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Spiegel-Gesellschafter tagen erneut in Sachen Führungskrise

Geschäftsführer Ove Saffe (li.) will an Wolfgang Büchner als Chefredakteur festhalten, die Mehrheit der Heftredaktion fordert dagegen Klaus Brinkbäumer (re.) als Blattmacher
Geschäftsführer Ove Saffe (li.) will an Wolfgang Büchner als Chefredakteur festhalten, die Mehrheit der Heftredaktion fordert dagegen Klaus Brinkbäumer (re.) als Blattmacher

Am heutigen Donnerstag sind die Spiegel-Gesellschafter erneut zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen in der Führungskrise des Magazins zu beraten. Während auf den Fluren im Neubau an der Ericusspitze bereits über Personalentscheidungen spekuliert wird, zeichnet sich bislang aber offenbar keine Lösung ab.

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Nach Wochen eines offenbar taktischen Stillhaltens aller Beteiligten hat die Unruhe mit Bekanntwerden der Absage von Giovanni di Lorenzo an die Gesellschafter wieder zugenommen. Der Zeit-Chefredakteur war Wunschkandidat der Gesellschafter für die Rolle des Blattmachers. Nun ist die Frage der Neubesetzung in der Chefredaktion wieder offen und ebenso das Schicksal von Amtsinhaber Wolfgang Büchner. Eine Mehrheit der Printredaktion, angeführt von einflussreichen Ressortleitern, hat Büchner das Vertrauen entzogen und will ihn so schnell wie möglich loswerden. Geschäftsführer Ove Saffe sowie Vertreter der Gesellschafter hoffen hingegen, dass Büchner dem Haus in einer wie auch immer gearteten Rolle als digitaler „Change-Manager“ erhalten bleibt.

Bei der Sondierungsrunde am Nachmittag, zu der die Gesellschafter um 16 Uhr nicht vollzählig zusammengekommen waren, sollten alle Optionen für eine Beilegung des Streits in der Redaktion diskutiert werden. Für die Mitglieder des Aufsichtsgremiums geht es auch darum, ihr Gesicht zu wahren und gegenüber den Forderungen der Printredakteure nach einer Ablösung Büchners nicht klein beizugeben. In der Heftredaktion wird inzwischen immer häufiger der Name des bisherigen Vizes Klaus Brinkbäumer als Nachfolger Büchners bei der Blattmache genannt. Ullrich Fichtner sowie Dirk Kurbjuweit werden eher Außenseiterchancen eingeräumt, falls es zu einer internen Regelung für die Spiegel-Spitze kommt. Dass sich in naher Zukunft ein hochkarätiger externer Kandidat für den eigentlich lukrativsten Chefredakteursposten finden lässt, wird in der gegenwärtigen Situation zugleich immer unwahrscheinlicher.

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So schließen Beobachter inzwischen nicht mehr aus, dass im Zuge einer eventuellen internen Nachfolgeregelung Büchner aus der Redaktion wegrotiert und eine Aufgabe im Bereich der Geschäftsführung übernimmt, von wo aus er die Verzahnung von Print und Online sowie die Entwicklung neuer digitaler Bezahlangebote vorantreiben könnte. So hätten sich beide Seiten, die Gesellschafter wie die Büchner-Kritiker in der Mitarbeiter KG, mit ihren zentralen Forderungen durchgesetzt. Abgesegnet werden könnte eine derartige Lösung ebenso wie eine weiterhin mögliche externe Nachfolge frühestens bei der ordnungsgemäßen Gesellschafterversammlung im November. Zumindest bis dahin schwelt der Konflikt weiter.

 

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