Zum Schreien: Amazon-Aufschrei der Mecker-„Maskus“ zum Aufschrei-Buch

Publishing #aufschrei. Der Hashtag, unter dem Fälle sexueller Belästigung im Alltag dokumentiert wurden, dürfte jedem deutschen Twitternutzer ein Begriff sein. Geprägt hat ihn Anne Wizorek, die nun ein Buch mit dem Titel "Weil ein #Aufschrei nicht reicht" herausgebracht hat. Auf Twitter warb sie jetzt um positive Amazon-Bewertungen. Doch dieser #Aufruf ging mächtig nach hinten los.

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Denn auf der Produktseite bei Amazon ist mittlerweile ein Wettstreit um den derbsten Verriss des Feminismus-Buches entbrannt. Der Großteil der Rezensenten gibt dem 336 Seiten starken Buch nur einen Stern – die niedrigste Wertung.

„Dieses Pamphlet besteht aus einer Ansammlung von antiquierten Vorurteilen und jedem verfügbaren Klischee das irgendwo aufzutreiben war in Verbindung mit teils übelster Hetze und sogar Aufrufen zur Gewalt“, schreibt ein Nutzer. „Schon sein Untertitel betreibt einen Etikettenschwindel. Um einen Feminismus ‚von heute‘ handelt es sich nicht – zumindest nicht in dem positiven Sinne, in dem dieser Untertitel verstanden werden soll“, schreibt ein anderer. „Tatsächlich verpackt Wizorek eine grauenvoll altbackene Ideologie aus einer Zeit von vor ihrer Geburt – die ulkige These, dass man eine Gleichberechtigung der Geschlechter am besten erreicht, indem man sich auf die Anliegen eines Geschlechtes konzentriert – in eine moderne, ‚hippe‘ Sprache.“

Recht häufig wird kritisiert, dass Wizorek die Faktenlage teilweise nicht richtig widergeben würde. Der Aussage „Frauen sind öfter Opfer von Gewalt“ halten mehrere Kritiker aktuelle Kriminalstatistiken vor, wonach Männer häufig Opfer von Gewaltdelikten sind. Fallhöhe baut Wizorek im Buch unter anderem damit auf, dass sich Zehntausende an #aufschrei beteiligt hätten. Tatsächlich kam eine Auswertung vor Monaten zu der Erkenntnis, dass nur 1,5 Prozent der Tweets zum Thema auch tatsächlich mit Alltagssexismus zu tun hatten. Ein Großteil der Tweets habe kritische Äußerungen zum Sexisumus-Vorwurf Wizoreks enthalten. Der verantwortliche Fischer-Verlag deklariert das Werk allerdings auch nicht als Feminismus-Almanach: „Erfrischend unakademisch zeigt Anne Wizorek, warum unsere Gesellschaft dringend eine neue feministische Agenda braucht. Sehr persönlich beschreibt sie ihren Weg zur Aktivistin und ermutigt dazu, selbst aktiv zu werden – im Großen wie im Kleinen“, heißt es in der Beschreibung zum Buch.

Woher kommt nun die massive Kritik? Etliche der Rezensenten, die dem #Aufschrei-Buch nur einen Stern geben, beziehen sich auf Wizoreks Twitter-Aufruf, ihr Buch gut zu bewerten.

Erst im Folge-Tweet präzisierte sie, dass damit Nutzer gemeint seien, die das Buch auch gelesen hätten.

Zuvor machte Wizorek darauf aufmerksam, dass „Männerrechtler“ – von ihr „Maskus“ genannt – dazu aufrufen würden, das Buch negativ zu bewerten.

Dem vorangegangenen war ein erster Aufruf, das Buch positiv zu bewerten, am 3. Oktober

Der Aufruf rief allerdings vor allem Kritiker auf den Plan. „Peinlich peinlich, um gute Rezensionen von Leuten zu betteln , welche das Buch gar nicht gelesen haben….“, schreibt ein Nutzer. „Via Twitter um eine positive Bewertung betteln und seine Follower dazu aufrufen , Leute die eine negative Rezension geschrieben haben zu dissen, ist einfach nur peinlich“, schreibt ein anderer. „Dieses Buch besteht fast nur aus falschen Fakten und daraus gefolgerten absurden Thesen, über die selbst Frauen nur noch den Kopf schütteln.“ Von 61 Kundenrezensionen kommen auf diese Weise 34 auf nur einen Stern.

Was zeigt das? Vor allem, dass die Feminismus-Debatte noch lange nicht am Ende ist. Allerdings scheint, zumindest in diesem Fall, kein Diskurs erkennbar. Kritiker werfen der Autorin mangelnde Faktentreue und veraltete Thesen vor, Feministinnen fühlen sich auf Twitter durch die teils heftige Kritik bestätigt, dass es ein solches Buch braucht. Für die Autorin ist die neu entbrannte Debatte vor allem eines: gute Publicity.

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Alle Kommentare

  1. Da ist es schon wieder, das schöne Wort mit D. Es gibt keine Debatte. Immer und immer wieder die gleichen, längst widerlegten Behauptungen in den Raum zu werfen, auf Argumente nicht einzugehen und stattdessen jede noch so konstruktive Kritik als Hatemail abzutun, das hat mit einer Debatte nichts zu tun.

  2. Ich kann mich nicht entsinnen, irgendwo einen Aufruf gelesen zu haben, dass Buch negativ zu bewerten. Der einzige mir bekannte Aufruf war der zur positiven Bewertung.
    Der Männerrechtler Arne Hoffmann hat das Buch bereits ausführlich rezensiert und seiner Rezension ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

  3. Ob der Bewertungsstreit gute Publicy ist wage ich zu bezweifeln. Liest man sich die positiven Bewertungen durch, findet man dort auch genug, eigentlich fast alle, Bewertungen ohne eine Seite des Buches gelesen zu haben, bei den ngativen zwar auch, die sind zumeist aber mit Fakten untermauert. Am besten eine Leseprobe bei Google-Books und sich eine eigene Meinung bilden … die dürfte aber auch nicht unbedingt so positiv ausfallen, wie gehofft, fällt doch die Sprache recht pubertär aus.

  4. Welche Debatte? Würde es tatsächlich eine geben steckte sie noch in ihren Anfängen.

    Während der heutige Feminismus seine Wurzeln in den 70er Jahren hat und sich seit damals kaum weiterentwickelte steht die Männerrechtsbewegung gerade mal am Anfang. Eine ernsthafte Debatte wird qua „Definitionsmacht“ schlichtweg verhindert.

    Bei den Anliegen der Männerrechtler geht es mitnichten um Frauenhass. Nicht selten wird dabei nämlich Rücksicht auf die berechtigen Interessen der Frauen genommen.

    In diesem Sinne wäre es durchaus wünschenswert wenn bei Berichten dieser Art ein neutraler Blickwinkel eingenommen würde. Den solange Männerrechtler unter anderem als Mecker-„Maskus“ verunglimpft werden wird auch keine Debatte in Gang kommen.

    Dass kein Diskurs erkennbar ist liegt nicht zuletzt daran, dass zwar prüfbare und nachvollziehbare Argumente gebracht werden, diese aber schlicht ignoriert werden. Als Antwort wird, wie in diesem Fall gut zu sehen ist, lediglich mit Dreck geworfen.

  5. Hilfreich wäre es unter Hinzunahme der fundierten Kritik einmal das Buch, bzw. Die Kritik, zu hinterfragen… Das würde zumindest mal Licht in die Angelegenheit bringen…

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