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7 Gründe, warum die Wochenend-Hoffnungen der Verlage enttäuscht werden

Am Wochenende wird’s voll
Am Wochenende wird's voll

Vergangenen Samstag erschien erstmals die deutlich erweiterte SZ am Wochenende. Anfang kommendes Jahr wollen Spiegel und Focus ihren Erstverkaufstag von Montag auf Samstag verlegen.Die Verlage stürzen sich aufs Wochenende. Das Kalkül: Da haben die Leute noch Zeit zum Lesen, sind empfänglich für die Botschaften der Anzeigen. Aber so einfach ist das nicht. MEEDIA nennt sieben Gründe, warum das Wochenende die Probleme der Print-Branche nicht lösen wird.

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1. Samstags kann man keine Agenda setzen

Der Samstag ist zu allererst einmal ein schwieriger Tag für die Produktion eines Print-Produkts. Die Redaktionen müssen künftig schon am Donnerstag fertig sein, um eine flächendeckende Auslieferung am Samstag zu gewährleisten. Sollte freitags noch etwas Wichtiges passieren, haben Spiegel und Focus künftig Pech. Bislang war für die beiden Nachrichtenmagazine der Montag der natürliche Erstverkaufstag. Nach dem Wochenende waren Leser (mutmaßlich) wieder bereit, harte Fakten und News aufzunehmen. Die Magazine nahmen für sich in Anspruch, die Themen-Agenda der beginnenden Woche zu setzen, zumindest der Spiegel. Das ist mit einem EVT am Samstag vorbei.

2. Wer will schon Weltuntergang am Wochenende?

Gerade beim Spiegel ist fraglich, ob das Publikum die oftmals schwere Kost (Korruption, Terror, Weltuntergang) als Lektüre mit ins Wochenende nehmen möchte. Vom Spiegel erwartet man generell eine sehr kritische Haltung und auch eine Prise Weltschmerz. Das aber mag zum entspannten Charakter des Wochenendes nicht recht passen. FAS und WamS bieten zwar auch “harten” Stoff, aber auch viele “leichtere” Themenbücher.

3. Lesestau an Samstag und Sonntag

Früher gab es die Springer-Titel Welt am Sonntag und Bild am Sonntag als überregionale Sonntagsblätter. Dazu noch einige Regionalzeitungen mit Sonntagsausgaben. Später kam die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hinzu. Jetzt drängeln bald Focus und Spiegel auf den Samstag, die SZ hätte zwar eigentlich auch gerne eine Sonntagszeitung, das ist aber heutzutage zu teuer. Vertriebskosten und so. Also wurde die Samstagsausgabe zur “Wochenenendausgabe” aufgeplustert. Die Zeit erzählt ihren Lesern (und Anzeigenkunden) übrigens auch gerne, dass sie vor allem am Wochenende gelesen wird. Das Zeit-Budget der werten Leserschaft mag am Wochenende größer sein als an Werktagen – die Konkurrenz, die um die wertvolle Wochenend-Lesezeit buhlt ist aber auch deutlich größer geworden. Und wird immer noch größer.

4. Entschleunigung geht auch ohne Journalismus

Ist es wirklich das Bedürfnis von unzähligen Menschen, am Wochenende noch mehr so genannten Qualitäts-Content der Medienindustrie zu konsumieren? Gerade in hektischen, digitalen Zeiten wächst die Sehnsucht nach Entschleunigung. Doch die lässt sich mit klassischem Print-Journalismus bedienen nicht recht erzielen. Es gibt ja schließlich auch noch Bücher, soziale Kontakte, die gepflegt werden wollen, Ausflüge, die Familie, Video-on-Demand Anbieter. Warum sollten Menschen bei den unzähligen Angeboten zur Zerstreuung ausgerechnet für die Print-Produkte entscheiden? Es fällt schwer, darauf eine schlüssige Antwort zu geben – außer dem Prinzip Hoffnung.

5. Die Auflagen am Wochenende wachsen nicht
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Schon jetzt ist das Wochenende kein Wachstumsmarkt, wenn man die Auflagen betrachtet. Die Auflage der Bild am Sonntag fällt tendenziell, FAS und WamS stagnieren (seit 2011 wird die Auflage der Wams mit der WamS kompakt gemeinsam ausgewiesen). Zwar ist eine Stagnation der Auflage heute schon durchaus als Erfolg zu betrachten, viel Spielraum für weitere Wochenend-Lesetitel scheint es aber auch nicht zu geben.

6. Smartphones funktionieren auch am Wochenende

Es mag manche überraschen, aber es ist trotz dem Bedürfnis nach Entschleunigung so, dass die digitalen Lieblingsgadgets am Wochenende nicht schweigen. Smartphones und Tablets werden gerade auch am Wochenende stark genutzt und treten – genau wie an Werktagen – in Konkurrenz um das Zeitbudget der Leser.

7. Old habits die hard

Die Veränderung eines Erstverkaufstages ist eine große Sache für ein Magazin. Zumal, wenn der EVT mit dem Spruch “Montag ist Spiegel-Tag” über viele Jahre hinweg geradezu zum Markenkern erhoben wurde. Dass nun bald Samstag der Spiegel-Tag sein soll, wird den Lesern schwer zu vermitteln sein. Und am Montag ist der Spiegel vom Samstag dann schon wieder kalter Kaffee von vergangener Woche. Da haben es die SZ mit ihrer Wochenendausgabe und der Focus mit seinem zum Nutzwert-Heft verwässerten Profil vielleicht ein wenig leichter, sich ins Wochenend-Abenteuer zu stürzen, als der Spiegel (der schlicht noch mehr zu verlieren hat). Ein Selbstläufer wird das Wochenende aber für keines der Print-Produkte.

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Alle Kommentare

  1. Schließe mich den kritischen Vorschreibern an. Das sind keine 7 Gründe, Nr.7 ist nie und nimmer ein Grund.
    Viele Hoffnungen der Verlage werden vermutlich noch platzen wie die Seifenblasen. Die Printmedien sind nicht mehr zeitgemäß. So Etwas kann als Werbegeschenk in einem Marketingkonzept… Lesen wird aber zukünftig immer mehr Online stattfinden. Egal, wie sehr sich eine überalterte Führungsebene dreht und windet. Als Leserin bin ich froh darüber, denn zu oft ärgere ich mich über schlechten Journalismus, aber ohne Presse geht es ja auch nicht. schon allein deshalb ein Hoch auf die Onliner.

  2. Ist klar, dass ein Onliner gegen die Printer stänkert. Davon abgesehen: Habe mit Interesse die Wochendausgaben-Premiere der SZ verfolgt. Mag sein, dass auch dies ein verzweifelter Versuch ist, gegen den Trend zu schwimmen. Ich kann mir trotzdem vorstellen, dass dieser Weg trägt. Bin überzeugt, dass die SZ-Leser das erweiterte Angebot von wirklichem Qualitätsjournalismus goutieren. Die SZ hat bei der erweiterten Samstagsausgabe wenig zu verlieren. Die Produktionskosten steigen, klar. Aber wenn ich das Premierenheft richtig analysiert habe, hat es in der Anzeigenkasse der SZ am Samstag kräftig geklingelt. Viele Inserenten mit Rang und Namen wollten dabei sein. Und der Stellenanzeigenmarkt hatte beinahe den Umfang wie vor 20 Jahren. Insofern dürfte die Kalkulation zunächst aufgegangen sein. Ob das so bleibt? Wir werden sehen…

  3. Paul Müller hat recht: Wo, Herr Winterbauer, sind Ihre sieben Gründe? Sie haben Floskeln ohne jede Grundlage verbreitet, schade. Da Spiegel und Focus umsteigen und wohl auch der Stern irgendwie reagieren muss, ergiebt sich am Wochenende eine völlig neue Situation. Es ist der Prolog der Printmedien für den Kampf ums Wochenende. Übrigens waren auch bisher schon 80 Prozent des Spiegels am Donnerstag fertig, siehe die dürftige Ebola-Geschichte, die zum Titel aufgemotzt war, aber nichts, gar nichts Neues enthielt. Mahlzeit auch.

  4. Der Vorredner hat sie vielleicht nicht gefunden, weil der Link bei Facebook direkt auf die Kommentarsektion verweist, so dass man erst wieder nach oben scrollen muss.

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