Anzeige

Tukur-Tatort „Im Schmerz geboren“ im MEEDIA-Check: außergewöhnliches, bildgewaltiges Fernsehen

ARD/HR TATORT: Im Schmerz geboren
ARD/HR TATORT: Im Schmerz geboren

Der neue hr-Tatort mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle sorgt für viele Überraschungen – im besten Sinne. "Im Schmerz geboren" mischt gekonnt Stilmittel aus unterschiedlichsten Genres, unterscheidet sich deutlich vom Durchschnitts-Tatort und gehört schon jetzt zu einem der besten deutschen Fernsehfilme dieses Jahres.

Anzeige
Anzeige

Die Story:
Ein einsamer Bahnhof, drei Männer mit Waffen, ein Mann steigt allein aus dem Zug. Und plötzlich sind die drei tot – doch der andere Mann hat nicht geschossen. LKA-Ermittler Felix Murot erkennt auf der Videoüberwachung in ihm Richard Harloff, seinen ehemals besten Freund aus der Polizeischule. Die beiden waren damals in dieselbe Frau verliebt: eine ménage à trois, wie in ihrem Lieblingsfilm „Jules et Jim.“ Nachdem Harloff wegen einer Drogengeschichte von der Schule suspendiert wurde, verschwand er mit der gemeinsamen Geliebten nach Südamerika und wurde dort zum Supergangster. Schnell wird klar, dass sich Harloff in Deutschland mit seinem Sohn auf einem Rachefeldzug befindet.

Die Story hinter der Story:
„Rache ist kein guter Rat.“ Mit diesem Satz endet der Tatort aus Wiesbaden. Der Zuschauer erlebt hier einen Film wie ein Shakespeare-Melodram: eine große Liebe, die Freunde zu Feinden werden lässt, Wut und Rache sind die zentralen Motive dieser Tragödie.

Der Satz zum Mitreden:
„Wenn du mich verscheißern willst, dann tu nicht so, als wärest du mein Freund-“ – „Aber das tun Freunde doch immer“, ist ein kurzer Dialog zwischen Felix Murot und Richard Harloff bei ihrem zweiten Zusammentreffen nach über 30 Jahren.

Was taugt das Drehbuch?
„Im Schmerz geboren“ ist außergewöhnliches, bildgewaltiges Fernsehen. Der Film inszeniert sich als klassische Tragödie und mixt darüber hinaus gekonnt Western-Elemente mit modernen Stilmitteln wie eingefärbten Freeze Frames, die viele Zuschauer aus Kung-Fu- oder Quentin-Tarantino-Filmen kennen dürften.

Wie in jedem Stück von William Shakespeare tritt zu Beginn ein Sprecher auf, der die Zuschauer auf die Geschichte einstimmt: „Drum bitt’ ich euch, vergesst dies Bild nicht. Es mag nur ein Mosaik-Stein dieser Geschichte sein, doch mag’s ein wichtiger sein. Genug der Worte, lasst uns sehen, was dieses Spiel uns zeigen mag.“

Anzeige

Dieser Tatort hat eine ganz eigene charakteristische Ästhetik, spielt mit unterschiedlichen Erzählformen und überzeugt außerdem mit einer Filmmusik, die eigens vom hr-Sinfonieorchester aufgenommen wurde.

Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten:
Der Tatort feierte Premiere auf dem diesjährigen Filmfest München und hat den Medienkulturpreis von Ludwigshafen erhalten. Die Begründung der Jury in Ludwigshafen: „Es gibt tatsächlich Redakteure, die den Mut haben, so etwas zu tun, noch dazu im Krimiformat der Nation: im Tatort.“

Eher peinlich:
Nichts.

Fazit
Mit diesem Tatort ist Regisseur Florian Schwarz und Drehbuchautor Michael Proehl ein Meisterwerk gelungen, das kein Fernsehliebhaber verpassen sollte. Der Film ist eindeutig einer der besten der Reihe – und könnte sich dabei nicht stärker von einem typischen Krimi unterscheiden.

Einschaltsempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10:
10

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Ein Kunstwerk dieser Film. Nur schade das viele tolle Filme durch dieses, wie ich finde dämliche und banale Tatort Geduddel beim Vor und Abspann zerstört wird.

    Ich weiß das ich (scheinbar?) der einzige bin den dieser Tatort Vor und Abspann stört,
    ist aber auch völlig veraltet. Alles wird neu gestaltet aber der bleibt…………..

  2. Meine Güte, da kommt mal ein etwas ungewöhnlicher Tatort und schon kocht die Volksseele hoch. Natürlich steht es jeden frei einen Film gut oder nicht gut zu finden ihn aber deshalb als Dreck zu bezeichnen nur weil er den eigenen, begrenzten, Horizont übersteigt ist wohl ein bisschen heftig. Schaut doch Tele 5 oder einen der anderen Hauptschulsender, auch Privatfernsehen genannt.

    1. @Toaster:
      Lesen sie mal den Kommentar von Heiner M. etwas weiter oben.
      Das passt auch auf Ihre Zuschrift.

  3. Eine fundierte und sachliche Kritik findet man auf der Seite des Stern. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Aber vielleicht bin ich ja zu einfach gestrickt, um die Jubelkritiken hier zu verstehen.

    1. lieber hr,
      ich schaue nicht viele krimis im tv-ausser wallander…jedoch mag ich ulrich tukur als schauspieler sehr gerne…genau so gerne wie den darsteller in wallander-ich glaube er heisst hendrik christensen?
      sie beide sind für mich einfach authentisch in ihrem spiel.
      den tatort von gestern abend fand ich fesselnd sowohl von der regie,buch, wie auch von der besetzung – hinzu kommen anleihen aus klassikern, wie henry V mit kenneth branagh(shakespeare) wie auch „spiel mir das lied vom tod“….ich fand diesen tatort den spannensden und tiefgründigsten aller letzten jahre…kompliment…weiter so bitte…entgegengesetzt anderer meinungen…ihr artur mandler,architekt

      1. Der Zusatz ‚.architekt‘ soll wohl auf einen hohen Intellekt hindeuten.
        Na ja, wer’s nötig hat …

  4. Unabhängig von der Qualität dieses Films ist es erschreckend, mit welcher Arroganz manche selbsternannten ‚Intellektuellen‘ auf Kritik daran reagieren. Mit Begriffen wie „schlichte Meinung“, “Unterschichten-Fernsehen”, „Gewohnheits-Publikum“ und „sehr einfacher Mensch“ begeben sie sich noch unter das Niveau derjenigen, die den Film als ‚Dreck‘ bezeichnen. Ich möchte daraus jetzt keinen Rückschluss auf das Niveau des Films herstellen.

  5. Hi,
    sehenswert, dafür zahle ich gerne Gebühren.
    Nicht unbedingt ein klassischer Tatort, aber einer der bessten Spielfilme der dieses Jahr im deutschen TV gelaufen ist.

  6. Ist das Kunst oder kann das weg? Ich meine, Kunst war dieser Tatort nicht …
    Filme, die jeden Bezug zur Realität verloren haben, gehören nicht an diesen Sendeplatz. Zu Action- und/oder Science-Fiction-Kino will ich mich selbst entscheiden. Hier wollten die Macher wohl auf den Spuren Shakespeares wandeln. War aber wohl eine Nummer zu groß.

  7. Die Musikauswahl war einsame Spitze, der Film nach Anfangsschwierigkeiten endlich mal was Neues mit einer ausgezeichneten Besetzung. Und für die Kritiker, die ihre doch sehr schlichten Meinungen unbedingt absondern mussten: die Schwarzwaldklinik läuft halt grad nicht – habt Geduld, irgendwann wird sie sicher wiederholt.

  8. Es war an Langeweile kaum zu überbieten: abgeschmackte Dialoge aus dem „wir machen Kunst“ Ordner für verstaubte Narzisten, schon ab der ersten Minute langweilig-schwülstiges Gelaber und ein ganzer Film, der wohl sowas wie Masturbation der Macher war. Das als großes Kino zu glorifizieren – kein Wunder, dass Deutschland auf dem internationalen Filmmarkt keine Rolle spielt.

    1. So sehe ich das auch – ich mag diese Pseudo-Intellektuellen so garnicht. Da fällt mir immer eine bestimmte Szene aus dem Leben des Brian dazu ein… aber, egal…

  9. Ah endlich einmal etwas mit GEIST, soviele Tote zwar wie bei Shakespeare auch, aber eine intelligente Handlung und endlich, endlich die ironische Verfremdung statt kruder Gewalt – wem s dann doch nicht passt, es gibt ja auch noch „Unterschichten-Fernsehen“ (Harald S.)

  10. Unglaublich, was für ein gewalttätiger Dreck hier mit unseren zwangsweise eingetriebenen Gebühren produziert wird!
    Dieter Meier

    1. Lieber diesen „Dreck“ , wie ihn ein sehr einfacher Mensch beschreiben würde, als der restliche Verdummungsaparat der täglich ausgestrahlt wird!

    2. Da zeigt das Erste Deutsche Fernsehen endlich einmal anspruchsvolle Unterhaltung und der Mainstream bezeichnet es lapidar als „Dreck“. Tja schade! Aber dann war es wohl zu viel des Guten!

    3. ich muss leider Meier zustimmen, das war ein sehr langweiliger und teilweise abstrus lächerlicher Film; eine Homage an sich selbst und die Filme der 50er Jahre. Grausam, aber der HR ist ohnehin ein überflüssiger Sender, denn er hat in seinem Programm nichts was mir bekannt.

      Wie schön, dass die vermeintlich Intellektuellen dann andere Kommentatoren als „sehr einfache Menschen“ bezeichnen – und das anhand von drei Sätzen. Das ist vor allem selbst sehr einfach gedacht und zeugt von einem bösartigen, kleingeistigen Charakter, lieber Sam. Ach oder doch ohne das „lieber“ – das sollte man bei dieser Art gefährlicher, radikal denkender Menschen, die keine Meinung neben der eigenen aktzeptieren wohl weglassen.

    4. Ganz großes Kino! Aber schon beim ansehen sagte ich meiner Freundin: „morgen hagelt es diverse Kritik des Gewohnheits-Publikums“…und richtig 😀 Trotz alledem, damit kann man auch beim Publikum unter 50 punkten und nicht nur dass, auch im deutschen Fernsehen endlich eine meisterhafte Kameraführung entdecken (das Leuchtpunktvisier). Weiter so!

    1. Es mag ja ein paar kunstbeflissene Fernsehliebhaber geben. Und wenn dieser Film außerhalb der Tatort Reihe gezeigt worden wäre, beispielsweise in der Reihe „Das kleine Fernsehspiel“, dann hätte sich darüber bestimmt die erwähnte Zielgruppe gefreut.
      Aber sowas unter einem Tatort zu senden ist m.E. eine Zumutung allerersten Ranges gewesen! Shakespeare hin oder her. Aber doch bitte nicht zu einem Tatort!
      Und die Leute hier, die da von Anspruch reden, haben ja recht – aber, wie erwähnt, nicht als Tatort.

      Eine hanebüchene Geschichte: nur weil jemand Rache nehmen möchte – und sich dann auch noch – wie grotesk – in Jahrzehnten einen Ruf als mordender Drogendealer in Bolivien gemacht hat – dann auch noch mit Diplomatenpass (lächerlich) nach Deutschland kommt, um sich an Herr Murot zu rächen. Dann dieser Bosco, der einmal als Shakespeare Schauspieler irgendwas in die Kamera faselt, dann getötet wird und dann doch wieder im selben Streifen auftaucht… Leute – schlimmer geht´s nimmer! Metaphorisch hin oder her. Bullshit!
      Dann noch eine Massenschlachtung, die komplett und völlig grotesk so überhaupt nicht ins deutsche Verbrecher Milieu passt, nur weil da einer vor lauter Weltschmerz und angeblichem „Wahnsinnen“ seinem Ex-Freund eins auswischen will (damit er selbst tötet um sich zu verteidigen). Geht´s noch???!!! Und dann Klischees noch und nöcher…
      Nur weil eine junge Dame hier einen außerordentlichen Hochgesang auf diesen Schwachsinn veröffentlicht, heißt das noch lange nicht, dass das ein doller Tatort war! Ich denke, es gab die Reihe schon, da war sie noch nicht geboren.
      Meine Meinung: dieser Tatort wird als der schlechteste Tatort aller Zeiten in die Tatort-Annalen eingehen.
      Klar, die einzelnen Ermittler stehen medial und quotenmäßig unter Druck, aber es dafür mal mit Theaterstücken zu probieren, war schon gewagt (von filmischen Unstimmigkeiten mal ganz abgesehen), m.E. hirnrissig und größenwahnsinnig. Vielleicht hat man da mal jemanden rangelassen, der sich mal „was ganz Besonderes“ einfallen lassen sollte.
      Wer glaubt, zur besten Sendezeit Fernsehen für Minderheiten machen zu müssen, wird sich umschauen. Sowas in Folge würde den Tatort ruinieren.
      Ich bin über mich selbst enttäuscht, dass ich mir diesen Schwachsinn angeschaut hab.
      Ich behaupte nicht, ich sei besonders und furchtbar intelligent – aber das Gegenteil bin ich auch nicht. Diesen intellektuellen Schmonzes in einen Tatort einzubauen war – zumindest für mich und für die, mit denen ich mich bisher darüber unterhielt, eine Zumutung ersten Ranges.

      Und: die, die da so tun, als habe ich ihnen und ihrem Intellekt jetzt auf den Schlips getreten, die sollen sich erst mal wieder beruhigen und ein wenig nachdenken. Sicher, über Geschmack lässt sich vortrefflich streiten – oder eben nicht.

      1. Dem Kommentar von Ulli P. kann ich nur beipflichten. Mein Titelvorschlag wäre. Der Film sollte nicht „Im Schmerz geboren“, sondern „Im Scherz geboren“ heißen.

        Was hier als Kunst verkauft wird, war nicht nur eine schwache Story, sondern eine schlechte Krimi-Parodie. Die „Zitatsucht“ (Spiel mir das Lied vom Tod“/“Henry V.“ etc.) wirkt elaboriert, alles an dem Film ist effekthascherisch, albern und bemüht.

        Ein Moritatenerzähler, der die Position des autorialen Erzählers verlässt, indem er im Film auftaucht, dann erschossen wird, dann zum Schluß von den Toten aufersteht, und munter weiter erzählt (völlig verpfuschte Imitation von Brannaghs „Henry V.). Das ist dramaturgisch ein Nogo!

        Der Spannungsfaktor bei diesem TV-Debakel ist gleich Null: Die Figuren erzählen uns alles, Murot ermittelt nichts und erweist sich als polizeiliche Niete. Die Handlung weist erhebliche logische Schwächen auf.

        Die unsäglichen Rückblenden und bedeutungserhaschenden Freezes, sind klare Anzeichen einer verfehlten Dramaturgie. Die Autoren waren nicht in der Lage, die nötigen Vorinformationen in einer Exposition zu verarbeiten und zu dramatisieren und holten dies mit derartigen Gimmicks nach. Zwischenfazit: Unspannend und nicht gekonnt!

        Desgleichen gab es große Schwächen beim Cast. Die drei bösen Buben am Bahnhof sahen aus wie abgemagerte Bahnhofs-Stricher, der „Killer“ alias Sohnemann von Murot strahlte die Gefährlichkeit eines Absolventen der Filmhochschule aus, der mit einem Latte Machiato bewaffnet den Kinosaal seines Instituts unsicher macht- (nur die Don Boscos Rockergang verströmte den diskreten Charme organisierten Verbrechens, kam aber kaum zum Zug) .

        Mein Fazit: Milieusicher ist kaum ein deutscher Krimi, weil deutsche Autoren, Filmemacher und Senderintendanten meist keine echten Gangster und ihre Milieus kennen. Aber ein derartig hanebüchener Plot lässt einen verstummen und geschockt zurück und kann nur die der gesellschaftlichen Realität entwöhnte Dekadentia des Rotweingürtels deutscher Großstädte begeistern, die meist alles für große Kunst hält, was sie nicht versteht.

        Meine Meinung: In einem kann man diesem grotesk-schlechten Tatort nur dankbar sein, denn er beweist: Der „Tatort“ ist ein sinkendes Schiff. Die Reihe hat völlig ihre Linie verloren. Sowohl die diversen Folgen aus „Münster“ (nichts gegen die Folgen als eigene Serie, aber sie sind kein „Tatort“ mehr), als auch „Im Schmerz geboren“ beweisen dies.

        Soviel dramaturgische Inkompetenz, die scheinbar auch noch von Senderredakteuren für Kunst gehalten wird, gleicht einer Kapitulation vor den Gesetzen des Polizeikrimis und lässt Böses für die Zukunft des Tatort befürchten.

        Bestimmt kämpft Murot demnächst eine Bande von Aliens nieder, die in Wiesbaden landen, um die Bahn zum Neroberg (in Wiesbaden) hinauf zu kapern. und ein Massaker unter Touristen anrichten …. Man wird sehen.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*