IVW-Analyse: die meistverkauften ePaper von Zeitungen und Zeitschriften

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Die gute Nachricht: Die ePaper-Verkaufszahlen wachsen. Die schlechte Nachricht: Meist machen sie weiterhin nur einen Bruchteil der Zeitungs- und Zeitschriftenverkäufe aus - und das dazu oft zu Billig-Preisen. MEEDIA hat sich die neuesten ePaper-Zahlen der IVW angeschaut und präsentiert die Rankings der Zeitungen und Zeitschriften.

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Rund 590.000 Zeitungen und 550.000 Publikumszeitschriften werden laut IVW mittlerweile pro Ausgabe als ePaper verkauft. Vorjahresvergleiche sind nicht sehr aussagekräftig, da ständig weitere Titel erstmals ihre ePaper-Zahlen zählen lassen. Doch bei den Titeln, die schon vor einem Jahr dazu gehörten, zeigen die Pfeile meist deutlich nach oben.

So zeigt der Blick auf die Top 20 der Tageszeitungs-ePaper keinen einzigen Verlierer, über die Hälfte der Titel verbesserten sich um mindestens ein Drittel. Am deutlichsten ePaper-Kunden hinzu gewonnen hat in den vergangenen zwölf Monaten Springers Welt, auch der Südkurier, die Rheinische Post und das Handelsblatt wuchsen extrem. Die Nummer 1 der ePaper heißt nun Süddeutsche Zeitung: Die Münchner überholten Bild und F.A.Z. Stärkste Regionalzeitung ist weiterhin der ePaper-Pionier sh:z, der seine Zahlen schon seit über acht Jahren von der IVW ausweisen lässt.

IVW: Top 20 ePaper Tageszeitungen Gesamtverkauf
Verk. Aufl. vs. 2013-III
Platz Titel 2014-III absolut in %
1 Süddeutsche Zeitung 30.023 9.286 44,8
2 Frankfurter Allgemeine 29.613 8.467 40,0
3 Bild Deutschland 28.283 3.350 13,4
4 sh:z Gesamtausgabe 20.674 2.011 10,8
5 Die Welt Gesamt (Die Welt + Welt Kompakt) 17.572 13.080 291,2
6 Augsburger Allgemeine mit Allgäuer Zeitung Gesamt 16.645 4.429 36,3
7 Neue Osnabrücker Zeitung [A-C] 16.535 5.003 43,4
8 Handelsblatt 15.121 6.053 66,8
9 Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten Gesamt plus Partner 13.363 4.565 51,9
10 Rheinische Post Gesamt 13.288 5.764 76,6
11 Zeitungsgruppe Neue Westfälische ohne Mindener Tageblatt 13.009 1.005 8,4
12 Nordwest-Zeitung plus Partner 12.660 3.092 32,3
13 taz.die tageszeitung gesamt 11.261 1.456 14,8
14 Hamburger Abendblatt/Bergedorfer Zeitung 10.939 2.956 37,0
15 HAZ/NP Hannover plus Partner 10.167 2.526 33,1
16 Weser-Kurier Gesamtausgabe 9.588 1.614 20,2
17 Rhein-Zeitung Gesamt 9.064 1.040 13,0
18 Der Tagesspiegel 8.010 2.546 46,6
19 Südkurier Gesamt 001 7.370 3.438 87,4
20 Badische Zeitung 104 Gesamtausgabe 7.351 1.672 29,4
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Die meisten dieser Zahlen enthalten allerdings einen großen Anteil an sonstigen Verkäufen. Dazu zählen z.B. „ePaper-Exemplare, die in Kombination mit einem Abonnement der gedruckten Ausgabe zu einem – gegenüber dem vollen ePaper-Abo-Preis – ermäßigten Preis abgegeben werden“, so die IVW-Regularien. Sprich: Es handelt sich um ePaper, für die nur wenig Geld fließt. Insgesamt finden sich immer noch mehr als die Hälfte der 590.000 verkauften ePaper in dieser Billig-Kategorie. Es scheint, als würde mancher Verlag die sonstigen ePaper-Verkäufe nutzen, um die schrumpfende Auflage besser aussehen zu lassen.

Zieht man die sonstigen Verkäufe aus den ePaper-Zahlen ab, so reichen für den 20. Platz in unserem Ranking ganze 2.517 Käufer und für Rang 1 auch nur 28.007. Zahlen, die zeigen, dass das ePaper weiterhin ein Nischen-Produkt ist, das wegen geringerer Kosten (Druck, Vertrieb, etc. fallen ja weg) zwar attraktiv für den Verlag ist, aber noch zu selten auch attraktiv für den Leser.

Die Nummer 1 des Rankings ist hier nun die Bild. Sie baute in den vergangenen 12 Monaten massiv sonstige Verkäufe ab und wandelte sie offenbar erfolgreich in Abos um. Auf Platz 2 und 3 folgen F.A.Z. und Süddeutsche, deutlich besser als im Gesamt-Ranking schneidet das Handelsblatt ab, das inzwischen über 18% seiner Abos per ePaper ausliefert. Hier verlässt das ePaper die Nische also allmählich. Stärkste Regionalzeitung bleibt auf Platz 5 die sh:z, deutlich besser als in der Gesamtliste schneidet noch Der Tagesspiegel auf Rang 7 ab.

IVW: Top 20 ePaper Tageszeitungen ohne sonstige Verkäufe
Verk. Aufl. vs. 2013-III
Platz Titel 2014-III absolut in %
1 Bild Deutschland 28.007 15.799 129,4
2 Frankfurter Allgemeine 20.242 7.024 53,1
3 Süddeutsche Zeitung 16.559 5.475 49,4
4 Handelsblatt 14.926 5.945 66,2
5 sh:z Gesamtausgabe 10.091 2.217 28,2
6 Die Welt Gesamt (Die Welt + Welt Kompakt) 8.339 5.835 233,0
7 Der Tagesspiegel 7.977 2.553 47,1
8 Rheinische Post Gesamt 6.833 3.848 128,9
9 HAZ/NP Hannover plus Partner 5.956 1.312 28,3
10 Neue Osnabrücker Zeitung [A-C] 5.338 1.702 46,8
11 taz.die tageszeitung gesamt 5.140 571 12,5
12 Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten Gesamt plus Partner 4.257 1.557 57,7
13 Augsburger Allgemeine mit Allgäuer Zeitung Gesamt 3.912 851 27,8
14 Zeitungsgruppe Köln Abozeitungen Gesamt (Kölner Stadtanzeiger/Kölnische Rundschau) 3.470 2.203 173,9
15 Weser-Kurier Gesamtausgabe 3.005 1.112 58,7
16 Nordwest-Zeitung plus Partner 2.915 969 49,8
17 Funke-Mediengruppe Funke-Medien-G (WAZ+NRZ+WP+WR)+IKZ 2.803 1.743 164,4
18 Zeitungsgruppe Neue Westfälische ohne Mindener Tageblatt 2.646 371 16,3
19 Freie Presse Gesamt 2.596 1.349 108,2
20 Badische Neueste Nachrichten Gesamt 220 2.517 356 16,5
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Im Gegensatz zum Zeitungsmarkt, der seine ePaper-Verkäufe inzwischen fast flächendeckend von der IVW ausweisen lässt, sind die Zahlen bei den Publikumszeitschriften noch Mangelware. 65 Titel weisen im dritten Quartal 2014 aber immerhin ePaper-Verkäufe aus. Die klare Nummer 1 ist dabei die ADAC motorwelt. Setzt man ihre eindrucksvollen 342.616 ePaper ins Verhältnis zu den 550.000 gesamten Zeitschriften-ePaper zeigt sich, dass die motorwelt für mehr als 60% des Marktes verantwortlich ist. Die hohe Zahl kommt u.a. dadurch zustande, dass im ADAC-Einsteiger-Tarif „young generation“ für Unter-23-Jährige kein Print-Magazin enthalten ist, sondern eben das ePaper der motorwelt.

Der klare zweite Platz geht an den Spiegel, der an der 50.000er-Marke kratzt, dahinter folgt mit dem ACE-Lenkrad eine weitere Mitgliedszeitschrift, Platz 4 und 5 gehen an den Aktionär und Euro, Rang 6 an den Focus, auch die Wirtschaftswoche auf Platz 7 schafft noch den Sprung über die 10.000er-Marke. Immerhin vier der 20 größten Titel liegen dabei aber sogar unter ihren Vorjahreszahlen: Die ADAC motorwelt, Euro, Glamour und Game Star, dem in der kriselnden Gamesmagazin-Branche nicht einmal steigende ePaper-Zahlen vergönnt sind. Gigantische Zuwächse verzeichnen Focus Money und Euro am Sonntag. Sie waren vor einem Jahr gerade erst in die ePaper-Ausweisung eingestiegen und meldeten nur eine Handvoll Exemplare.

IVW: Top 20 ePaper Publikumszeitschriften Gesamtverkauf
Verk. Aufl. vs. 2013-III
Platz Titel 2014-III absolut in %
1 ADAC motorwelt 342.616 -19.706 -5,4
2 Der Spiegel 49.438
3 ACE-Lenkrad 19.536 12.518 178,4
4 Der Aktionär 18.276 1.383 8,2
5 Euro 15.989 -1.210 -7,0
6 Focus 15.847
7 Wirtschaftswoche 11.298 1.857 19,7
8 Reiter Revue International 6.866
9 Game Star 6.690 -283 -4,1
10 Focus Money 6.246 6.205 15.134,1
11 Euro am Sonntag 5.577 5.494 6.619,3
12 manager magazin 2.855
13 Tourenfahrer/Motorrad Reisen 2.690
14 Auto Bild 2.425 937 63,0
15 GQ 2.027 388 23,7
16 Deutsch perfekt 1.875 242 14,8
17 Glamour 1.733 -385 -18,2
18 Spotlight 1.692 401 31,1
19 Spektrum der Wissenschaft 1.599 481 43,0
20 Vogue 1.575 388 32,7
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Das Ranking abzüglich der sonstigen Verkäufe unterscheidet sich in der Reihenfolge nicht grundsätzlich von der Gesamtliste. Die ADAC motorwelt bleibt vor dem Spiegel und dem ACE-Lenkrad vorn. Der Spiegel meldet hier allerdings nur 23.949 Verkäufe. Zu den Verlierern ADAC motorwelt, Euro, Game Star und Glamour gesellen sich hier auch noch die Wirtschaftswoche und GQ.

IVW: Top 20 ePaper Publikumszeitschriften ohne sonstige Verkäufe
Verk. Aufl. vs. 2013-III
Platz Titel 2014-III absolut in %
1 ADAC motorwelt 342.616 -19.706 -5,4
2 Der Spiegel 23.949
3 ACE-Lenkrad 19.536 12.518 178,4
4 Euro 15.989 -1.210 -7,0
5 Focus 11.687
6 Wirtschaftswoche 8.528 -672 -7,3
7 Reiter Revue International 6.866
8 Focus Money 5.591 5.550 13.536,6
9 Euro am Sonntag 5.577 5.494 6.619,3
10 Game Star 5.228 -1.071 -17,0
11 Der Aktionär 4.460 1.126 33,8
12 Auto Bild 2.042 660 47,8
13 Deutsch perfekt 1.848 231 14,3
14 Spektrum der Wissenschaft 1.599 481 43,0
15 Spotlight 1.555 288 22,7
16 GQ 1.511 -128 -7,8
17 Lecker 1.504
18 Glamour 1.503 -615 -29,0
19 Vogue 1.397 210 17,7
20 Business Spotlight 1.389 248 21,7
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA
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Alle Kommentare

  1. Einen tollen Bericht haben Sie da verfasst, Bravo! Meinem Erachten nach wird der Trend in Richtung ePaper allein aus demografischen Gründen zunehmen. Trotzdem muss auch gesagt werden, dass die gedruckte Zeitung in naher Zukunft nicht völlig an Wert verlieren wird. Stets bedacht werden sollte aber, dass der Trend in Richtung mobile Endgeräte geht und auch die Digitalisierung immer weiter voran getrieben wird. Genau deshalb müssen die Verlage stets Schritt mit der Entwicklung und dem technologischen Fortschritt halten, um weiter erfolgreich am Markt zu bleiben. Es gilt sich stets den Erfordernissen des Marktes anzupassen, um monetäre Einbuße zu vermeiden. Wer nicht Schritt hält gefährdet die eigene Existenz.

    Viele Grüße aus Traunstein,

    Helge Kallert

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