern. An die Show, die ich am15,11. sehen konnte, werde ich mich immer erinnern. Udo wird
    Immer in meinem Herzen sein, danke, dass es diesen einzigartigen Menschen
    gab.

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