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Die Anti-Büchner Petition wird zum Image-GAU für die Print-Redaktion des Spiegel

Sehet die Zettel an der Wand!
Sehet die Zettel an der Wand!

Mit der jüngsten Petition der Redaktion des Print-Spiegel gegen Chefredakteur Wolfgang Büchner hat sich die Spiegel-Redaktion in der Außenwahrnehmung offenbar mehr geschadet als genutzt. In zahlreichen Kommentaren wird die starre Haltung der Anti-Büchner-Fraktion angeprangert, bei Spiegel Online herrscht Entsetzen und auch in anderen Abteilungen des Verlags wird nur noch mit Kopfschütteln auf die Aktionen der Print-Redaktion reagiert. MEEDIA dokumentiert einen Leser-Kommentar, der den Image-Schaden für die Print-Redaktion des Spiegel  zugespitzt ironisch auf den Punkt bringt.

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Hört man sich im Spiegel Verlag außerhalb der Print-Redaktion oder in der Online-Redaktion um, dann herrscht über das Verhalten der Print-Redakteure Unverständnis bis blankes Entsetzen. Es gebe einen Kern von Print-Redakteuren, der sich „mit Händen und Füßen“ gegen den Online Journalismus wehrt, sagte Jemand aus der Spiegel-Vermarktung im Gespräch mit MEEDIA. Chefredakteur Wolfgang Büchner werde im gesamten Haus bei weitem nicht so kritisch gesehen wie in der Print-Redaktion.

Die Print-Redaktion des Spiegel hat gerade erst eine neuerliche Petition auf den Weg gebracht, in der die Gesellschafter recht unverhohlen dazu aufgefordert werden, Büchner als Chefredakteur abzuberufen und einen neuen Chef zu installieren, der das Vertrauen „in seine journalistische und strategische Führungskompetenz genießt“. Also einen aus den Reihen der Print’ler. Diese Petition wurde von 91 Prozent der Print-Redaktionsmitglieder unterzeichnet – ein beispielloses Misstrauensvotum. Im Haus herrscht extreme Unruhe wegen der schwelenden Führungskrise. In den vergangenen Tagen klebte Jemand einen Zettel mit einem Ausschnitt eines Leser-Kommentars zu einer MEEDIA-Story in den Aufzug des Spiegel-Gebäudes. Das Foto mit dem Zettel wurde dann innerhalb der Spiegel-Online-Redaktion herumgeschickt.

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Derselbe Leser, der sich „Nolan“ nennt, kommentierte erneut unter dem MEEDIA-Artikel über die neue Print-Petition. Wir dokumentieren diesen Leser-Kommentar hier in voller Länge:

Die Redakteurinnen und Redakteure des gedruckten, also einzig wahren Spiegel sind in großer Sorge um die eigene Zukunft. Pardon, die des Verlages. Das wirtschaftliche Umfeld, die Umstellung auf den Erscheinungstermin Samstag sowie die Suche nach einem schlüssigen Konzept zur digitalen Zukunft des gedruckten, also einzig wahren Spiegel und zur Kooperation der Redaktionen von Spiegel (yippie), Spiegel Online (pfui spinne) und Spiegel TV (schnarch) stellen das Haus vor große Herausforderungen, gefährden unseren pünktlichen Feierabend und sind voll doof.

Vor diesem Hintergrund können die Redakteurinnen und Redakteure des gedruckten, also einzig wahren Spiegel ihre Aufgaben nur dann erfüllen, wenn sie von einem Chefredakteur geführt werden, der das Vertrauen aller Gesellschafter sowie der Redaktion in seine journalistische und strategische Führungskompetenz genießt: Ad–, äh, Buddha. Nein. Inazo Nitobe. Napoleon. Aragorn. Herrgott, einen der offensichtlichen Kandidaten halt.

Nun aber gibt es beim gedruckten, also einzig wahren Spiegel ein offensichtliches Führungsvakuum, nicht zuletzt nachdem öffentlich geworden ist, was für eine erstarrte, gestrige und lustlose Bande wir sind, die man ohne nennenswerten Verlust feuern könnte. Richtig lebendig werden wir gerade nur, da aufgrund unserer öffentlichen Demontage des gedruckten, also einzig wahren Spiegel die Gesellschafter bereits Gespräche zur Nachfolge Wolfgang Büchners geführt haben. Tut sich aber nix. Das lähmt die redaktionelle Arbeit, verhindert dringend notwendige Entscheidungen und, na ja, versüßt uns dadurch ehrlich gesagt die Weihnachtszeit. Bisschen halbgar Recherchiertes drucken, kurz mal Politiker mit Verzicht auf Fairness blöd aussehen lassen, pünktlich Feierabend feiern. Rente, here we come.

Die Redakteurinnen und Redakteure des gedruckten, also einzig wahren Spiegel rufen die Gesellschafter daher eigentlich gar nicht auf, diesen Schwebezustand unverzüglich zu beenden. Wenn doch, streiken wir. Unser externer Berater Herr Weselsky wollte bereits heute zu einem Gespräch anreisen, aus einem uns nicht bekannten Grund kam sein Zug aber nicht an.

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Alle Kommentare

  1. Wer könnte neuer Spiegel-Chefredakteur werden? Wohl nur der Papst oder Gott persönlich. Alles andere Personal ist unter der Würde der erstarrten und satten Print-Redaktion.

  2. Nö. Kein „Insider“, kein Interessenpolitiker, kein Coach. Und auch niemand, der die Diskussion „Print oder Online“ führen will – Jahr 2014, willkommen, die Zukunft ist hybrid. Sonstige Klischees bitte im Köcher lassen, nützen niemandem. Ein wohlwollender Außenstehender, der im Gegensatz zu 91 Prozent der Involvierten erkennt, dass diese Farce enden muss, da gerade alle 91 Prozent der Involvierten anfangen, verdächtig nach Kadaver zu riechen. Dies zu bemerken/riechen ist nebenbei bemerkt kein Alleinstellungsmerkmal – das erkennen so ziemlich alle, die nicht involviert sind. Offensichtlich auch innerhäusig. Es gibt Hoffnung für die Kollegen.

    Nie vergessen: Jesus hat sich auch nicht permanent wieder ans Kreuz genagelt, irgendwann muss Schluss sein mit dem Passionsspiel. Veränderung ist okay, Evolution geschieht. Der Dodo fand’s doof – na ja, man weiß, was aus ihm wurde. Wandel tut weh, ja, aber die Zukunft wird immer unter Schmerzen geboren. Ist wie im Geburtskanal – muss man durch!

  3. Das ist richtig erkannt so. Jetzt wird über Media Interessenpolitik gemacht und selbst traut man sich nicht, sondern schickt einen Coach vor.

  4. Aus eigener Erfahrung: Es vergeht kaum ein Tag, an dem Verlags- oder Ressortleiter der schreibenden Zunft nicht einbläuen, dass sie einer aussterbenden Spezies angehören, dass die Zukuft des Journalismus im Netz liegt und Print-Redakteure auf ihre sauer erkämpften Privilegien verzichten müssten. Die Wahrheit sieht anders aus: Paywalls für bezahlte Inhalte sind kein Geschäftsmodell und im Print wird immer noch sehr gutes Geld verdient. Dass die Macher im Kerngeschäft sich als Chef jemanden wünschen, der nicht primär in der Einheit Page Impressions denkt, ist doch nur natürlich!

  5. Ich glaube nicht, dass Nolan ein Spiegel-Insider ist. Nicht einmal Spiegel Online stellt Leute ein, die so schlecht schreiben.

  6. Was für ein Müll-Beitrag!

    Da wird seit Jahren in den Redaktionen systematisch eine Konkurrenz zwischen Print und Online aufgebaut, die ursprünglich auf dem (Unwort) Content(!) der Printler fußt. Und die Qualität der Online-Redakteur*innen – wo soll sie herkommen? Billig müssen sie sein, vor allem billig, Ausbildung, Erfahrung und Qualifizierung stehen allenfalls in den Stellenausschreibungen.

    Wie soll an einem Strang ziehen, was ganz offensichtlich ge- und zerspalten und gegeneinander aufgerechnet wurde und wird?

    Diese einseitige Nolan-Sichtweise ist zum Kotzen, genauso wie die verwendeten Greisen-Metaphern.

    Muss man wirklich einen „Wandel“, der scheinbar nicht aufzuhalten ist, sang- und klanglos hinnehmen? Was passiert wenn man die Qualität wegrationalisiert – und zwar ganz unabhängig davon, ob es print oder digital ist – kann man an den Auflagezahlen der meisten Tageszeitungen und der „Qualitäts-„Zeitschriften ablesen.

    Und dass meedia ausgerechnet einen solch einseitigen Müll stellvertretend für ein Meinungsbild (hä?), einen scheinbaren Imageschaden der Print-Redaktion heranzieht, spricht gleichfalls Bände.

    Macht es Euch doch bitte nicht so einfach!

    1. Ihr Kommentar ist ein Abbild des Zwists bei Spiegel/SPON: Pure Hochnäsigkeit der Printler gegenüber den Onlinern! Mann wie gestrig ist das denn? Wo ist denn der Qualitätsunterschied zwischen beiden? Selbst wenn es einen gäbe: Wenn der Printler ein, zwei oder drei Wochen oder länger Zeit für seine Recherche hat, sollte dabei ein herausstechender qualitativer Unterschied zum Output der Onliner herauskommen – tut es aber in den seltensten Fällen. Weil die Printler satt sind und keinen Biss mehr haben, sondern nur noch eines im Blick: ihre Pfründe verteigen.

    2. Danke! Endlich springt mal einer nicht auf diesen Hipness-Echtzeit-Zug auf. Niveau wird gewünscht, keine Grabenkämpfe. Vornehmlich wohl von „Greisen“ jenseits der 50. (Ich finde das sehr verletzend.) Gute, wohl überlegte Geschichten, nicht nur Newsticker-Säue, die laufend durchs Dorf getrieben werden. Sprachliche Finesse statt einer Parade von Flüchtigkeitsfehlern und Bildungslücken.

  7. Ganz Deutschland dürfte sich über jeden Kieselstein freuen, der nun auf die SPIEGEL-Printler geworfen wird, angesichts der hohlen Steine, mit denen von denen die Reaktion verteidigt wird. Die Avantgarde weiß, dass bereits 91% zur Skepsis Anlaß geben.

  8. Ironie verhüllt in diesem Fall Fremdschämen für die tragischste Form verschwendetes Potenzials: Kluge, die sich dumm verhalten. Paradigmenwechsel, Gezeitenwechsel – überall imperativ: Wechsel. Synonym: Evolution. Auch Journalismus durchläuft diese, verpuppt sich, muss flügge werden und wachsen, sonst wird er gefressen.

    Hier haben wir einen Haufen einst hübsch schillernder Raupen, die sich mit aller Kraft an ihrem Kokon festkrallen. Wir. Wollen. Da. Nicht. Raus.

    Warum? Der Wandel findet statt. Be there or be square. Die Zukunft des investigativen Journalismus ist der, Spiegel-Printler weghören, im Wissen um die Schwierigkeit des Wandels nebenbei bemerkt brillant benannte Eisberg. Ein tiefgreifender Befeuerungsmechanismus, der in komplexer Verzahnung die Hitze in allen (!) medialen Fenstern schürt. Kein Oben, kein Unten – ein Nebeneinander, ein Überall, ein Jederzeit. Für den Kunden: ein Unverzichtbar.

    Daraus kann ein Gigant erwachsen. So einer, wie es der Spiegel mal war. Vital, schnell, schlank, ja: sexy. Kein Greis, der sich weigert, die Erwachsenenwindel zu wechseln oder bestenfalls den Krankenpfleger mit Kot bewirft.

    Change Manager, die diese Bezeichnung wert sind, wachsen nicht an jedem Brinkbaum. Manche wie Wolfgang Blau hören den Schuss nicht nur – sie ducken sich weg ins Ausland. Bezeichnend.

    Mir fehlt, da bei einem anderen Medienkonzern beheimatet, die Einsicht, welche Maßnahmen möglich sind, um diese dümmliche Farce endgültig zu beenden. Die der gesamten Branche schadet – denn ja, Schwäche und Krankheit riecht man. Ist nicht sexy. So wird Leitmedium zum Leidmedium. Verlierer: die Medien. Unnötig. Nein: fatal!

    Mag sein (und kann inzwischen nicht mehr überraschen), dass Büchner nicht an allen Fronten effektiv wirken kann. Ein Narr kämpft an zwei Fronten – der König der Narren an allen . Er scheint mir beides nicht zu sein. So starken Glaube an die Mission zu haben, um derlei zu erdulden – Chapeau.

    Es braucht einen Spiritus rector, der die Printler an die Leine nimmt, wenn sie selbst nicht dazu imstande sind. Wer soll es sein? Egal. Einer muss es sein.

    Die beste Lösung: sie selbst. Denn das Schönste sind kluge Menschen, die Dummes tun, es erkennen – und abstellen.

    Nennt sich: Wandel. Synonym: Evolution.

    Welcome to the party!

    1. ach wie süss. als früherer abonnent des spiegels, teilnehmer des ersten (noch untr c$s firmierenden) forums schüttele ich nur den kopf: also, SPON wurde von der arbeit der ach so öden printler finanziert, der ruf, den das blatt mal hatte, ist eine morgengabe der ach so öden printler und den ruf, zu einer kreuzung aus BLÖD & Spiegel verkommen zu sein … der kommt sicher nicht von der ach so öden print redaktion. den hat (bei mir jedenfalls) SPON versaut und deshalb habe ich mein abo auch dann gekündigt, weil ich diese labberige sauce einfach nicht (mit)finanzieren wollte.

      kommt also mal von eurem hohen ross runter. daß SPON mit dieser boulevardesken aber vollkommen sinnentleerten mixtur einen hohen stellen- (sprich klick-) wert hat, liegt nicht an seiner qualität – die liegt wie die kompetenz immer noch beim gdruckten spiegel – sondern an seiner geradezu sich dem massengeschmack prostituierenden beliebigkeit.

      darauf würde ich mir mal lieber nix einbilden, weil am ende wird der konsument dann doch auf irgendeinen neuen zug aufspringen.

      aber hey, ihr habt ja jetzt einen von springer an bord, die von mir (seit jahrenden) prophezeite fusion von BLÖD und spiegel zeichnet sich ja jetzt schon praktisch ab. viel spaß dabei.

      es ist halt nur schade um das, was der „spiegel“ mal war …

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