Spiegel: Wunschkandidat di Lorenzo gibt Gesellschaftern einen Korb

Bad News für Wolfgang Büchner: Spiegel-Gesellschafter boten Giovanni di Lorenzo den  Chefredakteursposten an – der lehnte dankend ab
Bad News für Wolfgang Büchner: Spiegel-Gesellschafter boten Giovanni di Lorenzo den Chefredakteursposten an – der lehnte dankend ab

Publishing Neues vom Machtkampf an der Ericusspitze, aber nicht die von vielen im Spiegel-Hochhaus ersehnte Nachricht: Giovanni di Lorenzo, Wunschkandidat der Gesellschafter für die Nachfolge von Wolfgang Büchner als Chefredakteur, wird nach MEEDIA-Informationen nicht von der Zeit zum Nachrichtenmagazin wechseln – und eine Konsens fähige Alternativlösung ist derzeit nicht in Sicht.

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Der Flirt der Spiegel-Gesellschafter mit dem hoch dekorierten Zeit-Blattmacher war Branchenkennern nicht verborgen geblieben. Die Gespräche, so heißt es, seien zunächst durchaus hoffnungsvoll verlaufen. „Viele glaubten, dass alle Signale auf Grün standen“, so ein Insider. Doch das war offensichtlich Wunschdenken. Mit di Lorenzo hatte nach MEEDIA-Informationen G+J-Chefin Julia Jäkel einen Kandidaten in die Diskussion um die Nachfolge von Wolfgang Büchner gebracht, der bei allen Gesellschaftern Gefallen fand. Während die Mitarbeiter KG mit ihrer Stimmenmehrheit bemüht war, eine Zerreißprobe mit der Heftredaktion zu vermeiden, hoffte man bei Gruner + Jahr, die offen ausgetragene und image-schädliche Dauerfehde zwischen Ressortleitern und dem als Print-Chefredakteur hölzern agierenden Büchner beenden zu können.

Daraus wird nun nichts, und wie beim Spiegel derzeit üblich gehen die Deutungen über die Gründe für die Absage di Lorenzos in alle Richtungen. So wird einerseits kolportiert, di Lorenzo sei vom schroffen Auftreten eines einzelnen Gesellschafters im abschließenden Gespräch irritiert gewesen und habe deshalb zurückgezuckt. Andere vermuten, der Zeit-Chefredakteur habe vor allem deshalb so lange mit dem Spiegel geredet, um seine eigene Position bei Holtzbrinck und womöglich auch die Ausgestaltung seines Zeit-Vertrags zu optimieren. Wieder andere behaupten, es liege in di Lorenzos Natur, seine Gesprächspartner nicht vor den Kopf zu stoßen, und er habe aus Rücksichtnahme auf die Not der von ihm geschätzten Gesellschafter nicht gleich mit einer klaren Ansage alle Brücken abgebrochen.

Die letzte Variante erscheint am plausibelsten, denn auch Giovanni di Lorenzo dürfte klar sein, dass selbst er die Gesamtaufgabe beim Spiegel kaum meistern könnte: Zwar ist er ein ohne Zweifel überaus erfolgreicher Blattmacher, aber die beim Spiegel von den Gesellschaftern unisono eingeforderte digitale Erneuerung ist seine Sache nicht. Überliefert ist deshalb auch die Variante, dass di Lorenzo nicht anstelle, sondern neben Wolfgang Büchner beim Spiegel hätte wirken sollen: Er als kreativer Kopf des Magazins und mediales Aushängeschild der Medienmarke, Büchner hingegen als bei der Geschäftsführung angedockter Change-Manager fürs Digitale. Bei der Mitarbeiter KG, aber auch bei der Erbengemeinschaft um Sprecher Jakob Augstein soll eine solche Kombination Anklang gefunden haben.

Doch dazu kommt es nicht, und für alle Beteiligten werden nun die Räume enger. Der erst seit einem Jahr amtierende Büchner wird durch das Bekanntwerden einer Nachfolger-Suche der Gesellschafter hinter seinem Rücken weiter demontiert und immer weniger tragbar. Dem oft nur mühsam einigen Entscheidungsgremium bleibt nun lediglich das Casting eines neuen Chefredakteurs unter den üblichen Verdächtigen, und bei den allem Ermessen nach bereits sämtlich öffentlich gehandelten Kandidaten dürfte die Bereitschaft, auch bei einem gut dotierten Angebot ins Chefredakteurs-Büro des Magazins einzuziehen, langsam aber sicher gegen Null tendieren.

Unterm Strich macht das auf mittlere Sicht eine interne Lösung wahrscheinlicher. Aber auch hier gibt es keine Bewerber, die die einflussreichen Print-Ressortchefs geschlossen hinter sich haben. Es wäre dann kein Wunder, wenn eine Büchner-Nachfolge binnen Monaten erneut zur Diskussion stünde. Genau dies würde aber nichts weniger bedeuten, als dass der Spiegel redaktionell unregierbar wäre – ein Schreckensszenario für die Gesellschafter, aber auch für Deutschlands immer noch einflussreichstes Magazin.

 

 

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Alle Kommentare

  1. Viele Medienmanager sind wie die FDP-Führung – nicht der größte Feind hätte den Abstieg so schnell wie die FDP-Spitze selbst hinbekommen.

    Die meisten Verlage bekommen das ganz ähnlich hin. Wer dem Spiegel gerne Schaden würde, könnte von außen gar nicht so viel erreichen wie die handelenden Personen selbst. Und das obwohl der Spiegel alles hätte um in einer digitalen Ökonomie erfolgreich zu sein, ruiniert er sich selbst!

  2. Di Lorenzo? War das nicht der Zeit-Boss, der im Spiegel Kettenbriefe mit seiner Unterschrift verschickt hat, die den Lesern eine Umfrage zur Zeit vorgegaukelt hat, aber in Wahrheit eine Abofalle war?

    War das nicht der Kerl, der sich im Interview mit KT Guttenberg den Ruf erarbeitet hat, ein wenig zu nahe an den Mächtigen dran sein zu wollen?

    Di Lorenzo als Boss wäre für mich ein endgültiger Grund, nie wieder einen einzigen cent (bzw. eine einzige Online-Werbung) für den Spiegel als Ganzes auszugeben. Falls dessen Nominierung irgendwas zeigt, dann, dass die Medienbranche ein einziges Personalkarussel für Manager und Blattmacher ist, deren einzige Leistung es ist, Manager oder Blattmacher gewesen zu sein (siehe der Wechsel des nicht eben erfolgreichen Managers der WZ zu Stern oder Focus …)

    Ist man schon so verzweifelt, dass der Spiegel um Di Lorenzo buhlen muss, nur weil die Zeit das einzige Magazin ist, dass sich dem Trend des Niedergangs etwas widersetzt?

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