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“Wie ‘ne Petze” – Jan Böhmermann und Olli Schulz debattieren Kai Diekmanns Israeli-Tweet im Radio

Jan Böhmermann, Olli Schulz, Kai Diekmann (v.l.) (Diekmann-Foto: picture alliance / SuccoMedia / Ralf Succo)
Jan Böhmermann, Olli Schulz, Kai Diekmann (v.l.) (Diekmann-Foto: picture alliance / SuccoMedia / Ralf Succo)

Am vergangenen Freitag sorgte ein Tweet von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann für einiges Aufsehen im Social Web. Diekmann hatte versucht, die israelische Regierung und israelische Medien gegen den ZDF-Komiker Jan Böhmermann aufzustacheln, weil dieser einen harmlosen Hitler-Sketch in seinem “Neo Magazin” gezeigt hatte. Die kalkulierte Empörung blieb aus. In ihrer Radio-Show “Sanft und sorgfältig” in Radio eins sprachen am Sonntag Jan Böhmermann und Olli Schulz noch einmal ausführlich über den Tweet und seinen Ursprung. MEEDIA dokumentiert den Dialog.

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Die Vorgeschichte zu dem Diekmann-Tweet finden Sie hier.

Die komplette Sendung „Sanft und sorgfältig“ können Sie hier anhören:

Olli Schulz: Jan, jetzt hast Du Dich mit einem ganz, ganz Großen angelegt. Mit einem, wie sagt man? Mogul oder Mongul? Mogul, ne?

Jan Böhmermann: Down Syndrom.

OS: Mit einem Down-Syndrom, der zufällig auch noch Chefredakteur ist von einer der größten deutschen Zeitungen. Was ist denn da genau passiert? Du wolltest doch gar keinen Ärger, oder?

JB: Ich wollte keinen Ärger. Ehrlich gesagt, weiß ich auch gar nicht, was da los ist. Jeden Donnerstag mach’ ich beim ZDF meine Arbeit, mach’ meine Sendung und was da drumherum los ist … ehrlich gesagt, könnte ich das nicht rekapitulieren. Hätt’ ich auch gar keinen Bock drauf.

OS: Ich kann’s aber mal kurz machen, weil ich das heute in ‘ner Zeitung gelesen habe. Du hast einen harmlosen, kleinen Hitler-Witz gemacht. Was jetzt ja auch nicht so überraschend ist.

JB: Why not, why not? Zur Verteidigung: Natürlich, Hitler Parodien sind ist total alt …

OS: Zum Beispiel die Titanic! Wenn die nicht wissen, was sie machen sollen, dann packen die Hitler aufs Titelbild.

JB: Genauso ging’s mir auch. Und der zweite Aspekt, warum man Hitler nimmt, ist natürlich die größt mögliche komödiantische Artikulation von Hass. Und dann greift man zu dieser sehr kräftigen Farbe im Humor-Farbkasten. Ich hab mir gedacht: YouTube Stars. Seit zehn Jahren oder sechs Jahren gibt es YouTube Stars. Da haben im Fernsehen gerade alle megamäßig Angst vor diesen YouTube Stars. (…) Aber keiner behandelt diese YouTube Stars wie Stars. Wie man mit Stars umgeht, das wissen wir Profis aus dem Unterhaltungsgeschäft.

OS: Man macht sich lustig über sie.

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JB: Ganz genau!

OS: Ich hab den Einspieler nicht gesehen, aber Du hast da also persifliert, dass diese Typen immer irgendwo einkaufen gehen und sich dabei filmen, wie sie Geschenke auspacken.

JB: Das ist auch kein neuer Trend: Haul. Gibt’s seit 30 Jahren in Internet-Zeitrechnung. Irgendwelche 14-jährigen verpickelten Teenager geben ihre 20 Euro Taschengeld bei Rossmann oder dm aus, packen vor laufender Webcam die Tüte aus und riechen an Shampoos. Das ist ein Haul-Video und das ist mega angesagt. Das ist so angesagt, dass die Klickzahlen nach oben gehen, gerade bei den bekannten YouTubern, wenn die das machen. Da ist die Werbeindustrie drauf aufmerksam geworden und die Konzerne. Und mittlerweile featuren die das und sponsern das und –  hey – hau doch mal ‘ne Flasche Fructis in Deine dm-Tüte und sag’, dass das gut riecht und so. Und schwupp, schon wieder 10.000 Euro mehr auf dem Konto. Dafür sind unsere Eltern nicht auf die Straße gegangen, damit wir im Jahr 2014 Rossmann-Tüten auspacken und unsere 14-Jährigen das kollektiv geil finden, wie schön das ist, wenn man sich Sachen kauft.

OS: Dann war das so: Du hast Hitler, also Dich zum Einkaufen geschickt und hast so ein YouTube Haul-Video gemacht. Und dann hat Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild-Zeitung wie ‘ne kleine Petze tatsächlich getweetet: Guckt mal liebe Israelis, was der Jan Böhmermann da im Fernsehen macht. Der verkleidet sich als Hitler und macht ‘nen Witz. Und hat natürlich erwartet, dass ein riesiger Aufschrei stattfindet und alle sagen: Kaischi, ein Glück, dass Du uns das sagst. Und klopfen ihm auf seinen schönen Hipster-Bart. Ist aber passiert, ganz im Gegenteil. Die Leuten haben gesagt: Was ist das große Problem daran, wenn jemand mal ‘nen Hitler-Gag macht, mit nichts anderem haben wir gerechnet bei einem Comedien. Aber da sieht man mal wieder die Charakter-Eigenschaften. Ich weiß, Du bist ja so halbwegs human mit diesen Menschen, die bei der Bild-Zeitung arbeiten.

JB: Durch fast 35 Jahre christsoziale Erziehung. Ich bin ja von der Bild-Zeitung großgezogen worden. Da sind diese christlichen Werte: Dass man so ‘nem armen, behinderten, alten Bundeskanzler, der nicht mehr so genau weiß, was bei ihm aus dem Mund rauskommt, dass man dem bei der Ehe zum Beispiel ein bisschen hilft. Dass man da bei der Trauung mal einfach danebensteht oder ihn im Rollstuhl durch Oggersheim fährt. Man glaubt bis zuletzt immer an das Gute im Menschen. Ich bin da letztlich gar nicht so aggro wie Du …

OS: Ich bin ja gar nicht aggro! Aber ich freu’ mich natürlich für Dich, dass Du dann was zurückgetweetet hast. Und zwar auf Hebräisch, richtig? Kannst Du Hebräisch?

JB: Ne, ich kenn die Schriftart, kann meinen Computer aber so umstellen, dass es aussieht wie Hebräisch. Da nimmt man dann Dingbats oder Windings 4. Und wenn man die Augen zukneift, ist es vielleicht auch Japanisch oder Koreanisch. Egal! Aber es tut mir wirklich Leid. Ich wollte Niemand zu nahe treten. Ich überlege, ob ich so eine halb angefressene Schachtel Mon Cherie mal rüberschicke … da ins Digital-Quartier.

OS: Wir können Kai Diekmann auch gerne mal bei uns in die Sendung einladen und ihm ein paar Tipps geben, wie man die Lederarmbänder abnimmt, die er sich im Silicon Valley alle anschweißen hat lassen und nochmal fragen, was das soll, dass so ‘ne Hetze gerade stattfindet. Auch gegen den Gewerkschaftsboss Weselsky. Haste das auch mitbekommen?

JB: Nur weil der ‘nen dreieckigen Bart hat. Weißt Du, was das Problem ist: Andere Leute haben so Trigger-Wörter und der hat einfach so Trigger-Bärte. Geometrische Bärte! Bei quadratischen Bärten, wie beim Führer, wird er ganz fubbelig, der Kai. Und auch beim Weselsky, mit dem gleichschenkligen Dreieck auf der Oberlippe. Wenn geometrische Bärte im Spiel sind, dann wird getriggert was das Zeug hält bei Bild.de.

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Alle Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Böhmermann,

    zu Beginn Ihrer Radio-Show “Sanft und sorgfältig” in Radio eins mutmaßt Ihr Kollege Olli Schulz, Sie hätten sich mit einem ganz, ganz Großen angelegt. Gemeint ist Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Herr Schulz versucht dann zu ergründen, ob es Mogul oder Mongul heißen muss. Sie antworten spontan: „Down Syndrom.“

    Als Vater eines Kindes mit Down-Syndrom darf ich Ihnen mitteilen: Menschen mit Down-Syndrom wollen nicht mit der Bildzeitung im Allgemeinen oder mit Bild-Chefredakteur Kai Diekmann im Besonderen in Zusammenhang gebracht werden. Eine solche inhaltliche Nähe ist verletzend für jeden Menschen mit Down-Syndrom.

    Einer Entschuldigung in Ihrer nächsten Sendung sehe ich gerne entgegen.

    Herzliche Grüße

    Jörg Peters

  2. Ich glaube, dass Diekmann einfach andere moralische Maßstäbe setzt, seit er zum Islam konvertiert ist.

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