Dr. Kai Gniffke, die Ukraine und die Arroganz der “Tagesschau”

ARD-Aktuell Chefredakteur Dr. Kai Gniffke
ARD-Aktuell Chefredakteur Dr. Kai Gniffke

Fernsehen Er hat es wieder getan. Dr. Kai Gniffke, Chefredakteur der “Tagesschau” hat sich mal wieder zu Wort gemeldet. Diesmal zieht er eine Zwischenbilanz zur Ukraine-Berichterstattung der “Tagesschau” und es ist ein typischer Gniffke geworden. Voller Eigenlob, durchdrungen von einem Unfehlbarkeitshabitus und einer schwer erträglichen Arroganz. Selbst dann, wenn er vorgibt, Fehlerchen einzugestehen.

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Wie Dr. Kai Gniffke denkt, verrät er schon im ersten Absatz seines Blog-Beitrags: “Aber der Krieg in Syrien und Irak sowie die Bombardements gegen den “Islamischen Staat” haben dem osteuropäischen Konfliktherd in den Nachrichten wieder den Rang abgelaufen. Der Pulverdampf über der Ukraine hat sich erst einmal verzogen.”

Die “Tagesschau” (andere Medien von Rang existieren in Gniffkes Weltsicht offenbar nicht) berichtet nun also nicht mehr so dolle über den Ukraine-Konflikt. Weil sich “der Pulverdampf erst einmal verzogen” hat. Das schreibt Gniffke am 29. September spätabends. Am selben Tag, an dem etwa die FAZ von den blutigsten Gefechten bei Donezk seit der Waffenruhe berichtet. Mindestens 15 Tote. So schaut es aus, wenn sich in Gniffke-Sprech der “Pulverdampf” verzogen hat und Zeit ist, für eine wieder mal höchst selbstzufriedene Zwischenbilanz.

Noch so ein entlarvender Satz: “Die Kritik an unserer Ukraine-Berichterstattung hat ein Echo von bislang ungekanntem Ausmaß hervorgerufen.” Beachten Sie bitte das Wort “unserer”. Der ganze Sturm der Entrüstung der vergangenen Wochen über die Ukraine-Berichterstattung der Medien: Gniffke bezieht dies natürlich nur auf die Berichterstattung der “Tagesschau”. FAZ oder Spiegel kommen nicht vor.

Dr. Gniffke weiter: “Wir wollen es uns nicht zu einfach machen und alles als gesteuerte Kampagnen und Spielwiese für Verschwörungstheoretiker abtun (obwohl das zum Teil der Fall ist).” Eine typische Dr. Gniffke-Volte: Verständnis simulieren und im Nebensatz, Nachsatz (oder in Klammen) sich sofort wieder attestieren, doch selbst Recht zu haben. Dr. Gniffke behauptet, Kritik ernst zu nehmen, sieht aber keinen Grund, sich für Fehler zu entschuldigen. Ein Dr. Gniffke Satz für die Ewigkeit: “Es gibt keinen Grund, sich für Fehler zu entschuldigen oder in der Berichterstattung nun gar ‘gegenzusteuern’.” Einen solchen Grund kann es ja gar in seiner Weltsicht nicht geben, dann wäre ja die Unfehlbarkeit qua Institution der “Tagesschau” ja angekratzt.

Transparenz im “Tagesschau”-Stil geht so, dass kleine Versäumnisse zugegeben und mit einem flotten Sprüchlein weggewischt werden: “Mit dem Wissen von heute hätten wir manchen Akzent anders gesetzt und manche Formulierung anders gewählt (hinterher ist man halt schlauer).” Tja, hinterher ist man halt schlauer, nicht wahr? Und mit einem Federstrich ist die Welt wieder widde widde wie sie Dr. Gniffke gefällt.

Immerhin schreibt Dr. Gniffke: “Der falsche Hubschrauber war sehr ärgerlich, aber wir sind damit wenigstens richtig (weil transparent) umgegangen.” Für den ARD-Aktuell-Chef schon das Höchstmaß an Selbstreflexion. Doch wie immer gilt: Auch wenn die “Tagesschau” etwas falsch macht, macht sie es laut Dr. Gniffke im Prinzip doch irgendwie auch richtig. Mit dem lapidar eingeworfenen “falschen Hubschrauber” meint der “Tagesschau”-Chef vermutlich, diese dumme Sache, dass die “Tagesschau” gefälschtes Filmmaterial zeigte, um einen Hubschrauber-Abschuss zu illustrieren. Mit “transparent umgegangen” meint er vermutlich, dass Korrespondent Udo Lielischkies den Vorfall im “Tagesschau”-Blog nachvollziehbar aufklärte. Aber: Zuschauer der “Tagesschau” bekamen von der Korrektur nichts mit, nur Leser des “Tagesschau”-Blog. On air haben sie es nicht ganz so mit der Transparenz.

Ja, und “möglicherweise” sei man zu leicht dem Nachrichtenmainstream gefolgt, und “vielleicht” hätten recht Gruppen in der Ukraine früher thematisiert werden sollen und – ach Gottchen – man hätte vielleicht statt “OSZE-Beobachter” eine andere Formulierung wählen “können” und “vielleicht” hat man die russischen Interessen für die Zuschauer zu wenig “übersetzt” und ganz “evtl.” hätte man die “NATO-Position” kritischer hinterfragen können. Das ist aber eine ganz schön dicke Packung dafür, dass es angeblich keinen Grund geben soll, sich zu entschuldigen oder – Gott bewahre – gar “gegenzusteuern”. Hinterher ist man halt schlauer, nicht wahr?

Natürlich kann man der “Tagesschau” und anderen Medien nicht wie einige Wirrköpfe unterstellen, dass es eine gezielte Agenda gibt, West-Propaganda zu betreiben. Ganz normale Fehler, gepaart mit Ignoranz, Arroganz und eben doch fehlender Transparenz reichen schon völlig, um ein mieses öffentliches Bild abzugeben. Am Ende seiner aktuellen Einlassung schreibt Dr. Gniffke: “Wir werden auch künftig Kritik nicht einfach an uns abtropfen lassen, sondern uns immer wieder prüfen, ob wir richtig liegen.” Um sich am Ende selbst dafür zu gratulieren, mal wieder alles richtig gemacht zu haben und weiter zu verkünden wie bisher. Nur das hat er leider vergessen dazuzuschreiben.

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Alle Kommentare

  1. nicht wie einige Wirrköpfe unterstellen, dass es eine gezielte Agenda gibt, West-Propaganda zu betreiben.

    Es gibt keine gezielte Agenda oder Verschwörung oder ähnliches. Aber das Ergebnis, Westpropaganda, gibt es trotzdem. Einfach mal Chomskys Propagandamodell recherchieren:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Propagandamodell

  2. Man kann jedem sich vernünftig informierenden Bürger nur raten, sich aus dem Einheitsbrei der Propagandalügen der deutschen „Qualitätsmedien“ zu befreien und sich selbst ein Bild zu machen, also entweder KenFM, oder N23 oder das neu gestartete Projekt RTdeutsch.com zu gucken…

  3. Man kann jedem sich vernünftig informierenden Bürger nur raten, sich vom Einheitsbrei der NATO und US Atlantiker propaganda zu befreien und sich selbst ein Bild zu machen, indem er entweder KenFM, oder N23 oder das neu gestartete Projekt RTdeutsch.com guckt…

  4. Sehr geehrter Herr Dr. Gniffke, Damen und Herren Journalistinnen und Journalisten und Mitarbeiter von ARD und ZDF,

    mit 67 Jahren blicke ich auf ein politisch engagiertes und interessiertes Leben zurück. Jahrzente erlebte ich den kalten Krieg gegen die Sowjetunion, gesteuert durch die Interessen des US-Finanz-und Rüstungskapitals, denen es niemals um Wahrheit, sondern um Interessen ging und geht.
    Ich muss gestehen, dass mir mit zunehmendem politischen Interesse, das Vertrauen in die Wahrheit der Nachrichten und Sendungen der Öffentlich Rechtlichen Sender völlig abhanden gekommen ist.
    Ich empfand Sie auch zumeist nicht staatsfern oder gar unabhängig.
    Ich habe mir die Mühe gemacht, mir den „Presse-Codex“ durchzulesen und stellte dabei fest, dass es nicht einen einzigen Grundsatz dort gibt, gegen den Sie, insbesondere in der Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine, nicht verstossen.
    Es ist ganz besonders verwerflich, wenn man sich klar macht, dass dieser erneute kalte Krieg gegen Russland (unter der Regie Washingtons) geschieht,) von einem Deutschland, das fast 30 000 000 russische Menschen im 2. Weltkrieg ermordete und 80 % des Landes zerstörte.
    Besonders widerlich finde ich Ihren kritiklosen Umgang was die Zusammenarbeit mit ukrainischen Faschisten betrifft und Ihr Vorstellungsvermögen scheint auch sehr begrenzt, was es für Ost-Ukrainer bedeutet, nun schon wieder von Faschisten und von dem vom Westen unterstützten Putschregime in Kiev, getötet, gefoltert und verfolgt werden.
    Es ist ganz besonders Ihr jämmerliches Versagen, dass Sie diesen Krieg mit vorbereitet hat und Sie nehmen eine entsetzlich schwere Schuld auf sich, Schuld durch eine erbärmliche Untertänigkeit gegenüber des größten Schurkenstaates der Welt, den USA, die unter Freiheit immer nur die Freiheit des Kapitals verstehen, Mensch und Umwelt zu zerstören, zu unterdrücken und auszubeuten.
    Mit der totalen Hörigkeit gegenüber Washington nehmen sie sich von Ihrem Auftrag her, im Grunde genommen ihre Existenzberechtigung, gefährden insbesondere die Demokratie und geben den kümmerlichen Rest an Eigenständigkeit preis.
    Ich frage mich manchmal, ob Sie wirklich noch nie darüber nachgedacht haben, wie Medien sich im Deutschen Faschismus verhalten haben, dann wären sie vielleicht den jetzigen verhängnisvollen Weg so nicht gegangen.
    Viel gäbe es noch zu sagen und kritisch zu hinterfragen, aber auch die Art, wie Sie mit berechtigter Kritik umgehen, zeigt nur auf, wie weit Sie sich schon von den Menschen und ihrem Recht auf einen unabhängigen Journalismus entfernt haben und wie wenig Respekt Sie diesen Menschen entgegen bringen.
    Ich glaube nicht daran, selbst wenn alle Menschen, die noch des eigenständigen Denkens fähig sind, Ihnen auf die Füße treten, dass Sie aus Ihrer Lügenhaftigkeit heraus kommen werden.
    Ich bin vor vielen Jahren dem Geschäftsführer des Rowohlt Verlags begegnet. Er sagte in einem Gespräch zu mir einen Satz, der sich tief in mir eingegraben hat, er sagte auf seine Arbeit bezogen: „Man muss sich zwar verkaufen, aber man darf seine Seele nicht verkaufen.“ Und genau das ist es, was Sie und die Überwiegende Mehrheit der Journalisten in diesem Land getan haben: Sie haben Ihre Seele verkauft, Sie wollen es sich nur nicht eingestehen, denn mit dem Gedanken lebt es sich nicht wirklich komfortabel und Ihr Gesichtsverlust wäre total und das sagt Ihnen ein ehemaliger Therapeut im UKE mit 27 Jahren Berufserfahrung und nicht gar allzuwenig Menschenkenntnis.

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