Mitarbeiter KG erteilt Spiegel-Reform eine Absage: keine Zusammenlegung der Ressortleiter-Posten

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Publishing Das Reformprojekt "Spiegel 3.0" von Noch-Chefredakteur Wolfgang Büchner bröckelt. Nach MEEDIA-Infos stehen die drei Gesellschafter des Verlags nicht mehr geschlossen hinter dem organisatorischen Kern des Konzepts. "Spiegel 3.0" sah unter anderem die Zusammenlegung der Ressortleitungen von Print und Online zu Doppelspitzen vor. Dem verweigert sich nun die Mitarbeiter KG, die einer Beschlussvorlage nicht zustimmte.

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Spiegel-Sprecherin Anja zum Hingst übermittelte auf Nachfrage folgendes Statement:

Das Redaktionskonzept SPIEGEL 3.0 sieht im Kern vor, die Ressortleitungen von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE zusammenzuführen, um eine gemeinsame Verantwortung für die Steuerung der Inhalte über die unterschiedlichen Kanäle zu schaffen. Diesem Konzept hat einer der drei Gesellschafter des SPIEGEL-Verlags nicht zugestimmt. Das hat Geschäftsführer Ove Saffe gestern während der Betriebsversammlung des SPIEGEL-Verlags gesagt.

 

Zum Hintergrund: Eigentlich hatten die drei Gesellschafter des Spiegel-Verlags – die Mitarbeiter KG (50,5%), Gruner+Jahr (25,5%) und die Augstein-Erbengemeinschaft (24%) – untereinander beschlossen, das komplette Reformprojekt Büchners zu unterstützen. Dies hatten sie in einem öffentlichen Bekenntnis zu „Spiegel 3.0“ bekräftigt. Wörtlich hatte es am 22. August geheißen: „Das Projekt von Chefredaktion und Geschäftsführung für die engere Verzahnung von Print und Online, das unter dem Namen ‚SPIEGEL 3.0‘ bekannt geworden ist, findet die Unterstützung aller Gesellschafter.“

Der organisatorische Kern des Projektes war, wie gesagt, die Installation gemeinsamer Doppelspitzen von Print- und Online-Ressortleitern. Die Print-Ressortleiter hatten sich gegen eine schnelle Umsetzung dieses Vorhabens ausgesprochen. Daneben gibt es eine inhaltliche Ebene des 3.0-Vorhabens. Hier hatte Büchner beispielsweise den Ausbau des digitalen Spiegel und die inhaltliche Strategie für Spiegel Online skizziert.

Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe ließ nun aktuell eine Vorlage an die Gesellschafter übermitteln, in der die Eigner noch einmal formal ihre Zustimmung zur Zusammenlegung der Ressort-Spitzen mit einer Unterschrift bestätigen sollten. Das Ergebnis, nach MEEDIA-Infos: ein Gesellschafter unterschrieb, einer nicht, einer sprach sich nicht dagegen aus, hielt sich aber mit Blick auf die Haltung der KG zunächst zurück. Was nur bedeuten kann: die Mitarbeiter KG stimmte der Vorlage nicht zu, G+J enthielt sich zunächst, die Augsteins müssten dagegen zugestimmt haben. Entscheidend ist am Ende, dass die Mitarbeiter KG als Mehrheitsgesellschafter nicht unterschrieben hat.

Allerdings heißt es auch, die Verweigerung der Unterschrift seitens der Mitarbeiter KG sei womöglich rein taktischer Natur, weil das bisherige Reformvorhaben zu eng mit Chefredakteur Büchner verknüpft sei. Die Zusammenlegung komme nach dessen Abgang trotzdem. 91 Prozent der Redakteure des Print-Spiegel hatten sich zuletzt gegen eine Zusammenarbeit mit Büchner ausgesprochen.

Was bedeutet das nun? Man kann es drastisch sehen, so wie ein Spiegel-Insider, der kommentiert: „Spiegel 3.0 gibt es nicht mehr, Wolfgang Büchner gibt es nicht mehr. Der Spiegel steht an einem Nullpunkt.“ Formal ist Chefredakteur Büchner noch im Amt, doch das Impressum ist nur noch Makulatur.

Freilich dürfte die Entwicklung im Haus ganz unterschiedliche Interpretationen zeitigen. Für die eine Seite, eine Mehrheit der Print-Redakteure, ist die Absage an einen elementaren Teil von Büchners Plan vermutlich ein Sieg und ein Befreiungsschlag. Vielleicht wollen sie überhaupt keine Reform – oder sie wollen zwar eine, aber nicht die von Büchner. Für die andere Seite, auf der viele Onliner stehen, ist sie entsprechend eine Niederlage und ein Rückschritt.

So gespalten war der Spiegel vermutlich noch nie. Die Betriebsversammlung am Dienstag stand übrigens unter dem Motto „Bleierne Zeiten im Spiegel – Wer zahlt die Zeche?“

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