Das schnelle Ende eines heftigen Shitstorms: Das vorbildliche Krisenmanagement der Reformhäuser

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Marketing Ein Fall für die Krisenkommunikations-Lehrbücher. Am gestrigen Dienstag sah es lange so aus, als ob die Reformhäuser, bzw. der Verband der Reformhäuser, in richtig schwere Shitstorm-See geraten würden. Ein heftig homophober Text in der Reform Rundschau, einem Magazin, dass in den Bio- und Gesundheits-Läden ausliegt, brachte den Verband in höchste Kommunikations-Not. Doch mit einem konsequenten Manöver gelang den Refomhäusern die Wende.

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Bereits wenige Stunden, nachdem die Kritikwelle so richtig Fahrt aufgenommen hatte, steuerten die Vorstände des Reformhaus-Verbandes, Rainer Plum  und Carsten Greve, effektiv dagegen. In einem Statement „distanzierten“ sie sich sofort „klar und eindeutig“. „Vorstand und Aufsichtsrat der Reformhaus eG weisen die diffamierenden und diskriminierenden Äußerungen gegenüber Homosexuellen im Artikel von Dr. von Rosen in der Reformrundschau 11/14 komplett zurück“.

„‚Ehen‘ zwischen Homosexuellen geschlossen sind ein Verstoß gegen das universelle Gesetz von Yin und Yang bzw. das Gesetz der Polarität“

In seinem Text „Yin und Yang im täglichen Leben“ hatte Dr. med. Jürgen Freiherr von Rosen, der in Gersfeld eine „Praxis für naturgemäße Ganzheitsmedizin“ betreibt, geschrieben: „Wenn heute auf die Homosexualität so großer Wert gelegt wird und sogar ‚Ehen‘ zwischen Homosexuellen geschlossen werden, so ist das ein Verstoß gegen das universelle Gesetz von Yin und Yang bzw. das Gesetz der Polarität“.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Sowohl bei Queer.de, als auch auf der Facebook-Seite der Anti-Homophobia-Aktivisten von Enough ist Enough waren die meisten Kommentatoren schnell einer einhelligen Meinung. „Na da wissen wir ja, wo wir nicht mehr einkaufen gehen…“. Alleine dieser Satz von Queer.de kommt einem PR-Desaster für die Laden-Klassiker im Öko-Einzelhandel gleich: „In deutschen Reformhäusern erhält man nicht nur Vollkorndinkel und Amaranth, sondern auch esoterisch verbrämten Homo-Hass“.

„Bereits mehrere hundert Reformhäuser haben die Zeitschrift „Reformrundschau“ 11/14 aus ihren Geschäften entfernt und vernichtet“

Die Lehrbücher für Krisenmanagement schlagen in solch einem Fall ein klares Vorgehen vor: Entschuldigen, Distanzieren und dann klare Konsequenzen ziehen. Genau nach diesem Schema handelten die Reformhäuser dann auch.

Neben der klaren Distanzierung schrieben die beiden Vorsitzenden weiter, „dass bereits mehrere hundert Reformhäuser nach unserer Information die aktuelle Auflage der Zeitschrift „Reformrundschau“ 11/14 aus ihren Geschäften entfernt und vernichtet haben und diese Reformhausbetreiber den Bezug dieses Magazins mit sofortiger Wirkung gekündigt haben.“ Das kann man durchaus als klare Konsequenzen bezeichnen.

Zudem weisen sie auf einen interessanten Nebenaspekt hin. „Wir, die Reformhaus eG und die ReformhausMarketing GmbH (Herausgeber des ReformhausKuriers) haben weder auf Artikel noch auf die Herausgabe der Zeitschrift Reform Rundschau einen Einfluss, denn diese Zeitschrift erscheint in einem von uns unabhängigen Verlag. Wir stehen mit diesem Verlag in keinerlei Beziehung, ganz im Gegenteil. Für unser Magazin ReformhausKurier ist die Reformrundschau ein Wettbewerber.“

Im gewissen Sinne hilft der Shitstorm dem Verband so auch einen Wettbewerber zu schädigen. Für die Vital Medien GmbH, den Herausgeber der Reform Rundschau, dürfte der Fall ein Desaster sein. Alleine schon deshalb, weil viele Reformhaus-Betreiber nicht mehr sonderlich gut auf das Heft und seine negativen PR-Folgen zu sprechen sind.

Der Verlag ruderte bereits in E-Mails, die an empörte Leser gingen, zurück: „Der Beitrag war polemisch und hätte in dieser Form nicht veröffentlicht werden dürfen“, zitiert Queer.de aus den Mails von Magazin-Macher Frank Höpping. „Dafür übernehme ich persönlich die Verantwortung und entschuldige mich bei Ihnen in aller Form. Es ist weder meine Absicht noch die Absicht der Redaktion, Gefühle anderer Menschen zu verletzen oder gar jemandes Lebensweise zu diskreditieren.“ Die Erklärung gipfelt in dem Versprechen, dass „derartige Beiträge in der Reform Rundschau künftig nicht mehr veröffentlicht werden“.

Ob im Fall der Reform Rundschau die späte Reue reicht, um den Schaden zu begrenzen, darf bezweifelt werden. Das Magazin wird künftig erst einmal wohl einen schweren Stand haben. Das zeigt auch, dass ein kleiner Verlag nur durch einen einzelnen Artikel in schweres Fahrwasser geraten kann.

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Alle Kommentare

      1. Ich finde es sehr interessant, zeigt es doch die heuchlerische Verlogenheit der US Gesellschaft. Das Ganze ist für den Entenjäger nur deshalb gut ausgegangen, weil er sich auf die Religion beziehen konnte. Hätte er keinen Religionsbezug gehabt, wäre er jetzt am Ende. Merke: Religion sticht Homophilie sticht Meinungsfreiheit.

  1. Die „Homos“ beschweren sich über die Meinung eines Esoterikers.

    Ist das nun Satire oder traurig?

    „Und sperrt man mich ein
    In finsteren Kerker,
    Ich spotte der Pein
    Und menschlicher Werke.
    Denn meine Gedanken
    Zerreißen die Schranken
    Und Mauern entzwei,
    Die Gedanken sind frei!“

    Zensur führt zu Widerstand.

    1. Am lustigsten sind immer noch diejenigen, die sich darüber aufregen, dass andere Leute sich über so „Belangloses“ aufregen. 😉

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