Programmbeirat rüffelt ARD-Berichterstattung zur Ukraine-Krise als einseitig und mangelhaft

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Fernsehen Über die Medien-Berichterstattung zur Krise in der Ukraine wurde schon viel diskutiert. Immer wieder wird in Kommentarspalten und im Social Web von Nutzern und Zuschauern kritisiert, dass Mainstream-Medien zu einseitig pro westlich berichten und russische Positionen zu negativ darstellen würden. Diese Kritik wird vom Programmbeirat der ARD offenbar uneingeschränkt geteilt. Wie Telepolis berichtet, hat das Gremium die Berichterstattung der ARD zur Ukraine Krise als einseitig, lückenhaft und voreingenommen gerügt.

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Wörtlich heißt es in dem Protokoll der Programmbeirats-Sitzung, die Telepolis vorliegt, u.a., dass wichtige und wesentliche Aspekte des Konflikts „nicht oder nur unzureichend beleuchtet“ beleuchtet worden seien. Die Berichterstattung der ARD in Sachen Ukraine sei insgesamt „nicht ausreichend differenziert“, teilweise sei der „Eindruck der Voreingenommenheit“ erweckt worden und Inhalte seien  „tendenziell gegen Russland und die russischen Positionen“ gerichtet. Aufgabe des neunköpfigen Programmbeirats ist es, dafür zu Sorgen, dass die ARD dem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag gerecht wird.

Konkret wurden in zehn Punkten Mängel an der Ukraine-Berichterstattung festgestellt. Vermisst haben die Beiräte außerdem einen längeren Beitrag, der „die tieferen Ursachen der Krise“ verständlich macht. Untersucht wurden u.a. „Brennpunkt“-Sondersendungen und Magazin-Beiträge. Lediglich einige Beiträge von „ttt“, „Plusminus“, „Monitor“ und „Panorama“ hätten „einige wenige positive Themen“ gesetzt. Sämtliche anderen untersuchten Beiträge werden in dem Protokoll als „fragmentarisch“, „tendenziös“, „mangelhaft“ und „einseitig“ kritisiert. Empfohlen wird eine „eine gründlichere Recherche durch die politischen Redaktionen“. Der Programmbeirat hat allerdings lediglich eine beratende Funktion. Im Programmbeirat sitzen Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen und Parteien, die in der Regel auch in den Rundfunkräten einzelner ARD-Anstalten Mitglied sind.

Die Bewertungen des Beirats dürften Wasser auf die Mühlen der zahlreichen Kritiker der Ukraine-Berichterstattung gerade auch in den öffentlich-rechtlichen Medien sein.

Update: ARD-Chefredakteur Thomas Baumann äußert sich wie folgt zu der Kritik des Programmbeirats: „Den Vorwurf einer einseitigen und tendenziösen Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt weise ich energisch zurück. Dies habe ich auch gegenüber dem ARD-Programmbeirat deutlich gemacht. Es gab und es gibt zahlreiche Beiträge, Sendungen und Sondersendungen im Ersten Programm, die in der Summe die Lage in der Ukraine und die Ursachen der Krise differenziert und unter verschiedenen Aspekten thematisiert haben und thematisieren. Unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten vor Ort tragen unter schwierigsten Bedingungen mit ihrer Arbeit entscheidend dazu bei, unser Publikum umfassend und so wahrheitsgetreu wie möglich zu informieren.“

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Alle Kommentare

  1. Ich hoffe, euch liegt auch das Protokoll vor, sonst wäre das für Medien-Analytiker etwas peinlich. Telepolis verlinkt ja nur ein „Resümee“ auf Basis eines Protokolls, das jeder mit einer bestimmten Intention zusammengeschrieben haben kann. Was ist die offizielle Position des Programmbeirates?

    1. Der verlinkte Text bei Telepolis ist ja doch sehr deutlich in seiner Aussage. Da müsste ja jemand vom Programmbeirat eine komplett falsche, irreführende Interpretation veröffentlicht haben, sollte dies nicht die protokollierte Diskussion widerspiegeln. Ob man die Kritik des Programmbeirats teilt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Es sind ja auch nur neun Leute.

      1. Was nicht auszuschließen ist, es wäre ja beileibe nicht die erste Fälschung in diesem Konflikt. Es muss auch klargestellt werden, dass es sich um ein „Resümee“ handelt, nicht um ein „Protokoll“. Das „Resümee“ ist höchstens Teil eines Protokolls gewesen, das wir nicht einsehen können. Es stellen sich folgende Fragen:

        1. Wurde etwas weggelassen?
        2. Wer hat das Resümee verfasst? Im Programmbeirat sitzen mehrere Mitglieder DER LINKEN. Kann jedes Programmbeirats-Mitglied ein Resümee verfassen, und dann beantragen, dass dieses ins Protokoll aufgenommen wird, ohne dass dies zwingend die Mehrheitsmeinung darstellt?
        3. Wer hat das Resümee geleakt? Der Autor des Telepolis-Artikels ist Referent der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Ein weiterer Autor von Telepolis ist Mitarbeiter des linken MdBs und Unterstützers der rechtsesotherischen Mahnwachen Andrej Hunko.
        Es ist also gut möglich, dass der LINKEN nahestehende Mitglieder des Programmbeirats die Aufnahme ihres Resümees beantragt haben (es liest sich auch eher wie eine Stellungnahme der Linkspartei, als ein parteiübergreifendes Resümee), und dann genau dieser Ausschnitt des Protokolls von den gleichen Mitgliedern oder ihren Assistenten geleakt wurde.
        All diese Sachen liegen durchaus im Bereich des Möglichen, und ich finde es problematisch, dass Meedia hier unkritisch die Berichterstattung von Telepolis aufgreift.

      2. Tobias Weihmann hat in allen Punkten den richtigen Riecher. Allein der Begriff Mainstream-Medien – gerne auch als Systemmedien bezeichnet – ist ein gern kolportierter Kampfbegriff rechter sowie linker Verschwörungstheoretiker und Community-Trolle.

      3. Und noch ein weiteres Einfallstor für Propaganda: Tagesspiegel berichtet über das gleiche Thema, besitzt aber meinen Quellen zu folge auch nicht mehr Informationen als die von Telepolis veröffentlichten (unvollständigen und unbestätigten) Dokumente. Erwähnt ist das natürlich nicht. Und die Leute fangen an, daran zu glauben, nur weil verschiedene Medien darüber berichten. Man muss sich als Leser also selbst um die Aufklärung bemühen – das ist wirklich anstrengend.

      4. Mittlerweile hat sich auch der ARD-Chefredakteur zu der Kritik des Programmbeirats geäußert und diese zurückgewiesen. Von Seiten der ARD wird also bestätig, dass die Kritik des Beirats authentisch ist. Wer der Verfasser des Dokuments ist, das Telepolis veröffentlicht hat, wurde aus Gründen des Quellenschutzes unkenntlich gemacht. Das hat die Redaktion dort auch entsprechend kommuniziert.

      5. @Christian Senft, #Verschwörungstheorie:
        Und welche Theorie setzt Tobias Weihmann Ihrer Meinung nach der Theorie entgegen, nach der die Ukraine-Berichterstattung des Mainstream-Mediums ARD einseitig, pro-westlich und tendenziös sei, in den Augen des Programmbeirats?
        Nun nicht weniger als die Kolportage, nach der linke Beiratsmitglieder, linke Redakteure und rechte Esoteriker gemeinsam die Ukraine-Berichterstattung der ARD denunzieren wollen, um eigene Parteipropaganda zu platzieren. Nicht zu vergessen: die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Mahnwache.

        Sie verstehen meine Verwirrung ob Ihres Riechers?

    2. @Tobias Weihmann, #Im Programmbeirat säßen mehrere Mitglieder von Die Linke:
      Falsch. Soweit ich nachvollziehen konnte, sitzt ein (!) Mitglied der Linkspartei im Beirat (Was ist eigentlich so schlimm daran? Muss etwas notwendig falsch sein, wenn es von der Linkspartei geäußert wird?).
      Ansonsten sind noch Piratenpartei und Grüne auszumachen. Der Rest ist keiner Partei direkt zuzuordnen: Bankkaufmann bzw. Jurist, Beamter a.D., Heilpraktikerin, Industriekauffrau und zwei der katholischen Kirche nahestehende – allesamt parallel entweder in Interessensgruppen aktiv (Behinderte, Elternrat etc.) und wenn nicht hier explizit erwähnt berufstätig (Lehrer etc.).

      Quelle: http://www.daserste.de/service/kontakt-und-service/ard-programmbeirat/mitglieder/beirat/alle-mitglieder-filter-100.html

      Herr Weihmann, Sie haben recht. Man muss sich als Leser selbst um Aufklärung bemühen.

      1. Bei Linken geht Ideologie IMMER vor Realität und Fakten. Das spricht gegen sie.

  2. Interessant in diesem Zusammenhang ist natürlich auch das WDR Interview
    mit Gabriele Krone-Schmalz, früher ARD Korrespondentin in Russland.
    Sie kritisierte in darin die einseitige Berichterstattung der Medien und
    wies vor Monaten, ehe es eintrat, daß dass das EU – Abkommen mit der
    Ukraine wegen der militärischen Komponente dazu führte, daß es diese
    zerreissen wird. Etwas, worüber die Medien hätten berichten müssen
    und das mittlerweile auch eintrat.
    Das Video gilt zurecht als Klassiker.
    https://www.youtube.com/watch?v=22VfEe1RkH8

    1. Da hat Frau Krone-Schmalz dabei aber einfach nur die Linie der russischen Medien nachgeplappert. Und oh Wunder, dann ist es so eingetreten. Was sagt uns das? Auf die gleiche Weise konnte ich damals den Ausgang des Referendums der Krim und die „Aufnahme“ durch Russland vorhersagen. Genial oder? Ok, später hat Putin dann zugegeben, dass russische Soldaten mitgeholfen haben, aber das hatte sicher nichts damit zu tun…

      1. Herr Weihmann, was ist denn „die Linie der russischen Medien“ ? Und was ist dann „so eingetreten“ ? Wann hat Putin wo „zugegeben, dass russische Soldaten mitgeholfen haben“ ?
        Wobei haben sie mitgeholfen ? Bei der Stimmabgabe der Krimbewohner ? Da brauchte es keine Bewaffneten, um die Stimmabgabe für den Anschluss an Russland zu erzwingen.
        Dagegen waren es bewaffnete Faschisten, die die jetzige Putschregierung in Kiew erzwangen: „Am Freitagvormittag hatte der Maidan-Rat den Verhandlungsergebnissen noch zugestimmt. Ihm gehören auch Radikale an. Diese drohten nun laut Lielischkies damit, das Parlament zu stürmen, sollte Janukowitsch nicht bis Samstag Vormittag um 10.00 Uhr zurücktreten. Der Anführer der radikalen Splittergruppe Rechter Sektor, Dimitri Jarosch, kündigte an, nicht die Waffen niederzulegen, bevor der Staatschef sein Amt niederlege“. 21.02.2014
        http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine1042.html

      2. Wenn man Ihre Linkenfresser-Kommentare hier liest, Herr Weihmann, fällt mir der alte Spruch ein, vom Walter Jens aus den Sechzigern: Ein gescheites Wort, schon ist man Kommunist.

  3. Hallo,
    Offensichtlichkeiten muss man nicht wirklich diskutieren. Die Medienbeiträge sind insgesamt unglaublich schwammig.
    Das liegt schon in der Materie wie „scheinbar“, „könnte“, „angeblich“, „wohlmöglich“, „würde“, „vermutlich“ etc..Spekulationen haben in der Berichterstattung nichts zu suchen.

    Interessanter ist dann woher die ihre Quellen haben: „Der Westen“, „Menschrechtsorganisation XXX“, „Beobachter“, „Experten“. Wer soll das sein?

    „amerikanische Forscher haben…“ die legendäre Lachbeigabe.

    Nehmen wir das Beispiel „Westen“. Ich bin auch „Westen“ von Russland ausgesehen, aber ich vertrete nicht die Meinung von Politikern, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Ich vertrete auch nicht die Auffassung unserer deutschen Regierung, ich halte sie als absolut falsch.
    Es gibt überhaupt keinen einheitlichen Standpunkt, der den Begriff „Westen“ legitimieren würde.

    Ich bin fast schon entzückt, wenn die werten „Nachrichten“ überhaupt noch eigene Texte verfassen. Das ist im besten Fall abschreiben von Nachrichtenagenturmeldungen, die weder überprüft werden noch hinterfragt. Ich kann die Nachrichten nicht mehr von PR-Meldungen unterscheiden.

    So wie die sogenannten „Nachrichten“ aktuell aufgestellt sind, ist Glaubwürdigkeit nicht existent.

    Gruß
    Roland Tluk

    1. @Tobias Weihmann:

      Na ja, warum sollte der ARD-Chefredakteur etwas „energisch zurückweisen und gegenüber dem Programmbeirat deutlich machen“, wenn es so von diesem nicht geäußert worden wäre …

  4. @Tobias Weihmann, #Im Programmbeirat säßen mehrere Mitglieder von Die Linke:
    Falsch. Soweit ich nachvollziehen konnte, sitzt ein (!) Mitglied der Linkspartei im Beirat (Was ist eigentlich so schlimm daran? Muss etwas notwendig falsch sein, wenn es von der Linkspartei geäußert wird?).
    Ansonsten sind noch Piratenpartei und Grüne auszumachen. Der Rest ist keiner Partei direkt zuzuordnen: Bankkaufmann bzw. Jurist, Beamter a.D., Heilpraktikerin, Industriekauffrau und zwei der katholischen Kirche nahestehende – allesamt parallel entweder in Interessensgruppen aktiv (Behinderte, Elternrat etc.) und wenn nicht hier explizit erwähnt berufstätig (Lehrer etc.).

    Quelle: http://www.daserste.de/service/kontakt-und-service/ard-programmbeirat/mitglieder/beirat/alle-mitglieder-filter-100.html

    Herr Weihmann, Sie haben recht. Man muss sich als Leser selbst um Aufklärung bemühen.

  5. Der Beirat ist eine weitere zahnlose Alibi-Institution, ähnlich der Bundesnetzagentur, der BaFin und anderen. Was die 9 veröffentlichen ist der Bevölkerung schon längst aufgefallen und schlägt sich u.a. in Wahlergebnissen, Protestwählern und immer mehr Wahlverweigerern nieder. Unsere ö.r. Nachrichtensendungen waren die letzten Monate unerträglich. Ohnmächtig musste man mitansehen wie einseitig und falsch berichtet wurde. Die Kolportage eines 1 Jahr alten Videos aus Syrien wurde als Abschuss eines Helikopters in der Ukraine verkauft, ohne Konsequenzen für die Redakteure! Bei Sat1 musste wegen weniger eine ganze Gruppe gehen. Die Nachrichten Redaktionen von ARD und ZDF erwecken den Eindruck, sie stecken bis zu den Schultern im Mastdarm von Big Oil und CIA. Nicht überall wo es dunkel ist laufen tolle Filme!

  6. @Christian Senft, #Verschwörungstheorie:
    Und welche Theorie setzt Tobias Weihmann Ihrer Meinung nach der Theorie entgegen, nach der die Ukraine-Berichterstattung des Mainstream-Mediums ARD einseitig, pro-westlich und tendenziös sei, in den Augen des Programmbeirats?
    Nun nicht weniger als die Kolportage, nach der linke Beiratsmitglieder, linke Redakteure und rechte Esoteriker gemeinsam die Ukraine-Berichterstattung der ARD denunzieren wollen, um eigene Parteipropaganda zu platzieren. Nicht zu vergessen: die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Mahnwache.

    Sie verstehen meine Verwirrung ob Ihres Riechers?

  7. Die Tagesschau berichtete von Hunderttausenden an der Grenze zur Million die auf dem Maidan protestierten, google-earth beweist daß der Maidan kaum größer ist als der Marktplatz eines Provinzdorfes, selbst rechnerisch und unter Vernachlässigung von Treppen, Säulen und was da noch rumsteht passen da kaum Zehntausend drauf, die Tagesthemen berichteten Wochen später von Zehntausenden die einer Oligarchenrede in einem Stadion lauschten und Autocorsos veranstalteten, Videos aus anderer Perspektive zeigen aber daß man nur dreihundert besetzte Sitzplätze gefilmt hat, das Stadion ist ansonsten komplett leer, das Getöse kommt nicht von der Versammelten Schar sondern kommt aus der Stadionbeschallung, der Autocorso sieht wenn man ihn kommentarlos zeigt eigentlich wie normaler Strassenverkehr aus usw.
    Wenn die ARD wirklich von den „Guten“ ist dann soll sie verdamtnochmal endlich aufhören uns allabendlich so unglaublich dreiste Lügen aufzutischen.

  8. Herr Winterbauer,
    wird in Ihrer Redaktion auch mal gegengelesen? Nur der erste Abschnitt:
    „Wörtlich heißt es in dem Protokoll der Programmbeirats-Sitzung, die Telepolis vorliegt (ich hoffe, in Wirklichkeit liegt das Protokoll vor und nicht die Sitzung), u.a., dass wichtige und wesentliche Aspekte des Konflikts “nicht oder nur unzureichend beleuchtet” beleuchtet (ah ja…) worden seien. Die Berichterstattung der ARD in Sachen Ukraine sei insgesamt “nicht ausreichend differenziert”, teilweise sei der “Eindruck der Voreingenommenheit” erweckt worden und Inhalte seien “tendenziell gegen Russland und die russischen Positionen” gerichtet. Aufgabe des neunköpfigen Programmbeirats ist es, dafür zu Sorgen (sind ja die Sorgen), dass die ARD dem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag gerecht wird.“
    Dazu im Teaser die „Ukraine Krise“, später wird „eine ‚eine gründlichere Recherche'“ empfohlen – und das in einem Artikel, der nicht einmal sonderlich lang ist. Qualitätsjournalismus sieht leider anders aus. Wenn die Recherche ähnlich sorgfältig erfolgt wie das Schreiben wirft das kein gutes Bild auf das Portal.

  9. Wem das nicht aufgefallen ist,der muss auf dem Mond gelebt haben.Übrigens ging das schon während der Olympischen Spiele los.

  10. Den besten Beitrag lieferte gestern der Kabarettist Dieter Nuhr in der ARD. Er sagte: „Ich würde nie Putin mit Hitler vergleichen. Nun ja, die Grundeinstellung vielleicht. Aber die Frisur ist doch ganz anders.“ Herrlich!!

  11. Wie vergiftet die Stimmung ist, sieht man an dieser Diskussion. Die Berichterstattung von ARD und ZDF im Konflikt Ukraine-Russland wird als tendenziös bezeichnet – ein Eindruck, den man teilen kann, auch wenn man anderseits bezweifeln muss, dass die sogenannten Mainstream-Medien unabhängig voneinander oder gar in Absprache miteinander vorsätzlich „falsch“ berichten. Was hieße das? Chefredakteurskonferenz von ARD, ZDF, „Spiegel“, „Stern“ und „Bild“ Morgen für Morgen, welchen Anti-Putin-Artikel man heute abschießt? Oder gar, wie immer gerne vermutet – eine Direktive der Kanzlerin oder des Außenministers per Mail oder SMS an jede Redaktion? Aber wenn dann andererseits ein Programmbeirat „tendenziöse Berichterstattung“ moniert, wird gleich gefragt, ob das Gremium wohl mit einer Stimme gesprochen hat oder vielleicht „interessierte Kreise“ ganz frech den Standpunkt des Beirats gekapert haben. Geht’s noch? Am besten, wir fahren alle in die Ukraine und machen uns vor Ort selbst ein Bild, sofern die Konfliktparteien uns das erlauben. Vermutlich kommt dann jeder mit einer anderen Wahrheit zurück nach Hause – wenn er es denn nach Hause schafft.

  12. VIELLEICHT liegt das ja daran, dass auch die köpfe der ARD durch die bank weg alle nur lobbygesteuerte marionetten sind, deren funktion einzig und allein die vetternwirtschaftliche verteilung von rundfunkgebühren ist. HM?
    „Es gab und es gibt zahlreiche Beiträge, Sendungen und Sondersendungen im Ersten Programm, die in der Summe die Lage in der Ukraine und die Ursachen der Krise differenziert und unter verschiedenen Aspekten thematisiert haben und thematisieren.“ [nachts um halb 2.], hat er leider vergessen. zur mainstreamzeit dagegen gibts knallhart pro-westen nonstop.

  13. Msn brauchte nur sich die zwei Ukrainischen Berichterstatterinnen anzusachauen, die mit entrüstungsgeschocken Gesichtsausdruck über den Maidan, Krim und Seperatisten „berichteten“. Da ging es gar nicht darum, was sie sagten, sondern was ihre Mimik rüber brachte. Die bürgerliche Mittelschicht entrüstet sich, mit objektiver Berichterstattung hat das aber nichts zu tun.

  14. Da sind wohl, egal welcher politischen Farbe, einige Laienschauspieler in diesem Beirat. Und man sieht mal, welchen Einfluss russische Agitations- und Propaganda-Medien in Deutschland (Russia Today u.a.) auf die deutschen Zuschauer haben. Die Vertreter der Putin-Medien (Rodionov, Rose) können hier frei arbeiten und denen bietet die ach so einseitige ARD in ihren Talkshows auch noch reichlich Plattform, um ihre Schwachsinns-Propaganda in Deutschland zu verbreiten.

    Aus meiner Sicht wurde von Anfang an viel zu viel Verständnis für Russland aufgebracht. Fakt ist doch: Es gibt nur ein Land und einen Staatschef, der die Grenzen eines anderen Landes verletzt hat. Und wenn Russland von NATO-Staaten umzingelt wäre: Hat es in den vergangenen 20 Jahren jemals auch nur eine Drohung oder nur den Anschein gegeben, Russland anzugreifen, geschweige einen solchen Versuch?

    Kleiner Hinweis noch: Die Russland-Berichterstattung der ARD wird vom WDR gestemmt – und der muss ja nun nicht gerade mit dem Vorurteil kämpfen, besonders rechts und Russland-kritisch zu sein.

  15. Ich verstehe wirklich nicht, wie das Wort „Mainstream-Medien“ ernsthaft und ohne Anführungszeichen in einer Berichterstattung verwendet werden kann, die sich wenigstens halbwegs als seriös und sachlich betrachtet. Wie bereits von anderen erwähnt: Es handelt sich bei dem Wort „Mainstream-Medien“ um einen ideologischen Kampfbegriff, der, ähnlich wie der Ausdruck „Systemmedien“, benutzt wird, um zu unterstellen, alle Medien seien gleichgeschaltet.

    Diese Verschwörungstheorie wird nicht nur von ganz links und von ganz rechts propagiert (und schwingt auch in der Kritik an der ARD wegen ihrer Ukraine-Berichterstattung mit), sondern auch immer wieder gerne von Anhängern der zumindest verdächtigen AfD.

    Wer diese Begriffe unkritisch übernimmt, wie es hier geschehen ist, macht sie und die dahinter stehende irre Verschwörungstheorie hoffähig, man könnte wortspielerisch-neudeutsch auch sagen: zum Mainstream.

    Gerade Journalisten sollten diese Wörter daher auf keinen Fall gebrauchen, sie untergraben damit ihre eigene Reputation. Sofern sie noch eine haben.

    1. Und noch ein kleiner Nachtrag: Der Verfasser des Beitrags auf „Telepolis“ kommt ohne die Wörter „Mainstream-Medien“ und „Systemmedien“ aus.

    2. Es muss sich jeder Kommentator hier hinterfragen, welcher Ideologie er sich möglicherweise selbst anhängt:
      Erst wurde kolportiert es sei ein Bereitsmitglied der Linkspartei, das die Berichterstattung kritisiert. Und von denen komme sowieso nichts Gutes. Dann sei die politische Färbung des Beirats ohnehin egal, denn dieser sei wie die Meinung deutscher Zuschauer von russischer Agitation unterwandert. Meinung von Propagandisten im Dienste Putins sei kein Gehör oder gar Verständnis zu schenken – das wäre das eigentliche Problem, nicht die NATO-Ost-Erweiterung entgegen westlicher Versprechen. Zuguterletzt wird wieder mit dem Verschwörungsbegriff operiert.

      Dass die Medien (Print, Online, Funk und Fernsehen) gänzlich gleichgeschaltet seien, ist absurd.

      Aber man ist kein Verschwörungstheoretiker, wenn man Tendenzen konstatiert, die eine weitgehend kohärente Berichterstattungslinie erkennen lassen, trotz der Gegenpositionen.
      Wer Putin-Fan ist, weil er dessen Propaganda schluckt: shame on you. Wer NATO-Fan ist, weil er deren Propaganda schluckt: shame on you too.

      In diesem Spiel gibt es keinen Guten. Vielleicht verfehlen die Medien genaus das herauszuarbeiten, anstatt sich mit einer Seite gemein zu machen.

      1. Edit: „In diesem Spiel gibt es keinen Guten. Vielleicht verfehlen die Medien genaus das herauszuarbeiten, anstatt sich mit einer Seite gemein zu machen.“
        Muss richtig heißen: „…stattdessen machen sie sich mit einer Seite gemein.“

  16. “Den Vorwurf einer einseitigen und tendenziösen Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt weise ich energisch zurück…“

    Warum hat mich das überhaupt nicht überrascht?

    Fokko

  17. @ Christian Senft (18.09.): Allein der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ ist ein von obrigkeitsgläubigen Schlafschafen gerne nachgebrabbelter Kampfbegriff derer, von denen diese sich ständig in Hirn scheißen lassen- und sich dabei dann auch noch für intelligent, informiert und wirklich denkenden Menschen überlegen halten.

    Fokko

  18. Heute auf Phoenix hat sich auch der Alt-Außenminister Genscher ganz eindeutig zu der neuen Ost-West Konfrontation geäußert. Inhaltlich unterschied sich das nicht wirklich von den Äußerungen anderer Alt-Politiker wie Kohl, Schmidt und sogar Kissinger. Aber es war diametral entgegengesetzt zu dem, was ihre Nachfolger heute treiben.
    Diese Alt-Politiker haben eines gemeinsam: Sie haben den 2. Weltkrieg und den kalten Krieg erlebt. Sie haben unter anderem über die Entspannungspolitik die KSZE Vereinbarungen ermöglicht und am Ende den Zerfall der SU und den Rückzug der RU auf das russische Kerngebiet begleitet. Und auch den Abschluss der Verträge, die von der Nato, der EU und den USA gebrochen wurden.
    Die Alten Herren wissen, wovon sie reden, auch wenn sie nicht mehr regieren.
    Die US hörigen ‚Transatlantiker‘ spielen einfach nur mit dem Feuer und klettern immer weiter auf der Eskalationsleiter, ohne zu wissen, wie sie da wieder runter kommen. ARD und ZDF haben sich längst gleichgeschaltet, die sich selbst so nennenden Qualitätsmedien ebenfalls.
    Genau da kommen auch die Parallelen von 1914 ins Spiel. Aber aus der Geschichte lernen? Das ist doch unter der Würde. Da ziehen wir lieber in den Krieg!

    bb

    1. Und zack kommt in der Zeit eine öffentliche Hinrichtung Genschers als seniler alter Trottel.
      Wie zuvor auch bei Schmidt, Kissinger und Kohl.

      Oder wie bei Fleischhauer’s Aufruf, Schröder zu enteignen.
      Es ist nicht zu übersehen, wie fanatisch hysterisch Abweichler ausgemerzt werden.

      Jede abweichende, dissidentische Meinung wird sofort als feindunterwandert stigmatisiert, den allg. Propagandaregeln entsprechend. Wie es funktioniert, kann man hier schön an den Verschwörungstheorien der Weihmann/Schreiber-Brigade nachvollziehen.

      Am besten funktionieren solche emotionalisierten Halbwahrheiten und Verzerrungen natürlich bei schlecht informierten Lesern. Das Strickmuster ist bekannt.

      Was man vor 10 Jahren in der Prä-Irakkriegphase noch fassungslos bei US-Medien beobachtete, heute ist es auch bei uns Alltag.

      An die Sprachpolizisten, die hier den Begriff „Mainstreammedien“ zum neuen Kampfbegriff hochstilisieren: Sie bleiben eines schuldig: Eine ihnen genehme Bezeichnung dieser Medien. Was darfs denn sein?

      Leitmedien? Ist das genehm oder fällt das auch unter ihren alarmistischen Radikalenerlass?

  19. Durchwegs gute Kommentare, die meistens auch sachlich bleiben. Wenn es nach mir ginge, sollten die Stellungnahmen des Programmbeirats sofort veröffentlicht werden. So wäre eine öffentliche Diskussion möglich, was dem Begriff „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ entsprechen würde und der Sache dienlich wäre.

  20. Ob links oder Recht, oben oder unten, das ist mir völlig egal. Fakt ist die Kommentare von ARD und ZDF waren absolut tendenziös und für einen selbstständig denkenden Menschen nicht mehr zu ertragen. Gott sei Dank, kann man heute auf andere Infoquellen zurückgreifen. Es war totale Volksverblödung in allhöchster Vollendung!
    NIE WIEDER!!!

  21. also, ich fänd’s klasse, wenn unsere medien einfach mal die berichterstattung im russischen fernsehen eins zu eins dokumentieren würden. nach dem dritten duma politiker, der einen atomschlag gegen uns fordert, wäre die kritik an unseren eigenen medien wahrscheinlich kleinlauter …

  22. [quote]
    nach dem dritten duma politiker, der einen atomschlag gegen uns fordert, wäre die kritik an unseren eigenen medien wahrscheinlich kleinlauter …[/quote]

    Das wäre immerhin besser als falsche abgestürzte Helikopter und leere Stadien oder Faschisten mit nationalsozialistischen Emblemen zu zeigen wie sie es derzeit tun. Und sich dann dafür nichtmal zu entschuldigen sondern ein „Wir haben alles richtig gemacht und ihr seit alles Kommunisten die uns einen Dolchstoß versetzen wollen“ rauszubrüllen.
    Ja Dolchstoß! Da sträuben sich jedem der Mal Geschichtsunterricht in der Schule hatte die Haare wenn ein leitender Chefredakteur zu solch einer Wortwahl greift. Das heißt dann wohl wir sind wieder in der Zwischenkriegszeit, jetzt also der Zweiten.

    Merke: wir können nicht beeinflussen was die russichen Fernsehsender oder Politiker tun. Aber wollen wir so einen Staat wie Russland haben der auf die gleiche Art gelenkt ist?

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