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Lückenhaftes Lucke-Interview: AfD-Chef verweigert Westfalen-Blatt Interview-Autorisierung

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AfD-Chef Bernd Lucke gab dem Bielefelder Westfalen-Blatt in der vergangenen Woche ein Interview – doch drucken durfte die Zeitung viele seiner Aussagen nicht. Alle Antworten zum Thema Rechtspopulismus blieben unautorisiert. Das Lokalblatt veröffentlichte das Interview trotzdem, mit mehr Fragen als Antworten. Das lückenhafte Lucke-Interview wirft einmal mehr die Frage auf, wie sinnvoll die Autorisierung von Interviews ist.

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„Warum sagen Sie nicht einfach mal einen Satz wie ‚Wir wollen die Stimmen von rechtsextremen Wählern nicht haben‘?“ und „Wehren Sie sich nur gegen die Darstellung – oder auch gegen die Leute aus dem rechten Spektrum, die zur AfD kommen?“ Seine Aussagen zu diesen Fragen der lokalen Tageszeitung Westfalen-Blatt waren Bernd Lucke, dem Chef der Alternative für Deutschland (AfD), offenbar zu heikel: Er verweigerte den Journalisten die Freigabe – alle anderen Antworten autorisierte er hingegen zügig per Mail.

Immer wieder sieht sich Lucke mit dem Vorwurf konfrontiert, seine Partei betreibe rechtspopulisitsche Politik. Im Gespräch mit dem Westfalen-Blatt hatte der Parteivorsitzende nach Angaben des Redaktionsleiters Ulrich Windolph viel zu diesem Thema zu sagen und erklärte ausführlich, wieso er sich und seine Partei immer wieder falsch dargestellt sieht. Doch gedruckt in der Wochenendausgabe wollte er seine Aussagen dann doch nicht sehen. Obwohl die Redaktion und Lucke am vergangenen Freitag mehrere E-Mails hin und her schickten, sah sich der AfD-Chef nicht in der Lage, die heiklen Fragen freizugeben. Das Westfalen-Blatt veröffentlichte das Interview trotzdem und druckte anstatt der unautorisierten Antworten Leerstellen. „Wir hatten mit Professor Bernd Lucke zum Abschluss des 75-minütigen Gesprächs am Donnerstagvormittag in Bielefeld einvernehmlich einen Abdruck des Interviews in unseren Wochenendausgaben vereinbart. Dabei war – und das ist an dieser Stelle wichtig zu sagen – auch eine Autorisierung ausdrücklich verabredet worden“, sagt Windolph im Gespräch mit MEEDIA. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass sich das Westfalen-Blatt nicht an Absprachen halte.

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Wie die Tageszeitung berichtete, hätte sie die Antworten aufgrund des vereinbarten Freigabe-Verfahrens nicht drucken dürfen. „Das ist natürlich im Resultat sehr unbefriedigend, denn so ist unseren Lesern ja die Möglichkeit genommen worden, sich auf der Grundlage der Antworten selbst ein Bild zu machen. Und genau das war der Sinn und Zweck des Interviews“, so der Redaktionsleiter der Lokalzeitung.

Dies wirft einmal mehr die Frage auf, wie sinnvoll die Autorisierung von Interviews tatsächlich ist. Schließlich hat Bernd Lucke auf die Fragen geantwortet – in einer Interview-Situation, die deutlich als solche erkennbar war, immerhin saß er für 75 Minuten an einem Tisch mit drei Journalisten, die mit ihm über seinen „Kampf gegen die Eurorettungspolitik“ sprechen wollten.

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Alle Kommentare

  1. Wie reagiert die Politik? Die verfolgen Cannabis Konsumenten und verfehlen alle Ziele
    Ich als Jude habe Angst von einer AfD die rechtes Gedankengut hat . Gibt es eigentlich einen AfD Prominenten der Gläubig ist? In der AfD findet man keinen Funktionär der kein Deutscher ist .
    Danke AfD Nazis

  2. Warum sagen nicht mal die Linken oder die grünen“ Wir tolerieren keine linke Gewalt auf der Strasse oder wir wollen keine linksextremen Wähler“…Ausgewogene Berichterstattung sieht anders aus. Dümmlicher Stil der Journalistin.

  3. Autorisierung von Interviews ist im Prinzip Hofberichterstattung. Interviews im Fernsehen und Radios werden auch gesendet und/oder später in Ausschnitten wiederholt. Leider ist offenbar kaum jemand noch in der Lage, ein ordentliches Printinterview zu geben, ohne sich vernünftig und überlegt auszudrücken. Im Grunde muss stets das gesprochene Wort gelten, das aufgezeichnet wird. Wenn Herr Lucke so unglücklich auftritt wie bisher in zahlreichen Talkshows (selbst bei Lanz hat er sich um Kopf und Kragen geredet!), dann ist es nur logisch, wenn er zu heiklen Fragen im Nachhinein seine Antwort verweigert.

    1. Ein 75minütiges Interview würde gedruckt einige Zeitungsseiten umfassen. Also wird es gekürzt. Und bei diesem Kürzen besteht die Gefahr, dass übelmeinende Journalisten Zitate aus dem Zusammenhang reißen und geäußerte Gedanken bewusst falsch darstellen. Also ist es nur logisch, dass der Interviewte die Textfassung noch einmal sehen will.

  4. Zum Spaß mal eines der wenigen Lucke-Zitate aus dem Interview, welche Lucke autorisiert hat:
    „Nun kann man natürlich sagen, wenn sich jetzt alle ein Beispiel an Deutschland nähmen und ihre Wirtschaft so effizient strukturieren würden, dann wären wir der Probleme auch ledig. Aber das ist naiv. Dazu wird es nicht kommen. Wir können nicht das, was wir an deutscher Mentalität – Gründlichkeit und Effizienzdenken und ähnliches – haben, gedanklich verpflanzen und sagen »Nun werdet doch mal wie die Deutschen«.“

    Wenn ich das von „Lucke-Professoren-Deutsch“ mal in echtes Straßen-Deutsch übersetzen darf, dann klingt das so: „Die ganzen Ausländer haben niemals eine Chance, jemals so gut zu werden wie wir gründlichen und effizienten Deutschen. Wir brauchen das doch gar nicht erst versuchen, denen da was beizubringen denn dafür sind die Ausländer alle zu doof.“
    Er sagt hier kurz und knapp, dass es unser großartiges „Deutsch-sein“ ist, welches uns den ultimativen ökonomischen Vorteil gegenüber den anderen EU-Staaten verschafft.
    Sagt mal, merkt hier keiner, dass Lucke selbst knapp davor ist, uns Deutsche mal wieder als „Herrenrasse“ zu lobhuddeln?

    1. Fällt Dir aber hoffentlich auch auf, dass wir für die anderen zahlen und bürgen, weil wir aufgrund unserer deutschen Wirtschaftsleistung Geld haben. Und das wollen diese anderen Völker aber schon ganz gerne im Gegensatz zu Reformvorschlägen. Komisch, dass die sich nicht empören und sagen: Deutsches Geld wollen wir ebenso wie Reformen nicht, das ist Bäh. Merkwürdig, merkwürdig.

      1. lol, tun wir nicht. Alleine mit der durch die Finanzkrise veränderten Zinspolitik hat Deutschland mittlerweile ein Plus von über 900Mrd Euro gemacht. Kein Land verdient an der Krise so gut, wie wir. Und da kommt ihr AFD-Fuzzies und seid auf einmal der Meinung, dass es ja unverschämt ist, wenn wir weniger als 10% von dem, was wir an der Armut der Südstaaten verdient haben, wieder an sie auszahlen sollen! Wenn hier etwas Bäh ist, dann diese schmutzige Einstellung. Darum ging es in meinem vorigen Beitrag allerdings noch nicht einmal am Rande. Ich wollte vielmehr damit zum Ausdruck bringen, wie widerlich rassistisch Luckes Zitate tatsächlich sind, obwohl er sie selbst korrigiert hat und dazu noch sagt, er sei vorsichtig geworden. Und dann wundert er sich, der Nazi im Nadelstreifenanzug, dass die anderen Nazis mit Baseballschlägern und Glatzen hinter ihm stehen. Er tut nichts, um diesem Rassismus etwas entgegen zu setzen, er feuert ihn noch an, indem er den Leuten mit einer völligen Selbstverständlichkeit sagt, dass sie die fleißigsten und zielstrebigsten und effizientesten usw. sind. Lucke ist ein Rassist und das beweisen die von im selbst redigierten Zeilen!

    2. Lucke hat es genau auf den Punkt gebracht. Sie können es nicht. Aus welchen anderen Gründen müssen wir denn immer für die anderen zahlen?

  5. Dumme Frage: Warum sagen Partein wie die SPD, die Grünen oder Die Linke nicht einfach mal einen Satz wie: „Wir wollen die Stimmen von linksextremen Wählern nicht haben“? Wirklich selten so sehr über soviel Blödnaivität gelacht.

  6. Ich kann nicht nachvollziehen, warum die AfD bei Interviews keine Kamera mitlaufen lässt. Damit liesse sich die Tendenz schnell entlarven und „Journalien“ würden vorsichtiger.

  7. Wenn ein Interview mehr Fragen als Antworten beinhaltet und es sich bei den fehlenden Fragen um Rechtspopulismus bezogen auf den Interviewten und seine Partei handelt. Dann ist damit erwiesen, wie tendenziös das Interview war und das es Absicht des „Journalisten“ ist zu diskreditieren.
    Man kann auch durch die Fragstellung in einem Interview den eigenen, tendenziösen Dogmatismus unterbringen du sich von Meedia bestätigen lassen, solange solcher Schund gesellschaftsfähig ist und als Journalismus durchgeht.
    Diese Gesellschaft ist schwer und chronisch erkrankt. Sie leidet an tendenziösen Medien, die sich mit einer Sache gemein machen.

  8. Wenn man über die Einstellung zur Euro-Rettung spricht, was haben dann Suggestivfragen nach „rechtspopulistischen Mitgliedern“ in dem Interview verloren? Es in Deutschland inzwischen alles rechtspopulistisch, wenn man eine andere Meinung hat als die Meinung der journalistischen Masse?
    Ich bin der Meinung, dass die derzeitige Euro-Rettungspolitik von CDU+SPD+Grüne der Ausdruck von hilfsloser Verschwenden von Steuergeldern ist.
    Hauptsache ich deutscher Trottel mucke nicht auf – und lass nur das Steuergeld abnehmen ! Sodann bin ich nicht „rechtspopulistisch“?

  9. Ja, die auch die Oberen der AfD sollten sich dazu bekennen, dass sie Rechts von der Mitte sind und der deutsche Gegenpol der Linken, Grünen und Sozies sind. Ach ja die CDU nicht zu vergessen. Man darf doch wohl noch zu seiner Meinung stehen, ohne gleich ein Nazi zu sein.

  10. Das Problem ist, dass ein gedrucktes Interview nur selten alles wiedergibt, was gesprochen wurde. Und wenn man tatsächlich die Worte eines Menschen so schreibt, wie er sie gesagt hat, dann hört sich fast jeder Mensch wie ein Volltrottel an, weil eben keiner druckreif spricht.

    Insofern ist es erforderlich, jedes Interview intensiv sprachlich zu bearbeiten, und es ist dann nur fair, dem Interviewten das Interview noch einmal zum Abnicken hinzulegen, damit er bestätigt, dass er sich dort zutreffend porträtiert sieht. Wenn der Interviewte an dem Interview zu viel herummäkelt, dann steht der Zeitschrift frei, es nicht zu drucken – und in der regel kommt dann auch raus, dass ein Interviewter rumgezickt hat. Andererseits, wenn drei Redakteure da waren und es jemand mitgeschnitten hat, dann könnten sie natürlich beweisen, was er gesagt hat – und dann kann er auch kaum noch dagegen vorgehen.

    Andererseits: ich würde mich nicht interviewen lassen, ohne das Gespräch vor dem Druck noch einmal zu sehen.

  11. Es ist schon lustig, wenn sich linkspopulistische Billigblätter gerieren, andere als Rechtspoloulisten zu erntlarven. Oder ist es eher peinlich?

  12. Ich finde unser Chef Herr Prof.Dr. Lucke sollte einfach mal den Mut haben zu
    sagen „ja viele unserer Mitglieder haben eine rechte Einstellung“, wobei betont
    werden muß, daß rechts nicht gleich brau und Nazi bedeutet und die Linken geschichtlich mehr Leute auf dem Gewissen haben. Viele unserer Anhänger
    warten nur darauf, daß man mit Stolz erklärt „ich bin rechts und eben kein Linker“
    ich halte dies für eine Auszeichnung am anderen demokratischen Ende des
    Spektrums zu stehen.

    1. Wie glücklich der rechte Bodensatz der Gesellschaft sein muss wieder eine Partei wählen zu können, die noch als demokratisch gilt und nicht die „linke“ CDU. Von so weit rechts draussen wird dann auch für manchen das Westfalen-Blatt zur Linkspresse. Und ob man die ausländerfeindlichen, homophoben und frauenfeindlichen Positionen dann als braun bezeichnet oder nicht, ist dann schon unerheblich.

  13. Lucke handelt richtig. Man braucht sich von dieser Mischpoke nicht beliebig durch den BRAUNEN Kakao ziehen zu lassen.

    Waren da wirklich 3 Reporter zugegen oder ist das auch nur ein Fake?

    Schliesslich überantwortet man in der Branche im Wochentakt hervorragende Qualitätsjournalisten dem Arbeitsmarkt … was mich schwer betroffen und ein ganzen Stückeleyn schwer ums Herze macht

  14. Finde es es gehört zum journalistischen Recht das komplette Interview zu drucken. Viel mehr finde ich es gehört sogar zur journalistischen Pflicht die Bevölkerung über Dinge, die sie beeinflussen könnten, zu informieren.

    1. Ja, das finde ich auch! Es gehört zur journalistischen Pflicht auch darüber zu berichten wie viele Palästinenser vom israelischen Militär ermordet wurden, wie viele palästinensische Familien ihrer Heimat beraubt wurden und dass Israel ein Arsenal an Massenvernichtungswaffen besitzt.

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