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„Offensichtliches Führungsvakuum“: 91 Prozent der Spiegel-Redakteure fordern Ablösung von Büchner

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Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner

Am Donnerstag wurde den Spiegel-Gesellschaftern eine "Erklärung" zugestellt, die faktisch die Absetzung von Chefredakteur Wolfgang Büchner fordert. Initiiert wurde diese Erklärung von der Print-Redaktion. Das Papier kursierte seit zwei Tagen zur Unterschrift. Unterzeichnet haben nach MEEDIA-Infos schließlich 91 Prozent der Print-Redakteure.

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Reaktionen von den Gesellschaftern stehen bisher noch aus. Die Redaktion von Spiegel Online hat bereits während der Unterschriftenaktion „entsetzt“ auf den Text der Erklärung reagiert. Der Graben zwischen Print und Online-Redaktion sei so groß wie nie zuvor. Die Onliner sind mehrheitlich gegen eine Ablösung des Chefredakteurs. MEEDIA dokumentiert die Erklärung der Print-Redakteure im Wortlaut:

Die Redakteurinnen und Redakteure des Spiegel sind in großer Sorge um die Zukunft des Verlages. Das wirtschaftliche Umfeld, die Umstellung auf den Erscheinungstermin Samstag sowie die Suche nach einem schlüssigen Konzept zur digitalen Zukunft des Spiegel und zur Kooperation der Redaktionen von Spiegel, Spiegel Online und Spiegel TV stellen das Haus vor große Herausforderungen.

Vor diesem Hintergrund können die Redakteurinnen und Redakteure des Spiegel ihre Aufgaben nur dann erfüllen, wenn sie von einem Chefredakteur geführt werden, der das Vertrauen aller Gesellschafter sowie der Redaktion in seine journalistische und strategische Führungskompetenz genießt.

Nun aber gibt es beim Spiegel ein offensichtliches Führungsvakuum, nicht zuletzt nachdem öffentlich geworden ist, dass die Gesellschafter bereits Gespräche zur Nachfolge Wolfgang Büchners geführt haben. Das lähmt die redaktionelle Arbeit und verhindert dringend notwendige Entscheidungen.

Die Redakteurinnen und Redakteure des Spiegel rufen die Gesellschafter daher auf, diesen Schwebezustand unverzüglich zu beenden.

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Alle Kommentare

  1. 19 Prozent aller festangestellten Mitarbeiter der SPIEGEL-Gruppe (nämlich 91 Prozent der Redakteurinnen und Redakteure des SPIEGEL) sind in großer Sorge um ihre eigene Zukunft. Das wirtschaftliche Umfeld, die Umstellung auf den Erscheinungstermin Samstag sowie die Umsetzung des schlüssigen Konzept SPIEGEL 3.0 zur digitalen Zukunft des SPIEGEL und zur Kooperation der Redaktionen von SPIEGEL, SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL TV stellen das Haus vor große Herausforderungen, denen sie nicht gewachsen sind.
    Vor diesem Hintergrund können diese besorgten Redakteurinnen und Redakteure des SPIEGEL ihre Aufgaben nicht erfüllen, weil sie ausschließlich damit beschäftigt sind, die Absetzung des Chefredakteurs zu betreiben, zu diesem Zweck Resolutionen zu verfassen und Mediendienste über ihre Sicht der Dinge zu informieren. Das Vertrauen der anderen Mitarbeiter des Hauses genießen sie dabei kaum, aber das ist ihnen seit jeher egal. Mit ihrer strategischen Kompetenz haben sie den Spiegel in die Lage gebracht, in der er sich heute befindet. Sie lähmen die redaktionelle Arbeit und verhindern dringend notwendige Entscheidungen.
    So gibt es beim SPIEGEL eine offensichtliche Unfähigkeit, sich der Zukunft zu stellen, nicht zuletzt nachdem öffentlich geworden ist, dass die Print-Ressortleiter keinerlei Bereitschaft zum notwendigen Umbau der redaktionellen Struktur zeigen.
    Die verängstigten Redakteurinnen und Redakteure des SPIEGEL rufen die deutsche Gesellschaft daher auf, unverzüglich den Gebrauch von Internet-Medien einzustellen, damit die dann zwingend wieder steigenden Verkaufserlöse des SPIEGEL ihnen auch in Zukunft eine hübsche Gewinnbeteiligung sichern.

  2. Das gedruckte Papier wird sich ja von selbst erledigen, von einem wirklichen Investigativ Blatt entfernt sich der Print- SPIEGEL immer mehr, und wenn man dann noch sieht bzw. liest wie im eigenem Hause mit den Vorgesetzten umgegangen wird, da bleibt dann schon ein Nachdenken über solche Vorgänge…, und das lt. MEEDIA mit 91 % …!!!
    Opa und Omi werden den Print aus zweiter Hand noch lesen, die www. Generation liest heute Online, nicht betagte Nachrichten…, die sich schon zum X- Male überholt haben. Mich wundern Aussagen über Führung, vielleicht sollten die Herrschaften dies mal bei sich selber suchen und warum schreit keiner:
    Ich will Chefredakteur beim SPIEGEL werden, bei R. Augstein bemühte sich die Elite der Presse um diesen Posten. Wenn ich da an frühere Redakteure denke, da kannte man die Namen her im Fernsehen, Presse, Radio, man horchte auf, heute…, mir fehlt nach 28 Jahren SPIEGEL- Leser eigentlich keiner ein…, den man sich merken sollte…! Vor 2 Jahren Abo abbestellt, PC- Notebook- Tablet- Smartphone- B5 aktuell.

  3. Die Redakteurinnen und Redakteure des gedruckten, also einzig wahren Spiegel sind in großer Sorge um die eigene Zukunft. Pardon, die des Verlages. Das wirtschaftliche Umfeld, die Umstellung auf den Erscheinungstermin Samstag sowie die Suche nach einem schlüssigen Konzept zur digitalen Zukunft des gedruckten, also einzig wahren Spiegel und zur Kooperation der Redaktionen von Spiegel (yippie), Spiegel Online (pfui spinne) und Spiegel TV (schnarch) stellen das Haus vor große Herausforderungen, gefährden unseren pünktlichen Feierabend und sind voll doof.

    Vor diesem Hintergrund können die Redakteurinnen und Redakteure des gedruckten, also einzig wahren Spiegel ihre Aufgaben nur dann erfüllen, wenn sie von einem Chefredakteur geführt werden, der das Vertrauen aller Gesellschafter sowie der Redaktion in seine journalistische und strategische Führungskompetenz genießt: Ad–, äh, Buddha. Nein. Inazo Nitobe. Napoleon. Aragorn. Herrgott, einen der offensichtlichen Kandidaten halt.

    Nun aber gibt es beim gedruckten, also einzig wahren Spiegel ein offensichtliches Führungsvakuum, nicht zuletzt nachdem öffentlich geworden ist, was für eine erstarrte, gestrige und lustlose Bande wir sind, die man ohne nennenswerten Verlust feuern könnte. Richtig lebendig werden wir gerade nur, da aufgrund unserer öffentlichen Demontage des gedruckten, also einzig wahren Spiegel die Gesellschafter bereits Gespräche zur Nachfolge Wolfgang Büchners geführt haben. Tut sich aber nix. Das lähmt die redaktionelle Arbeit, verhindert dringend notwendige Entscheidungen und, na ja, versüßt uns dadurch ehrlich gesagt die Weihnachtszeit. Bisschen halbgar Recherchiertes drucken, kurz mal Politiker mit Verzicht auf Fairness blöd aussehen lassen, pünktlich Feierabend feiern. Rente, here we come.

    Die Redakteurinnen und Redakteure des gedruckten, also einzig wahren Spiegel rufen die Gesellschafter daher eigentlich gar nicht auf, diesen Schwebezustand unverzüglich zu beenden. Wenn doch, streiken wir. Unser externer Berater Herr Weselsky wollte bereits heute zu einem Gespräch anreisen, aus einem uns nicht bekannten Grund kam sein Zug aber nicht an.

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