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Vor „Utopia“-Start: Online-Portal ärgert ProSiebenSat.1 mit Teilsieg vor Gericht

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Im kommenden Jahr will ProSiebenSat.1 mit "Utopia" ein aufwändiges Psycho-Experiment auf die Bildschirme bringen. In der Sendung sollen sich Kandidaten eine eigene Gesellschaft fast aus dem Nichts neu aufbauen. Doch schon vor dem Start hat die Sendergruppe Ärger. Das Nachhaltigkeits-Portal Utopia.de hat einen Markenstreit angezettelt - und nun vor Gericht teilweise Recht bekommen.

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Das Landgericht in Hamburg hat am gestrigen Mittwoch dem Online-Portal Utopia.de (Utopia GmbH) im Markenstreit mit ProSiebenSat.1 teilweise recht gegeben. Bei dem Verbot geht es aber nicht um die Benennung der Sendung, sondern um einen zur Sendung gehörenden Web-Auftritt, der ebenfalls Utopia heißen sollte. Die Richter untersagen der Sendergruppe, dass es innerhalb der Sendung eine Internetplattform mit dem Namen Utopia geben darf, auf der Handel betrieben wird.

Das Internet wird in „Utopia“ eine wichtige Rolle spielen. Das John-De-Mol-Format sieht vor, dass sich 15 Teilnehmer mit dem Nötigsten eine eigene Gesellschaft aufbauen. In dem ihnen zur Verfügung stehenden Areal befinden sich lediglich eine leere Halle mit rudimentären Gas und Wasser-Anschlüssen. Zur Verfügung stehen außerdem zwei Kühe und ein paar Hühner. Über das Internet sollen die Bewohner Märkte organisieren können, um in der Außenwelt Geld zu verdienen.

Sollten die Macher der Sendung das Urteil ignorieren, droht ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 250.000 Euro. Der Utopia.de-Anwalt Walter Scheuerl sieht in dem Verbot, „die zentrale Säule des Verwertungskonzeptes für dieses kommerzielle TV-Projekt entfallen.“ Das klingt ein bisschen hoch gegriffen. 250.000 Euro Geldstrafe sind vermutlich ein Schnäppchen im Vergleich dazu, was das gesamte Produktionsvolumen von „Utopia“ ausmachen dürfte. Zudem wird den Machern von „Utopia“ mit großer Wahrscheinlichkeit ein Alternativname einfallen.

Seitens ProSieben erkennt man einen Teilsieg für Utopia.de an. „Das Landgericht Hamburg hat klargestellt, dass die Utopia GmbH nicht erfolgreich gegen den Formattitel ‚Utopia‘ vorgehen kann. Diesbezügliche Ansprüche wurden im Rahmen der mündlichen Verhandlung ausdrücklich zurückgewiesen“, erklärt eine Sprecherin. „Das aufrechterhaltene Verbot bezieht sich nun nur noch auf den Handel mit Waren auf einer Internetplattform durch die Teilnehmer des Formats. Das ist für das Konzept der Show völlig unmaßgeblich“, so ProSiebenSat.1. Weiter heißt es: “ Sat.1 ist über die klarstellende Entscheidung des LG Hamburg sehr erfreut und wird in seiner rechtlichen Einschätzung bestätigt.“ Wie so oft, sehen sich beide Seiten als Sieger.

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Einer Ausstrahlung im kommenden Jahr steht jedenfalls nichts im Wege. Einen genauen Termin, wann das TV-Event startet, gibt es noch nicht. Derzeit sucht der ausstrahlende Sender Sat.1 nach geeigneten Kandidaten.

Update: In einer vorherigen Version stand, dass ProSieben behauptet, die Klägerin müsse drei Viertel der Prozesskosten tragen. Dies ist falsch. Richtig ist: Die Kosten des Verfahrens wurden 50:50 geteilt. 

 

 

 

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Alle Kommentare

  1. Sehr geehrte Redaktion,

    die Darstellung von ProSieben, die Utopia GmbH zahle angeblich drei Viertel der Verfahrenskosten, ist unrichtig. Das Landgericht Hamburg hat „die Kosten gegeneinander aufgehoben“. Das bedeutet, das die Gerichtskosten geteilt und jede Partei ihre eigenen außergerichtlichen Kosten trägt. Die ProSiebenSat.1 Digital GmbH trägt also die Hälfte der Verfahrenskosten.

    Bitte korrigieren Sie das im Bericht und insbesondere in der Zwischenüberschrift.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Walter Scheuerl

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