„Jeder Fall wird individuell besprochen“: G+J antwortet auf „Altersarmut“-Brief der Geo-Redakteurin

G+J-Vorstandschefin Julia Jäkel
G+J-Vorstandschefin Julia Jäkel

Publishing "Frau Jäkel, ich finde, das alles sollten Sie wissen", schreibt die Geo-Redakteurin Gabriele Riedle in einem Offenen Brief an G+J-Chefin Julia Jäkel. Denn: Riedle gehört zu den von der Kündigung bedrohten Mitarbeitern bei Geo. Sie marschiere "geradewegs in die Altersarmut", fürchtet die 56-Jährige. Bei G+J heißt es, Riedle hätte lieber das persönliche Gespräch suchen sollen.

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Riedles Brief landete nämlich nicht nur bei Julia Jäkel, sondern auch bei der taz und Newsroom. Die Journalistin legt in dem Schreiben offen, welche Konsequenzen ihr durch die Kündigung drohten. Auf Nachfrage, ob G+J-Chefin Jäkel der Mitarbeiterin antwortet, teilt Sprecher Claus-Peter Schrack mit:

Wir respektieren die Sicht von Frau Riedle, finden es allerdings sehr schade, dass Frau Riedle hier zuerst den Weg in Öffentlichkeit sucht, anstatt persönlich mit uns zu sprechen. Im Rahmen der Sozialplanverhandlungen wird jeder Fall individuell besprochen und bewertet, sollten besondere Härten bestehen, wird auch dies individuell berücksichtigt. Selbstverständlich gilt dieses Vorgehen für alle betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Gabriele Riedle, nach eigener Aussage eine „Generalistin“ und viel für Reportagen im Ausland unterwegs, arbeitet seit 14 Jahren in Teilzeit für Geo. Sie fürchtet nun um ihre Zukunft, sei mit Ende 50 zu alt dafür, „Klinken zu putzen“.

14 Mitarbeiter müssen die Redaktion der Zeitschrift verlassen. Die Zukunft liege im Aufbau einer „Netzwerk-Redaktion“, heißt es im Verlag. Die angekündigte Kündigung empfinde sie, schreibt Riedle, als einen „Akt der Gewalt“:

Dass ich in existentielle Not geraten würde, wenn ich meinen Arbeitsplatz verlöre, das war mir immer klar. Aber niemals hätte ich mir vorstellen können, dass ich, bei allem sonstigen Selbstbewusstsein, einmal derartig von Selbstzweifeln und sogar von Scham (!) überfallen werden würde – denn warum trifft es gerade mich?

Die taz und Newsroom (in voller Länge) haben Riedles Brief dokumentiert.

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Alle Kommentare

  1. So ist das eben im Kapitalismus: Eine Frau Jäkel ist auch nur ausfüllendes Organ des 100-Prozent-Eigners von Gruner & Jahr, der Bertelsmann SE & Co. KGaA. Und G&J hat eben wie die meisten Verlage in Deutschland es verpasst, rechtzeitig eine geeignete Digitalstrategie zu entwickeln. Und wie sich das in einem (Unternehmens)System gehört, das Profitmaximierung zum obersten Credo erhoben hat, sind die MitarbeiterInnen aller Lippenbekenntnisse zum Trotz nur lässliche Kostenfaktoren, die im Zweifel abgestoßen werden.

    Es geht hier auch nicht mal so sehr um guten/schlechten Journalismus. Der bleibt natürlich auch auf der Strecke. Die Folgen sehen und lesen wir jeden Tag.

    Es geht um das System, das unmenschlich ist. Frau Jäkel ist da nur ein Rädchen, das letztlich die Drecksarbeit macht. Ihre Position garantiert ihr aber einen sehr abgefederten Fall, wenn auch sie mal gefeuert wird. Sie im Gegensatz zu Frau Riedle bewegt sich auch dann in der Komfortzone des Kapitalismus.

  2. In der Tat, Altersarmut ist ein ernstes Thema, aber wahrscheinlich müßig Unternehmensverantwortung anzumahnen. Die Ernsthaftigkeit des Themas in Verbindung mit dem Jäkel’schen Grinsegesicht spricht ja schon Bände und für sich. Da bedarf es eigentlich keiner weiteren Kommentare.

  3. Ein offener Brief ist schön. Leider hilft Mitleid niemandem weiter. Viele Journalisten fallen ins Bodenlose, unabhängig von ihrem Alter oder ihrem persönlichen Einsatz für ihre jeweiligen (Ex-) Verlage.

    Was mich viel mehr empört: Wo bleiben die Betriebsräte und Gewerkschaften? Wo bleibt die Solidarität? Wo war sie, als Kollegen in neue GmbHs oder Städte gedrängt bzw. auf diese Weise direkt hinausgeschoben wurden? Als immer mehr Arbeit auf immer weniger Schultern verteilt, aber dann laut über die Qualität gemeckert wurde. Als die Honorare der Freien immer weiter abgesenkt und Spesen einfach gestrichen wurden? Neue Kollegen nur noch zu Dumpingtarifen eingestellt wurden? Aber der „Wasserkopf“ immer weiter ausgebaut wurde.

    Warum legen die G+J Beschäftigten aller Titel den Verlag nicht völlig lahm, bis solche Entscheidungen zurückgenommen werden? Bertelsmann hat gerade Rekordzahlen vorgelegt. Womit sollen die Kündigungen überhaupt begründet sein? Weil irgendwelche Verlagsoberen stabile Titel kurz und klein rechnen, obwohl das Gesamtergebnis stimmt?

    Liebe G+J’ler, ihr habt noch feste Jobs im Verlag mit ziemlich vielen Arbeitnehmerrechten. Lasst nicht zu, dass der Verlag so mit seinen Mitarbeitern umspringt.

  4. sondern darin, daß in 15-20 Jahren mehr als jede(r) Zweite ( in Deutschland ) im Alter arm sein wird.

    Aber genau dieser „Modernisierungsschub“ wurde ja von den Journalisten hochgelobt.
    ( “ Deutschland geht es gut „, “ Wie gut wir mit der Agenda 2010 dastehen „, usw. )
    Also werden viele Journalisten dann mal im Selbstversuch erleben
    (müssen), wie toll diese Reformen sind.
    Ob STERN oder FINANCIAL TIMES Deutschland, man konnte
    sich ja vor Begeisterung kaum einkriegen.
    Zwar hat GEO thematisch damit nichts zu tun, gehört aber nun mal
    zum G+J Konzern.

    Übrigens gibt es diese Altersarmut weder in den BeNeLux Ländern noch in Skandinavien oder der Schweiz, soviel zum Thema „alternativlos“.

    Außerdem konnten sich immer weniger Gering- und sogar Normalverdiener die teure GEO leisten. Ich kenne viele, die sie in den 90ern noch gekauft haben,
    die aber seit 10 Jahren sparen wo es nur geht.

    1. Ein sehr guter Kommentar, ich kann Ihnen nur beipflichten. Wer ständig den Menschen erzählt, wie gut eine bestimmte Medizin schmeckt, sollte nicht jammern, wenn er diese selber einmal löffeln muss. Also: Schluss mit dem Gejammer der Mainstreamjournalisten, die die Interessen einer kleinen Geld- und Machtelite vertreten.

  5. Der Verlag und deren Journalisten tönen doch immer rum, Deutschland müssen sich für für den Euro sparen, der Euro schaffe Wohlstand, Deutschland hat am meisten vom Euro profitiert.

    Wenn das alles stimmt, bräuchte sich die Journalisten doch keine Sorgen macht, durch den Euro ist sie doch reicher geworden (der Standardspruch von jeder Redaktion: Der Euro schafft Wohlstand).

    Wir Bürger mussten damals und auch heute ständig große Opfer für den Euro bringen, wenn es jetzt endlich auch mal die Journalisten trifft, die immer vom tollen Euro schreiben der alle Bürger reicher mache, finde ich das so sogar sehr gut.

    Harter Worte, die ich hier von mir geben, ja, aber genauso „hart“ gehen diese Journalisten mit uns Bürgern um wenn wir den Euro kritisieren.

  6. Ich leiste mir als Zeitarbeiter seit einigen Jahren die „GEO“. Was mich an Journalisten wurmt: Beim Presseclub in der ARD wurde immer das Internet gelobt, als es nur den Einzelhandel betraf. Ladenschluß? Braucht man nicht. Wie wurde WAL MART von der Presse gefeiert. Der freie Markt und immer mehr Deregulierung wurden begeistert begrüßt. Nun trifft es eben die eigenen Kollegen. Kein Mitleid. Sorry. Pech gehabt.

  7. Die Medien haben mitgeholfen, die Welt auf den Kopf zu stellen. Wie stehen die vielen kinderlosen Frauen und Männer im Alter da? Massenhaft Singlehaushalte.

    So hat Gott die Welt nicht gewollt. ER will für alle das Gute.

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