Außenminister Steinmeier bei LeadAwards: „Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten“

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Publishing Wenn Politiker sich über mangelnde Meinungsvielfalt in den Medien beklagen, dann ist es vermutlich an der Zeit, eine Standortbestimmung vorzunehmen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hielt bei der Verleihung der LeadAwards eine Rede, in der er sich auch über den "Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten" beklagte. MEEDIA dokumentiert die wichtigsten Aussagen des SPD-Politikers.

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„Wenn Medien in die Krise geraten, kann das die demokratische Gesellschaft nicht kalt lassen.“

„Vielleicht waren sich die Journalisten einfach ihres Deutungsmonopols zu sicher. Vielleicht haben sie ihr Herrschaftswissen zu lange vor sich hergetragen und nicht gemerkt, welche neue Form von Öffentlichkeit das Internet entstehen ließ.[…] Das wäre fatal, auch für die Demokratie. Wir brauchen sie, die kritischen, fundierten, relevanten Berichte.“

„Was könnten und sollten Sie tun, um aus dieser Krise zu kommen, und zwar stärker und klüger als zuvor? Mit Sparen allein wird das nicht gehen, auch wenn Sie in den nächsten Jahren gefordert sind, Ihre unternehmerischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.“

Wichtiger ist vielleicht noch, sich auf das Fundament Ihres Erfolgs zu besinnen: Qualität, Relevanz und Vielfalt. Setzen Sie die richtigen Prioritäten. Das heißt: Journalismus zuerst!“

„Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen. Der Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten scheint mir ziemlich hoch.[…] Ein eigenes Urteil erfordert eigene Erkenntnisse. Wir brauchen Journalisten, die sich Zeit nehmen und in eine Materie tief einsteigen. Dazu gehört auch ein Korrespondentennetz.[…] Schicken Sie nicht erst Reporter aus Hamburg oder Berlin in ein Land, wenn das Auswärtige Amt einen Krisenstab eingerichtet hat.“

„Tun Sie alles, damit Journalisten weiterhin gute Arbeit leisten können. Die Medienwirtschaft ist keine Branche wie jede andere.“

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Alle Kommentare

  1. Steinmeier hat vor der UN gesagt, dass Russland im August keine Invasion in der Ukraine durchgeführt hatte (http://blauerbote.com/2014/09/27/steinmeier-vor-un-keine-russischen-truppen-in-ukraine/). Dieser Teil seiner Rede wurde aber in „den Medien“ nicht wiedergegeben.

    In den Wochen zuvor (im August) hatten „die Medien“ von einer massiven russischen Invasion in der Ukraine berichtet („hunderte Panzer“), die natürlich nie stattgefunden hat, jedoch auch nie dementiert wurde.

    Vielleicht meinte er so etwas ja mit dem Konformitätsdruck.

  2. Europa ist auf dem Konsens der Eliten aufgebaut worden. Dies war eine der Voraussetzungen des Architekten für Europa, Jean Monnet. Als Elite empfinden sich Politiker, und Medienvertreter.

    Dazu richtete die Politik das Instrument der Hintergrundgespräche her, in der führende Medien auf wirksame Gleichschaltung der Berichterstattung verpflichtet wurden. Man schafft mittels reguliertem Herrschaftswissen die notwendige Elite aus Politikern und Medien und drückt damit einer grundsätzlich passiven, notorisch gutgläubigen Bevölkerung den Konsens ins Fell, der notwendig war, um Deutschland abwickeln zu können. Mit all den Begleiterscheinungen, die sich langsam unsere Gesellschaft fressen.

    Und dann beschwert man sich über die Auswirkungen des Konsenses. Als ob die Parteien sich außerhalb des erzwungenen Konsenses bewegen würden.

    Wir haben damit unseren Rechtsstaat, wir haben unsere Demokratie verloren, weil wir wählbaren Alternativen weder anbieten, noch akzeptieren. Damit entfällt die Grundvoraussetzung von Demokratie.

    Politik und Medien spielen dabei die herausragende Rolle schlechthin.

    Wir haben die freie Gesellschaft verloren. Jeder, der aus dem erzwungenen Konsens irgendwie ausschert, wird sofort kaltgestellt. Das reicht mittlerweile weit in den persönlichen Bereich hinein.

    Braucht es dazu Beispiele?

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