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Springer arbeitet an der „Emanzipation der Zeitung vom Papier“: 296.000 neue Digital-Abos für Bild und Welt

Mathias Döpfner, CEO Axel Springer
Springer-CEO Mathias Döpfner Foto: dpa

Das Geschäft mit den journalistischen Medien fällt in der aktuellen Quartalsbilanz von Axel Springer deutlich hinter den Wachstumstreibern Vermarktung und Online Rubrikenmärkte zurück. Trotzdem setzt Springer erklärtermaßen weiter auf den Ausbau seines digitalen Mediengeschäfts. Von Juni bis September meldet der Konzern 296.000 neue zahlende Digital-Abonnenten für die Angebote von Bild und Welt.

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Von den 296.000 neuen Digital-Abos entfallen rund 240.000 auf Bild Plus und 56.000 auf Welt.de. Interessant dabei ist, dass von den Neu-Abos bei Bild nur rund ein Drittel über das Bundesliga-Angebot kommen. Laut Springer-CEO Döpfner eine „großartige Nachricht für alle Journalisten“. Bedeute dies doch, dass Leute bereit seien, für Journalismsu zu zahlen und nicht nur für Fußball. Trotzdem will Springer künftig eher noch mehr Sport digital gegen Geld anbieten. Das Thema Sportrechte werde langfristig und strategisch gesehen, so Döpfner. Es sei durchaus möglich, auch andere Sportarten außer Fußball anzubieten. So ist jetzt schon bekannt, dass Bild.de künftig auch Basketball zeigen wird und laut einem Spiegel-Bericht hat der Verlag auch Interesse an Wrestling-Übertragungen.

Döpfner: „Bild Digital wächst organisch zweistellig mit Abos.“ Dieses digitale Vertriebsgeschäft werde irgendwann das „immer weniger wichtige Print-Geschäft überkompensieren und vielleicht sogar ganz ersetzen.“ Ziel sei es, so Döpfner bei der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen, „die Idee der Zeitung vom Funktionsträger Papier zu emanzipieren“. Aktuell verkauft Springer monatlich im Durchschnitt noch 2,48 Mio. gedruckte Bild-Zeitungen täglich. Bild Plus hat pro Monat im Schnitt 220.800 Abonnenten. Es wird wohl noch dauern, bis sich die Zahlen wirklich annähern, aber die Tendenz ist da.

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Quelle: Axel Springer

Beim Blick in die Quartalsbilanz fällt auf, dass das Segment „Bezahlangebote“, bei dem vor allem die journalistischen Angebote einsortiert sind, am schwächsten ist. Während die Segmente Vermarktung und Rubriken bei den Erlösen im 3. Quartal um 16,4% und 31,4% zulegten, ging es bei den Bezahlangeboten um 2,8% zurück. Schuld seien auch Sondereffekte, hieß es. So habe im aktuellen 3. Quartal zum Beispiel die umsatzstarke Bild-Sonderausgabe zur Bundestagswahl vom vergangenen Jahr gefehlt. Für das 4. Quartal wurde auch bei den Bezahlangeboten wieder ein Wachstum in Aussicht gestellt. Trotzdem ist bemerkenswert, dass das Geschäft mit journalistischen Inhalten offenbar signifikant langsamer wächst, als die reine Vermarktung oder das Rubrikengeschäft. Der Journalismus wirft auch weniger Rendite ab.

Nichtsdestotrotz bekennt sich Springer zum Journalismus. Döpfner erwähnte explizit die europäische Version des Politik-Portal Politico, die in der ersten Jahreshälfte 2015 starten soll. Zentrale von Politico Europe wird Brüssel sein, eine Dependance in Berlin wird es aber wohl auch geben. Außerdem hat Springer kürzlich seine Anteile an dem Onlinemagazin OZY.com auf 20 Mio. Dollar erhöht. Beides, Politico und OZY.com, sind für Döpfner herausragende Beispiele neuer, digitaler Medienmarken. Und für die Zukunft gelte weiterhin: Springer hält die Augen offen, wenn es etwas Interessantes zu kaufen gibt. Bedingung: schön digital muss es sein.

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Alle Kommentare

  1. Das ist wirklich eine Milchmädchen-Rechnung. Die Bild mit 80 CENT pro Tag und 2,9 Mio verkauften pro Tag macht einen Umsatz von circa 40 Mio im Monat. Die digital Abos sind wesentlich günstiger mit 4,99 der 7,99 im Monat. Rechnet man das hoch (anteilig in Bundesliga und ohne) dann kommt man auf circa 2 Mio. im Monat. Selbst wenn man die Kosten des Vertriebs und des Drucks sowie Remison einrechnet, dann liegt die gedruckte bei 20 Mio im Monat. Das sind also zwischen 5 – 10 % Umsatzanteil (oder Deckungsbeitrag I Anteil) Und das in einem Markt (Online), der bisher exponentiell gewachsen ist!
    Die Probleme und Herausforderungen liegen völlig woanders, aber die Medienhäuser sind resistent diese wirklich mal anzunehmen und sich darüber einen Kopf zu machen. Papier weg und Paid Content her ist nicht so einfach möglich!
    Im übrigen werden die Abos durch iPAds extrem subventioniert. Das alte Abo-SPiel der Verlage geht weiter. Werthaltig ist das nicht!

  2. Prozentzahlen ohne eine absolute Bezugsgröße sind wertlos! Das ist einfach nur schlechter Journalismus.
    Ich kann um 1.000% wachsen. Ausgehend von 10.- Euro wären das immer noch Lousy Pennies.
    Warum nennt Media in keinem Artikel die Basiszahlen?

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