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Rückbesinnung auf die „DNA des Magazins“: Wie Christian Krug den neuen stern plant

stern-Chefredakteur Christian Krug
stern-Chefredakteur Christian Krug

Sechs Wochen nach seinem Amtsantritt am 1. Oktober hat der neue stern-Chefredakteur Christian Krug heute seine Mitarbeiter über Umstrukturierungen und die künftige Ausrichtung des Magazins informiert. Wie MEEDIA aus Redaktionskreisen erfuhr, wird es demnach künftig fünf thematische Ressorts und flachere Hierachien geben. In diesem Zug wird die von Vorgänger Dominik Wichmann geschaffene Ebene der Managing Editors wieder abgeschafft. Anders als bei Brigitte oder Geo wird es beim stern vorerst nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommen.

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Seit Wichmann Mitte August überraschend nach nur 15 Monaten im Amt entlassen worden war, war man am Baumwall wie in der Branche gespannt, mit welchem Kurs Nachfolger Krug Gruner + Jahrs Magazin-Flaggschiff in die Zukunft steuern will. In einer „Ansprache ohne die üblichen Buzzwords“, so ein Teilnehmer gegenüber MEEDIA, habe der neue Chefredakteur an die „DNA“ des stern erinnert und betont, dass er „präzise recherchierten Stücken und der großen Reportage“ mehr Raum im Magazin verschaffen werde. Zugleich solle der Hefteinstieg gestrafft und die strikte Trennung zwischen „Kopf und Bauch“ gelockert werden. Krug habe gegenüber der Redaktion erklärt, er wünsche sich einen stern, der in allen Heftteilen bunter durchmischt sei und von den Erzählformaten her abwechslungsreicher.

Einem weiteren systematischen Personalabbau erteilte der Chefredakteur zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Absage, allerdings kündigte er an, dass auch beim stern durch Altersfluktuation frei werdende Stellen nicht automatisch neu besetzt würden und dass man auf eine zukünftige, vielleicht noch schärfere Eintrübung des Marktes, sicher auch personell reagieren müsse. Der 48-Jährige erläuterte dabei organisatorische Umbauten: So wird das Mega-Ressort Deutschland künftig wieder in zwei Einheiten unterteilt, von denen sich eine den wirtschaftlichen und politischen Themen widmet, die andere den gesellschaftlichen. Das unter Wichmann geschaffene Ressort „Leben“ heißt nun wieder „Kultur, Lifestyle, Sport“. Das Themenspektrum des Ressorts Wissenschaft soll breiter gefasst werden. Das Auslandsressort bleibt bestehen, ebenso die Investigativ-Einheit. Die stern-Mannschaft, so habe Krug bei seiner Ansprache deutlich gemacht, sei gut und konkurrenzfähig, nur die Aufstellung wolle er in Teilen verändern.

Bei den unter Wichmann eingezogenen zusätzlichen Hierachieebenen legt Krug ebenfalls Hand an. So sollen die auf Zeit berufenen „Managing Editors“ abgeschafft werden, ebenso die Managing Designer. Auch die drei von Wichmann gebildeten „Textteams“ als ressortübergreifende Kreativeinheiten sind nicht von Dauer; zwei hatte Wichmann bereits selbst zurückgebaut, das dritte wird nun ebenfalls aufgelöst. Insgesamt soll das stern-Organigramm nach innen wie außen klarer und der Austausch zwischen Redaktion und Führungsebene erleichtert werden.

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Den Umstellungen voraus gegangen waren wochenlange Einzelgespräche mit Redakteuren aller Ressorts, bei denen sich Krug und sein ebenfalls im Oktober gestarteter Stellvertreter Thomas Ammann einen Überblick über Bedürfnisse und Stimmungslage in der Redaktion verschafft hatten. Wie aus Verlagskreisen zu hören ist, hätten viele Mitarbeiter beklagt, dass die Kommunikation zunehmend durch eine verschachtelte und unübersichtliche Organisationsstruktur gehemmt worden sei. Durch die Neusortierung von Abläufen und Zuständigkeiten soll die Zusammenarbeit und Ideenfindung nun deutlich gefördert werden.

Die Reformen der neuen stern-Chefredaktion kommen dem Vernehmen nach beim G+J-Vorstand gut an, auch wenn man sich dort sicher gewünscht hätte, dass das Flaggschiff im Rahmen des verlagsweiten „Effizienz-Programms“ einen deutlicheren Beitrag zur Kostensenkung durch Personalabbau leisten würde. Dass die bereits in der Amtszeit von Dominik Wichmann um 26 Planstellen dezimierte Mannschaft nun mit rund 160 Redakteuren (plus 45 im Digitalbereich) weitermachen kann, zeigt aber auch, dass das Top-Management dem erfolgreichsten Werbeträger im deutschen Magazinmarkt auch Zuwächse aus eigener Kraft zutraut. Klar ist aber auch: Nur dann wird das Magazin langfristig um harte Kostenmaßnahmen herumkommen.

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