dpa fällt auf falschen Vettel-Tweet rein und stürzt Medien in Verwirrung

Sebastian Vettels zu Ferrari: Aus der Ente wurde Wirklichkeit
Sebastian Vettels zu Ferrari: Aus der Ente wurde Wirklichkeit

Publishing Es ist manchmal schon knifflig mit diesem Twitter und dieser so genannten Echtzeit. Am Mittwoch sorgte der Tweet eines Fake-Accounts für Medienwirbel, der besagte, dass Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel zu Ferrari wechselt. Die Ente wurde von dpa als Eil-Meldung verbreitet und stürzte Teile der Medienbranche in größere Verwirrung. Inklusive uns.

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Alles begann mit diesem Tweet des offiziellen Twitter-Accounts des Ferrari-Formel-1-Teams Scuderia Ferrari:

Der Account heizte die Stimmung weiter an:

Was wird denn da wohl “in der Luft liegen”. Schon lange wird über einen möglichen Wechsel des Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel zu Ferrari spekuliert. Für Vettel wäre es der nächste logische Schritt in seiner Karriere. Dann folgte kurze Zeit später die scheinbare Bestätigung:

Und jetzt aufgepasst: Der Twitter-Account, der da den Wechsel von Vettel zu Ferrari meldet, hat ja gar kein blaues Häkchen, das die Echtheit eines offiziellen Accounts bestätigt. Und der Account hat überhaupt nur eine Handvoll Tweets abgesetzt und nur etwas über 30 Follower. Kann das wirklich der offizielle Twitter-Account von Ferrari sein? Nein. Der echte Scuderia Ferrari Account hat über 933.000 Follower und auch den blauen Haken, mit dem Twitter die Echtheit anzeigt. Der Account, der den Wechsel Vettels meldete ist ein Nachbau des offiziellen Accounts. Mit dem feinen Unterschied, dass er sich mit einem „l“ statt einem „i“ am Ende von Ferrari schreibt, was aber nicht sofort auffällt.

Die Deutsche Presseagentur auf den Fake-Account herein und verbreitete den Wechsel Vettels als Eil-Meldung. Die Redaktionen machten, was sie so machen: Die dpa-Eil wurde ohne Prüfung flugs übernommen. Einige, wurden – wiederum via Twitter – wenigstens schnell auf die Ente aufmerksam und korrigierten:

Bei der dpa selbst bemerkte man die Falschmeldung nach gut 20 Minuten – um 14:19 wurde laut dpa-Sprecher Christian Röwekamp die Vettel-Meldung im System „gekillt“ und eine Korrektur verschickt. Zuvor hatte eine Kollegin aber noch die Ente, wie sie von n-tv verbreitet wurde, retweeted:

Dabei war der verlinkte n-tv-Artikel längst korrigiert und berichtete nun auch über die Falschmeldung. So ganz klar wird die Sache in dem aktualisierten n-tv-Text freilich auch nicht. Dort heißt es nämlich, der offizielle Ferrari Twitter-Account sei “geknackt” worden, dabei ist er tatsächlich nachgebaut worden.

Um kurz vor 15 Uhr dann meldete dann auch dpa die Enthüllung der Ente per Twitter und entschuldigte sich brav.

Nun ist der Wechsel von Sebastian Vettel zu Ferrari wahrscheinlicher als – sagen wir mal – eine junge Frau, die sich eine dritte Brust implantieren lässt. Aber das Beispiel zeigt mal wieder, welche Verantwortung gerade Agenturen im schnell heiß drehenden Medienbusiness heute haben. Und dass die Neigung in Redaktionen, dpa-Meldungen zunächst einmal blind zu vertrauen, immer noch ausgeprägt ist.

Nachtrag und Korrektur: Auch wir haben offen gesagt bei dem Fake-Ferrari-Account nicht sofort durchgeblickt. Dass der Fake-Account ein Nachbau des offiziellen Scuderia-Ferrari-Accounts ist, war uns zunächst nicht ersichtlich, was zu einigen falschen Schlussfolgerungen in einer ersten Version des Textes führte, für die wir uns entschuldigen möchten.

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Alle Kommentare

  1. Der eigentliche Witz hinter dieser „Story“ ist ja, dass eine längst bekannte Information (Vettel wechselt zu Ferrari, weiß seit Wochen jeder, den es interessiert) durch einen Fake-Account auf Twitter (!) durch die dpa (!!) zur ad-hoc-Meldung auf allen führenden Nachrichten-Portalen (!!!) aufgeblasen wurde. Das, liebe Kollegen, wirft ein so unglaublich schlechtes Licht auf die Arbeitsweise unserer Branche, dass sich niemand zu wundern braucht, wenn die Leser-Kommentare vor Häme triefen.

    Twitter- und Facebook-Accounts sind an die Stelle seriöser Informationsquellen getreten, Meedia macht da keine Ausnahme mit Beiträgen, die in erster Linie aus tapezierten Twitter-Tweets bestehen.

    Ich denke, wir alle in der Medienbranche sind an einem Scheideweg angelangt. Um in den News irgendwelche Social-Media-Meldungen aufzubereiten, benötigt keiner einen ausgebildeten Journalisten. Ich hoffe, das Pendel dreht sich auch durch solche Luftnummern dahin, dass diese absolut miese Reputation von Journalisten in D sich wieder dahin wandelt, dass man der Information und Recherche vertraut, die professionelle Berichterstatter verfassen.

    Wenn die Armeen der „Irgendwasmitmedien“-Absolventen endlich einem geregelten Brotwerwerb nachgehen.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  2. Ihr seid genauso drauf reingefallen. Und tut mit diesem Beitrag so, als ob Ihr zu den „Guten“ gehören würdet, die nicht zu faul waren, so etwas vor Veröffentlichung erst mal nachzuprüfen. Schämt Euch!

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