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„Ansehen aufs Spiel gesetzt“: NDR-Rundfunkrat missbilligt Voting-Sendungen

Manipulierte Zuschauer-Votings. Der NDR setzte sein Ansehen aufs Spiel.
Manipulierte Zuschauer-Votings. Der NDR setzte sein Ansehen aufs Spiel.

Der Rundfunkrat des Norddeutschen Rundfunk (NDR) hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit den manipulierten Online-Votings für Ranking-Shows befasst. Die Eingriffe in die Abstimmungen seien "nicht hinnehmbar" und hätten "das Ansehen des Senders aufs Spiel gesetzt", so das Kontrollgremium.

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Der Rundfunkrat sieht durch das Fehlverhalten einzelner Redaktionen die Grundsätze des für den NDR geltenden Verhaltenskodexes verletzt. Zwar sei die Einbeziehung neuer Medien mit ihren Interaktionsangeboten im Grundsatz wünschenswert, die Umsetzung müsse aber transparent gemacht werden.

Genau das hatten der NDR und einige weitere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten nicht gemacht (MEEDIA berichtete). Für Sendungen wie “Die schönsten Gärten und Parks des Nordens” führten die Sender Online-Votings durch, bei denen die Zuschauer abstimmen sollten. Oft auf Grund zu geringer Nachfrage oder ungünstiger Dramaturgie griffen die Sendungs-Redaktionen ein und manipulierten die Reihenfolgen. Nach dem Ranking-Skandal bei der ZDF-Sendung „Deutschlands Beste“ war der NDR der zweite öffentlich-rechtliche Sender, der Betrug eingeräumt hat. Im Falle der Nordlichter sei zwischen 2011 und 2013 neun Mal im TV und Radio Hand angelegt worden. 

„Das Ansehen des Senders wurde damit leichtfertig aufs Spiel gesetzt“, heißt es nun aus dem Rundfunkrat. Ehrlichkeit und Respekt des NDR gegenüber seinen ZuschauerInnen und ZuhörerInnen seien „unerlässlich für die Glaubwürdigkeit und das Renommee des Senders“. 

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NDR-Intendant Lutz Marmor hatte bereits im August angekündigt, das Thema intern weiter aufzuarbeiten. Vom Kontrollgremium werde dies „anerkannt“: „Die aktuell im Unternehmen geführte Grundsatzdiskussion über die Einhaltung des NDR Verhaltenskodexes ist das richtige interne Signal.“ Auch habe der Intendant bereits einen Maßnahmenkatalog aufgelegt, der vor internen und externen Manipulationen schützen soll. Der Rundfunkrat merkt allerdings an, dass die Weiterführung von so genannten Listing-Formaten generell zu überdenken sei.  

Die Regeln für den künftigen redaktionellen Umgang mit Listing-Formaten im NDR sähen u. a. vor, dass die Ergebnisse von Online-Votings parallel zur Sendung in absoluten und prozentualen Zahlen auf NDR.de veröffentlicht werden. Die Abstimmungsergebnisse müssen grundsätzlich eins zu eins in den Sendungen übernommen werden.

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