Amateurvideo-Star Lucy Cat: „Das Web hat die Pornofilm-Branche verändert, und mit ihr die User“

Web-Karriere nach dem YouPorn-Prinzip: Die 20-jährige Studentin mit dem Künstlernamen Lucy Cat treibt die Umsätze auf einschlägigen Portalen rasant nach oben
Web-Karriere nach dem YouPorn-Prinzip: Die 20-jährige Studentin mit dem Künstlernamen Lucy Cat treibt die Umsätze auf einschlägigen Portalen rasant nach oben

Sie gilt als erfolgreichste Neueinsteigerin der Amateurporno-Branche in 2014: In Falkensee traf Lucy Cat, 20, Christopher Lesko: Die Studentin und ehemalige deutsche Meisterin im Schwimmen erzählt von ihrem Weg in die Branche, der Haltung zur Arbeit und darüber, wie der aktuelle Porno- und Erotik-Markt im Digitalzeitalter funktioniert.

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Lucy Cat, wer genau sitzt hier vor mir?

Gute Frage: Ich bin Lucy Cat, drehe in meiner Freizeit Amateur-Pornos und bin für User vor meiner Web-Cam erreichbar. Und sonst: Ich bin ein lebensfroher Mensch, bin neugierig, vielleicht ein bisschen verspielt und ein ganz normales Mädchen von nebenan.

Lucy Cat ist ein Künstlername. Womit genau verdienen Sie ihr Geld?

Ich arbeite in der Erotik-Branche und drehe Clips, die zwischen zwei und sechs Minuten lang sind. Die kauft der User, oder er besucht mich in der Web-Cam und zahlt  einen bestimmten Beitrag dafür, dass er mich sehen kann.

Mich interessiert Ihre Entwicklung: Wo sind Sie aufgewachsen? 

In einem kleinen Dorf in der Nähe von Rostock. Mit acht Jahren zog ich mit meiner Mutter in die Stadt,  nach Rostock in ein schönes, ganz normales Viertel. Ich habe die Grundschule abgeschlossen und bin danach auf das Gymnasium gewechselt. 

Einen Vater gab es nicht?

Nein. Meine Eltern waren nicht verheiratet. Sie trennten sich, als ich zwei Jahre war. Ich habe guten Kontakt zu meinem Vater,  aber ich kenne es nicht, zusammen mit einem Vater aufzuwachsen.  Mir hat aber nie etwas gefehlt. 

Sie sind von uns beiden die einzige, die den Gedanken ausspricht, es könne etwas gefehlt haben.

Ja, weil ich immer wieder einmal gefragt werde, ob etwas verlorenging, weil ich ohne Vater aufwuchs. Mir kann ja nichts fehlen, was ich gar nicht kenne.

Für die Frage, ob etwas verloren ging, stimmt das. Eine andere Frage ist, ob da war, was oder wen Sie als Kind brauchten.

Ach, es war schon alles da. Ich hatte auch guten Kontakt zu meinen Großeltern, mit denen wir von 1996 bis 2002 im Vorort von Rostock in der Nähe von Warnemünde in einem Haus wohnten. Mir  fehlte nichts.

Das sind Jahre des ersten Jahrzehnts  nach der  deutschen Einheit. Bis 2004 spielte Hansa Rostock in der 1. Bundesliga. Was bekamen Sie denn als Kind mit von diesem Ding mit, dass DDR hieß?

Ach, wenig. Meine gesamte Familie stammte ja aus der DDR. Unterschiede zwischen Ost und West? Aus heutiger Sicht vielleicht, dass der Zwang zu improvisieren nach der Wende nachließ und Kreativität unwichtiger wurde. Meine Familie musste in der DDR sehr kreativ sein, sich beim Hausbau immer wieder Material aus der LPG besorgen oder zusammenschnorren.  Es gab ja wenig. In meiner Schule  gab es zwei Wessi-Kinder, und wir hatten eine westdeutsche Lehrerin. Mir war mit acht Jahren nicht so bewusst, was die Wende bedeutete. Mein Urgroßvater war ja Kapitän, auch meine Oma arbeitete auf der Werft.  Mutti und meine Großeltern waren nicht großartig gekränkt, als die DDR ihr Ende fand. Mein Opa sagte immer, die Wende hätte für ihn auch zehn Jahre früher kommen können. 

Man bekommt ja von Eltern als ‚Wert‘ vorgelebt, was sinnvoll oder sinnlos im Leben sein kann: Was war denn Ihre Mutter für ein Mensch damals? 

Sie war ein Kumpel-Typ, fast in einer eher männlichen Art. Nach der Trennung von meinem Vater habe ich keine Beziehungen zu anderen Männern mehr erlebt. Sie war und ist immer noch eine sehr ehrliche Person. Sie war anders als ich, hatte mit 12 schon angefangen zu rauchen und hat zu mir einmal gesagt, ich war ein Mädchen, das sie nie verdient hätte. Sie konnte manchmal laut werden, aber sie hatte selten Grund dazu.  Ehrlichkeit habe ich gelernt von ihr: Ich glaube, ich habe sie noch nie angelogen.

Nach der Grundschule  gingen Sie also zum Gymnasium?

Ja, das Gymnasium  war eine Privatschule mit einem normalen Zweig, einem für Hochbegabte und einem für Sportler. Ich war auf einer Sportschule. Ich habe länger Leistungsschwimmen gemacht, und war auch relativ erfolgreich.

Sie konnten vermeiden zu ertrinken?

Ja, und zwar als deutsche Meisterin im Langstreckenschwimmen. Ich habe auch an Europacups teilgenommen, habe aber mit 16 aufgehört.

In der Pubertät. Warum?

Ach, es war anstrengend: Neun Mal die Woche Training, während andere ich oft mit Freunden trafen oder  feierten. Ich hatte damals das Gefühl, ich verpasse etwas und wollte schon in der 8. Klasse mit dem Schwimmen aufhören. Dann wurde ich leider deutsche Meisterin und dachte, für die 100 € der Deutschen Sporthilfe müsste ich weitermachen. So ging das einige Jahre: Ich gewann, bekam die 100 € der Sporthilfe und machte weiter, obwohl ich eigentlich aufhören wollte. Ich hatte auch die Leute in meiner Klasse ins Herz geschlossen. Also kämpfte ich mich durch und hörte Ende der 10. Klasse auf.

Die Erfolge des Schwimmens, die mit Siegen verbundene Anerkennung  besaßen nicht genügend Kraft, um weiter zu machen?

Nein. Ich wollte nie Olympiasiegerin werden, war nie hungrig oder ein Trainingstyp. Im Wettkampf konnte ich gut sein, im Training kürzte ich gerne ab.

Wann und wie entstand denn der  Kontakt zur Sexualität?

Ich habe mit 13 den ersten Porno geguckt, weil ich mich beim ersten Mal nicht blamieren wollte und fand alles ganz abstoßend. Das war gar nicht Meins. Drei Jahre später sagte ich dann meiner Mutter: „Mama, ich möchte Domina werden.“ Ich hatte bei ‚RTL-Extra‘ eine Reportage über eine Geld-Domina gesehen. Sie wissen, was das ist?

Hedge-Fond-Managerinnen sind es nicht.

Nein. Geld-Dominas haben männliche Kunden mit dem Fetisch, Frauen luxuriös zu beschenken. Meine Mutter war nicht begeistert. Ich konnte den Weg nicht gehen, weil ich noch nicht 18 war. Aber ich informierte mich über Erotik und blieb am Ball, während ich parallel mein Abi machte.

Gutes Abi?

Nein – 2,4. Aber ich habe auch nicht gelernt.

Wie beim Schwimmen war Training nicht Ihres?

Ja. Ich bin blöd in die Prüfung rein. Wenn ich ehrlich bin, ist mir das auch peinlich: Ich habe wirklich gar nichts gelernt. Ich habe mir einen Tag vor meinem Geschichts-Abi eine Reportage über den Kalten Krieg angesehen. Das war alles.

Erotik und Porno waren spannender?

Ja. Ich habe viele Reportagen gesehen, auch über Prostitution. Irgendwie faszinierte mich alles, was verrucht war. Irgendwann sah ich Amateur-Pornos, sprach mit Freunden darüber: Das Thema bekam mehr und mehr Bedeutung, und ich begann, Porno-Clips zu drehen.

Könnten Eltern wählen, welchen Beruf ihre Kinder ausüben sollten, nicht viele würden Amateur-Porno-Darsteller wählen. Wie hat denn ihre Mutter reagiert, als sie es erfuhr?

Ich habe sie vor vollendete Tatsachen gestellt und es erst erzählt, als ich schon gedreht hatte. Sie sagte: „Jetzt brauche ich erstmal einen Schnaps.“  Dann haben wir ganz praktisch darüber gesprochen: Dass Pornos zu drehen keine Prostitution ist. Wie gedreht wird, wer die Clips sehen kann, und dass ich dies nicht kostenlos mache, sondern damit Geld verdiene. Sie hat es dann irgendwie akzeptiert, obwohl sie nicht begeistert war. Meine Mutter hatte nie jene Haltung, die meine Entscheidung nicht dulden würde. Ichr war früh klar: Ich bin erwachsen, und es ist mein Leben. Mittlerweile kommt sie damit super klar  und schickt mir sogar Vorschläge für Titel von Clips.

Sie studieren parallel zum Amateur-Porno-Business?

Ja, Logistik.

Witzig.

Ja? Was denn?

Bei Logistik geht es auch um Verkehr. 

(Lachend): Aber dort schließt man mit dem Bachelor of Science ab und kann den Master noch dranhängen. Ich hatte mich trotz einer bösartigen Lehrerin in Geographie schon immer für Logistik  interessiert, besonders in Verbindung mit wirtschaftlichen Themen. Und ich wollte in der Nähe zu meiner Heimat Rostock etwas machen, da bietet sich ein Hafen an. Die Kombination ist irgendwie nachhaltig  für mein Leben, finde ich. Als Kapitän auf See wollte ich nicht gehen. Logistik passt: Ich bin ohnehin ganz gut dabei, Dinge zu organisieren. Ich kann mir mein Leben später gut im Management der Organisation von Container-Beladungsplänen und ähnlichen Themen vorstellen.

Zwei unterschiedliche Wege gleichzeitig  – Studium und Erotik: Kennen Sie andere, die ähnliche Wege gehen?

Viele im Amateur-Porno-Bereich haben eine abgeschlossene Ausbildung,  Frauen, die parallel studieren, kenne ich nicht.  Zumindest niemanden, der in ähnlicher Weise erfolgreich ist und beides konsequent und ernsthaft verfolgt.

Sie gehen morgens zur Uni, begegnen Kommilitonen, Dozenten, begegnen Professoren, die Ihre Leistungen bewerten und Sie eine Nacht vorher im Web auf Porno-Portalen gesehen haben mögen. Sie kaufen ein, und der Typ an der an der Kasse im Supermarkt hat in der Nacht vorher Ihretwegen einen Orgasmus produziert. Wie bekommen Sie das hin innerlich?

Meine Kommilitonen haben das schnell rausgefunden. Das ging in Rostock ziemlich fix herum, da jeder wusste Bescheid. Mich hat das nie gestört, ich habe ein relativ dickes Fell und mache mein Ding. Was andere dazu sagen, interessiert mich nicht. Auch die Professoren wissen es und wollten mich schon wegen Rufschädigung von der Hochschule schmeißen. Und Alltagssituationen: Manchmal sprechen mich Menschen an und wollen Fotos. Ist doch in Ordnung. Wenn ich einkaufe, bin ich privat und denke nicht darüber nach, wer mich auf Portalen oder auf Facebook schon gesehen hat. Ich bin ja derselbe Mensch, im Erotik-Part sage ich halt versautere Sachen. Dies ist auch ein wenig wie eine Maske, die ich auflege. 

Als Lustobjekt anderer erfolgreich zu sein, bedeutet  ja große Macht über -und Einfluss auf-  die Stimmungen von Usern und Zuschauern. 

So genau habe ich darüber noch nie nachgedacht.

Dann ist das jetzt ja eine schöne Möglichkeit.

Okay: Ich finde es gut, dass ich über die Lust von Männern bestimmen kann und ich Grund für Ihre Erregung bin. Es ist schon cool, andere anzuturnen. Ich mag generell lieber die gebende Rolle, mag eher, dem Mann einen Orgasmus zu bescheren als umgekehrt. 

 Und im Gegensatz zu vielen Bereichen des Alltags, in denen  immer noch vordringlich Männer Macht und Steuerung besitzen, haben Sie die Steuerung. Das Wohlbefinden der Männer hängt davon ab, was Sie tun.

Ja, ich bestimme über einen Teil des Lustempfindens und über den Orgasmus. Ich bin gern in der Rolle, alles auszulösen und habe gerne den dominanten Part, obwohl ich nicht die klassische Domina bin.

Sie sind, was Visits, Follower oder User angeht die erfolgreichste Erotik-Neueinsteigerin des Jahres 2014 im Amateur-Porno-Bereich. Was genau muss man denn können, um im Erotik Business erfolgreich zu sein?

Man muss einfühlsam sein und Usern das Gefühl von Erreichbarkeit geben können. Es braucht ein Gespür für Erotik. Es braucht vernünftige Technik, das habe ich am Anfang falsch gemacht, und man muss sich selbst Rollen aussuchen und sie in jedem einzelnen Segment komplett verkörpern können.

Verkörpern passt zum Thema.

(Lachend): Es gibt viele, die alles machen, aber eben nicht alles gut machen. Man muss sich ein wenig spezialisieren und  innerhalb der Spezialisierung die Dinge ganz, mit Energie und Spaß tun. Man muss das richtig wollen. Es braucht Interesse am User, so wie alle Dienstleister Interesse an ihren Kunden haben sollten. Es braucht Schlagfertigkeit  und die Kreativität, gute Titel zu entwerfen:  „Ich habe mir am Baum das und das gemacht“ interessiert  weniger als „Knallhart im Baumhaus…“. All dies  beschreibt Einstellung zu Aufgabe und Arbeit: Man muss sich kümmern wollen, das ist nicht belanglos. 

Gibt es Freizeit hinter beiden beruflichen Rollen?

Nein. Ich mache bis nachmittags die Uni mit allem, was dazu gehört. In der verbleibenden Zeit gehe ich in die Web-Cam und drehe ab und an einen Film, da bleibt kaum freie Zeit. Insgesamt sind das locker 14 Stunden Arbeit pro Tag, manchmal mehr. Ich gehe nicht einmal zum Sport.  Aber, ich bin glücklich mit dem, was ich mache. Es gibt mir Spaß und Zufriedenheit.

Worin besteht für Sie der Unterschied zwischen Erotik und Porno?

Erotik spielt mit der Phantasie. Porno ist klassischer Sex, der auch erotisch gemacht sein kann. In Filmen steht der Porno im Vordergrund, in der Web-Cam die Erotik.

Sie waren Gast in TV-Formaten, die Bild hat über Sie berichtet. Sind Sie jemals angebaggert worden oder haben klebrige Angebote erhalten?

Ach, ich will keine Vertraulichkeiten ausplaudern. Aber es gab von einem bekannten Fernsehmenschen Annährungsversuche und den Wunsch „sich mal zu treffen“. Ich habe dankend abgelehnt.  Er ist übrigens in einer Beziehung. Viele denken sicher in Klischees und gehen davon aus, wer Pornos dreht, ist auch leicht für Sex zu haben.

Mindestens ebenso viele Männer haben sicher Angst vor direktem Kontakt, weil sie sich irgendwie unterlegen fühlen.

In sozialen Medien oder Plattformen ist es leicht, mutig zu sein. Da höre und lese ich häufig, dass Menschen gerne mit mir mal „einen trinken gehen“ wollen. Im direkten Kontakt, auf der Straße etwa, ist mir das noch nie passiert. Ich glaube schon, da spielt Angst eine Rolle.  

Nicht alle Mitarbeiter in Schokolade-Fabriken essen privat gerne Schokolade: Was unterscheidet für Sie beruflichen von privatem Sex? 

Im Amateur-Porno-Sektor kann ich ja freier entscheiden, was ich mag und was nicht. Bis auf ganz wenige Ausnahmen mache ich nur Dinge, die ich auch privat  machen würde. Natürlich gibt es Unterschiede, und ich „esse privat auch gerne Schokolade“: Bei privatem Sex kann ich mich mehr gehen lassen, kann ungeschminkt Sex haben und muss auch nicht gut aussehen. Die berufliche Arbeit an Filmen muss für die gut aussehen, für die sie gemacht sind. Das ist ein Unterschied. Das Erleben selbst ist nicht so unterschiedlich.

Das Erotik- und Porno-Business hat sich  in den letzten Jahren verändert: Staubige Hinterzimmer von Videotheken mit verstohlenen Kunden wurden ersetzt durch  YouPorn und Co. Amateure bestimmen inzwischen den Markt, der Zugang zu Inhalten ist leichter und auf anderen Kanälen verfügbar.

Ja, es gibt einerseits die klassische Schiene mit Produktionsfirmen, die vom Buch zum Set bis zum Merchandising alles übernehmen. Pornodarsteller erhalten Gagen, die häufig pro Szene vereinbart und gezahlt werden. Je herausfordernder die Szene sexuell ist, desto besser wird sie bezahlt. Diese traditionelle Schiene sieht häufig professionelle Darsteller, die parallel keinem anderen Beruf nachgehen und ist sehr von der von Ihnen erwähnten Veränderung betroffen-  hauptsächlich durch die Amateur-Porno- Szene.

Wer spielt denn eine Rolle im  Markt von heute, wie funktioniert das Business?

Es gibt eine Reihe von Menschen, die sich beim Sex filmen und die Filme auf einem Erotik-Portal kostenpflichtig anbieten. User zahlen dafür, dass sie die Filme von Mädchen oder Paaren sehen und darüber hinaus mit ihnen in Kontakt treten können.

Es gibt Seiten und Portale  mit kostenlosem Material, YouPorn etwa, die mit dem Vorwurf gerippter Clips oder ungeklärter Urheberfragen des Video-Materials leben. Sie  existieren durch Werbung, die dort geschaltet wird. Für die Werbung und für den Erfolg der Darsteller gibt es sogenannte Webmaster: Sie erstellen Banner auf kostenlosen Portalen, die für Clips und Darsteller auf kostenpflichtigen Portalen werben. Dieses Modell hilft den kostenlosen Portalen, den Darstellern der Clips und den kostenpflichtigen Portalen, auf denen die Clips laufen. Die Einnahmen werden so verteilt: 25 % erhält der Webmaster, 25% der Darsteller und 50% das Portal für die Nutzung der Plattform,  IT- technische Serviceleistungen usw. Dann gibt es noch die Exklusivverträge.

Sie haben einen?

Ja, mein Portal heißt mydirtyhobby. Dafür, dass ich dem Portal anscheinend wichtig bin, bekomme ich mehr Prozente als die üblichen 25%. Vielleicht bekäme ich genauso viel Geld, wenn ich meine Clips ohne Exklusivvertrag auf  drei Plattformen hochstellen würde.

Was war denn Voraussetzung für einen Exklusivvertrag ?

Das ging so los: Ich habe vor Beginn den Traffic von Amateurpornoseiten auswertet, und unter anderem auf mydirtyhobby kostenpflichtige Videos hochgeladen.  Das Portal war unter den Top 100 in Deutschland und hatte einen wahnsinnigen Traffic. Meine Videos erregten Aufmerksamkeit, und es ging dort rasant nach oben: Innerhalb der Top 300 – Liste des Portals  kam ich in den ersten drei Monaten direkt in die Top Ten. Ohne jedes Vorwissen übrigens. Dann kamen die Betreiber auf mich zu und schlugen vor, die Zusammenarbeit zu intensivieren: Ich sollte einen Account beim YouPorn-Pendant  Xhamster eröffnen und Filme hochladen. Von inzwischen 100 gedrehten Videos habe ich dort drei veröffentlicht. Das erste Video hatte in der ersten Woche 80.000 Klicks, kurze Zeit später über 400.000 Klicks. Das war als messbare Referenz der Richtwert für mydirtyhobby und die Grundlage für das Angebot eines Exklusivertrages:

Man hatte bei Xhamster Banner geschaltet und anhand der Klick-Ratio gemessen, wie viele User über das kostenfreie Portal und den Klick auf das Banner kostenpflichtig bei mydirtyhobby landen. Man maß also vor dem Vertragsangebot, ob ich einerseits Umsätze erzielen kann und anderseits als künftiges Werbegesicht für das Portal tauge. Über die freien Seiten messen kostenpflichtige Erotikportale die Effektivität des Marketings und den potentiellen Wert der Amateure, bevor sie exklusiv verpflichtet werden.  Mit der späteren Werbung , als Folge eines Exklusivvertrages, die von tausenden, am Umsatz beteiligten Webmastern produziert wird,  potenziert sich das Ergebnis für alle Beteiligten, wenn man denn für künftige Werbung taugt. 

Und wenn übermorgen Tangas, Jodelhüte oder Dudelsäcke mit Lucy-Cat-Brand verkauft werden, partizipieren Sie  durch den Vertrag  an  Umsätzen, weil die Rechte von Ton, Bild und Namen bei Ihnen liegen?

Ja, so ist das vereinbart, aber das gibt es so noch nicht. Momentan verdiene ich dann, wenn User beim Webmaster Geld aufladen und meine Clips kaufen.

Wodurch genau wurde die klassische Pornofilm-Branche früherer Jahre überholt?

Genau weiß ich es nicht. Durch Veränderung. Vieles ist heute direkter am richtigen Leben: Früher hätte es auch Fernsehformate wie ‚X-Diaries‘  oder ‚Berlin Tag & Nacht‘ nie gegeben. Früher waren Pornos weit entfernt vom täglichen Leben und hatten wenige Darsteller. Heute kann man Clips sehr vieler Amateure sehen, und man hat den privaten Effekt über die Web-Cam: Man kann mich praktisch nebenan treffen und auch mit mir kommunizieren. Das Web hat die Pornofilm-Branche verändert, und mit ihr die User.

Lucy Cat Lesko
Studentin „Lucy Cat“, Interviewer Christopher Lesko: „Wenn ich einkaufe, bin ich privat und denke nicht darüber nach, wer mich auf Portalen oder auf Facebook schon gesehen hat.“

Ein Teil dieser Veränderung ist, dass das Web ja ungern vergisst. Irgendwann einmal werden Ihre Kinder ihre Mutter in 2014er Web-Formaten betrachten. Haben Sie diesen Aspekt jemals betrachtet?

Ein wenig. Hätte ich mit 13 herausgefunden, dass meine Mutter Pornos gedreht hätte, ich hätte es spannend gefunden. Heute schauen 14-Jährige Pornos, obwohl sie es nicht dürften, und die Zeit geht weiter. Bis ich irgendwann einmal Kinder habe, werden sich auch Moralvorstellungen weiter verändern. Und ich male mir natürlich den Tag nicht aus, an dem meine Kinder vor mir stehen und mich nach Pornos fragen. 

Gibt es Träume, die noch auch ihre Erfüllung warten?

Ja, zwei: Ich liebe Oldtimer und würde gerne mal einen Cadillac DeVille fahren.  Und ich liebe Katzen. Ich möchte irgendwann einmal Serval-Katzen haben. 

Was genau liebt denn Lucy Cat an Katzen?

Diese eigene, starke Persönlichkeit, die sich nicht dressieren lässt. Den festen Charakter. Und ihre Unabhängigkeit.

Mehr über den Autor: www.leadership-academy.de

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Alle Kommentare

  1. aber voraussetzung ist doch, dass konsumiert wird. Von wem? wir leben heutzutage in einer single-gesellschaft, da fällt es nicht schwer von dieser gesellschaft auf den nutzerkreis zu schließen. was du machst lucy hat wirklich nichts mit anrüchig zu tun

  2. das heißt also dass das herkömmliche ausgedient hat und es früher lucy cat gar nicht gegeben hätte

  3. Informationsreiches Interview mit intelligenten Fragestellungen … Schade, dass die Dame sich Illusionen macht mit künftigen Moralvorstellungen. Man bedenke die stetige Radikalisierung religiöser Gruppen. Aber vielleicht resultiert ja ihre nächste Creampie in einen Pornosäugling. Ein paar ihrer Mydirtyhobby Kolleginnen sind stolze Erzeugerinnen dieser vom Schicksal gegeißelten Wesen. Diese Geschöpfe sind die Borderliner von morgen.

  4. Interessantes Interview aber bitte nochmal auf Tipp- und Rechtschreibfehler überprüfen. Es gibt doch so einige.

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