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Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr komplett

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe greift sich Gruner + Jahr komplett
Bertelsmann-Chef Thomas Rabe greift sich Gruner + Jahr komplett

Bertelsmann stockt seine Anteile an Gruner + Jahr auf 100 Prozent auf. Die Familie Jahr verkauft ihre 25,1 Prozent an den Medienkonzern an Gütersloh. Gezahlt wird in bar, über die Höhe des Preises wurde Stillschweigen vereinbart. Die Komplett-Übernahme stand 2012 schon einmal auf der Tagesordnung.

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Damals plauderte das manager magazin die Pläne vor der Zeit aus. Zur Debatte stand ein Anteils-Tausch. Die Jahr-Familie hätte für ihre 25,1 Prozent an G+J Anteile am Mutterkonzern Bertelsmann erhalten. Allein, man einigte sich nicht über den Preis. Über die Indiskretionen im manager magazin wurde damals auch der Gruner-Vorstandschef Bernd Buchholz abgesägt. Die Übernahmepläne wurden auf Eis gelegt. Rund um Julia Jäkel wurde ein neuer Vorstand installiert, der bereits seit einiger Zeit bei G+J ganz im Sinne von Gütersloh den Rotstift ansetzt. Das bedeutet: Gruner konzentriert sich aufs Kerngeschaft mit Zeitschriftenmarken und deren Digitalisierung.

Die Übernahme wird zum 1. November wirksam. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe findet für den Vorgang die üblichen Manager-Floskeln: “Die vollständige Übernahme von Gruner + Jahr ist ein strategischer Meilenstein zur Stärkung unserer Kerngeschäfte. Gruner + Jahr gehört seit Jahrzehnten mehrheitlich zu Bertelsmann und ist ein wichtiger Bestandteil unserer Inhaltegeschäfte. Wir unterstützen die vom Gruner + Jahr-Vorstand auf den Weg gebrachte Transformation von Gruner + Jahr uneingeschränkt und werden auch in Zukunft die dafür erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen.”

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In der Vergangenheit war stets geargwöhnt worden, Bertelsmann könnte G+J nur deshalb ganz haben wollen, um den Laden dann ohne Probleme verkaufen zu können. Rabe hat diese Lesart stets zurückgewiesen und immer wieder betont, dass Gruner + Jahr ein integraler Bestandteil des Bertelsmann-Reichs ist. An diesen Worten wird er sich nun messen lassen müssen. Die in Hamburg lange verbreitete Sichtweise, dass die Jahr-Familie eine Art Garant für die Unabhängigkeit des traditionsreichen Verlagshauses ist, gehört nun jedenfalls endgültig der Vergangenheit an. Zu groß war wohl der Werteverlust von G+J in den vergangenen Jahren. Die Familie Jahr zog es nun vor, sich in bar auszahlen zu lassen.

Bei der von Sparprogrammen geplagten Belegschaft wird die Übernahme so oder so für neue Unruhe sorgen. Die Gerüchte über einen möglichen Verkauf nach erfolgter Sanierung werden neue Nahrung bekommen. Es wird Zeit brauchen, bis Vertrauen zwischen Gruner + Jahr und seiner alleinigen Konzernmutter gewachsen ist.

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