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Als wäre es wieder 2001: DuMont startet Junge-Leute-Blatt „Xtra“

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Ja, ist denn wieder 2001? DuMont kündigte am Montag an, in wenigen Tagen eine "Zeitung für die Jugend" an den Start bringen zu wollen. Xtra soll das Blatt heißen, und wochentags ab 15.30 Uhr verkauft werden. Das Konzept einer jungen Tabloidzeitung erinnert verdächtig an den Kölner Zeitungskrieg. Es gab damals sogar ein Blatt mit dem Namen "Köln Extra".

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„Es ist ein Experiment, klar….Wir müssen uns zutrauen und auch ein Stück weit abverlangen, andere, innovative Wege zu gehen“, sagte Express-Chefredakteur Carsten Fiedler dem Mediendienst Horizont. Xtra ist ein Spin-off der Boulevardzeitung, wird von Volontären und freien Mitarbeitern geschrieben und produziert. 40.000 Exemplare der 28-seitigen Zeitung werden wochentäglich gedruckt. Der Verkaufspreis liegt bei 50 Cent, zum Start wird Xtra auch gratis an „Hotspots“ verteilt. Themen, die in Xtra stehen, sollen für Menschen zwischen 19 und 39 „wirklich relevant“ sein. Die erste Ausgabe erscheint bereits am 23. Oktober.

DuMont Xtra

Noch ist natürlich unklar, wie Xtra aussieht und welches blattmacherische Konzept dahintersteht. Mit „Kölle Live“, einem Digital-Portal vom Express, gebe es eine enge Verknüpfung, teilt der Verlag mit. Doch das, was bisher über Xtra bekannt ist, erinnert fatal an den Kölner Zeitungskrieg von 2001. Damals hatte der Schibsted-Konzern das Gratisblatt 20Minuten in Köln gestartet. Sowohl DuMont Schauberg wie Axel Springer waren mit eigenen Gratisblättern angetreten, um den Angreifer aus der Domstadt zu vertreiben, was schließlich auch gelang. DuMonts Blatt hieß damals „Kölner Morgen“. Das Springer-Blatt hieß „Köln Extra“.

Der Chefredakteur von Köln Extra hieß damals Jan-Eric Peters, heute Chefredakteur von Springers Welt. Sein Statement von 2001 passt problemlos in die Medienwelt von DuMont Schauberg im Jahr 2014: „Extra ist die erste Zeitung für die SMS-Generation. Sie ist schnell und kompakt, lebendig und interaktiv – und erreicht deshalb junge Leute, die bislang allenfalls sporadisch zu Zeitungen gegriffen haben. Unsere Leser sind mobil, kaufkräftig und markenorientiert und damit auch für Anzeigenkunden hoch attraktiv.“

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Nehmen wir an, Peters und sein Team waren damals auf der Höhe der Zeit – was müsste man dann über das Projekt Xtra sagen? Laut DWDL soll das Blatt mit dem Slogan „Kölns erste Morgenzeitung für Studenten“ beworben werden. Eine für die Mehrzahl der Studenten von heute ziemlich unerträgliche Klischee-Denke. Die auch in diesem Punkt die verklärt-anachronistische Haltung zur Zielgruppe „junge Menschen“ offenbart.

Es wird heißen, solche Kritik noch vor dem Start sei unfair und verfrüht, man solle dem Blatt doch eine Chance geben und nicht von vornherein alles kritisieren. Immerhin mache der Verlag ja etwas. Im Prinzip alles richtig. Es wäre eine Freude, würde es tatsächlich einmal einem Medienhaus mit klassischem Hintergrund gelingen, eine Marke aufzubauen, die mit viel Know-how und guten Inhalten bei jungen Lesern funktioniert. Die Art und Weise aber, wie DuMont dieses Projekt ankündigt, lässt große Zweifel aufkommen. Allein der Hinweis, die Gestaltung von Xtra orientiere sich „an der Ästhetik der Digitalen Welt“, spricht für sich.

 

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Alle Kommentare

  1. Ich finde es faszinierend, wie die Leute der Zeitschrift an der Rolltreppe stehen und einem dieses Schmierblatt vor die Nase halten. Schlimmer als die Zeugen Jehovas. Das Schöne an den Zeugen ist jedoch, dass Sie einen nicht ansprechen dürfen, man erst zu Ihnen gehen muss um sich Informationen zu holen.
    Das was dort gedruckt wird ist doch auch nichts anderes, als die Vermittlung von Meinung, sowas sollte verboten werden. Viele Leute fühlen sich gestört und machen Bilder von den Leuten, die überall stehen. Es kann nicht sein, dass man innerhalb 1 Stunde an 3 Bahnhöfen genervt wird.

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