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Super RTL Chef Claude Schmit: „VoD als Cash-Maschine? Ich bezweifle das.“

Super RTL Geschäftsführer Claude Schmit
Super RTL Geschäftsführer Claude Schmit

Was macht ein Senderchef, dem eben mal 30 Prozent seines Daytime-Programms flöten geht? Er kümmert sich um Ersatz! Super RTL Geschäftsführer Claude Schmit stand vor genau dieser Herausforderung, als sich der langjährige Kooperationspartner Disney entschied, einen Konkurrenzkanal im Free-TV zu starten. MEEDIA sprach mit Schmit darüber, warum die Trennung von Disney in Sachen Programm auch Vorteile mit sich brachte und warum er den Start von Netflix in Deutschland sehr gelassen sieht.

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Gestern Abend habe ich meinen Sohn gefragt, was er von Super RTL hält. Die Antwort: Zu viele Wiederholungen, gute Sitcoms laufen jetzt beim Disney Channel. Aber auch: Die Anime Filme seien gut, die würde man woanders nicht sehen. Erkennen Sie Ihr Programm?

Bei den guten Sachen ja, die Kritik kann ich natürlich überhaupt nicht nachvollziehen (lacht).  Das hat er schon recht gut erkannt. Es ist in der Tat ein großes Thema, dass wir 20 Jahre gut gewirtschaftet haben und dann hat einer unserer beiden Gesellschafter entschieden, einen eigenen Sender aufzumachen, der genauso positioniert ist wie wir. Darum findet Ihr Sohn die Sachen nun beim Disney Channel wieder, die früher bei uns gelaufen sind. Das hat uns vor eine riesengroße Herausforderung gestellt. Disney hat in der Vergangenheit rund 30 Prozent unserer Daytime bestückt. Zusätzlich sind die auch auf dem Werbemarkt aktiv, was wir auch ein bisschen spüren. Aber Disney ist immer noch Gesellschafter bei uns. Dass die nebenbei jetzt noch einen Konkurrenzsender betreiben ist – sagen wir mal – ein ungewöhnliches Konstrukt.

Gibt es Bestrebungen, dass sich Disney auch als Gesellschafter bei Super RTL zurückzieht?

Disney hat eine so genannte Chinese Wall aufgebaut. Das bedeutet, Informationen, die wir über den deutschen Markt haben, werden nicht an die Disney-Channel-Kollegen in Deutschland weitergeleitet. Darum wurde Super RTL gesellschaftsrechtlich zum Sportkanal ESPN zugeschlagen, der auch eine Tochtergesellschaft von Disney ist. Als börsennotiertes amerikanisches Unternehmen, nimmt Disney solche Compliance-Fragen sehr ernst. Seit wir dieses Konstrukt haben, ist die Zusammenarbeit mit dem Gesellschafter Disney sogar viel einfacher als vorher. Wir müssen schließlich keine programmstrategischen Fragen mit Disney mehr besprechen, weil wir die Disney-Formate nicht mehr haben. ESPN agiert wie ein reiner Finanzinvestor. Immerhin ist Super RTL noch sehr profitabel. Und am Geldverdienen hat Disney sehr großes Interesse. Es sieht im Moment also überhaupt nicht danach aus, dass sich an unserer Gesellschafterstruktur etwas ändern würde.

Vor der Gründung des deutschen Free TV Disney Channels war Super RTL so eine Art inoffizieller Disney-Kanal in Deutschland. Beliebte Formate wie „Phineas und Ferb“, „Jessie“ oder auch die neue „Star Wars“-Serie „Star Wars Rebels“ können sie nun nicht mehr zeigen. Wie haben Sie Super RTL programmmäßig neu ausgerichtet?

Wir haben eine so genannte Dreier-Strategie entwickelt. Zunächst brauchten wir einen neuen strategischen Partner fürs Programm. Da haben wir diese „kleine“ Firma in Glendale gefunden, die sich Dreamworks nennt und u.a. für „Shrek“, „Kung Fu Panda“ oder „Drachen zähmen leicht gemacht“ zuständig ist. Mit Dreamworks haben wir einen Output-Deal bis 2022 geschlossen. Klassisch ist Dreamworks ein Filmproduzent, sie verbinden die einzelnen Teile der Filme aber mittlerweile mit passenden Serien. Wir sind auch die Lizenzagentur für Dreamworks-Merchandising in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Inklusive des Merchandisings für die Spielfilme. Dieses Merchandising-Geschäft konnten wir mit Disney in der Vergangenheit nicht so stark ausbauen wie jetzt. Das haben die alles selbst gemacht.

Dreamworks-Kinofilme zeigen sie aber vermutlich nicht als Free-TV-Premieren?

Nein, die TV-Rechte für die Kinofilme selbst liegen bei anderen. Da bewegen wir uns preislich in einer anderen Liga. Der zweite Schritt unserer Strategie ist, dass wir den Anteil an Eigenproduktionen massiv erhöht haben. Die dritte strategische Säule ist, dass wir uns Cherry Picking auf die Fahnen geschrieben haben. Das bedeutet, wir kaufen Serien für einen genau definierten Bedarf. Wenn wir eine Lücke am Nachmittag um 15 Uhr haben, wo eher Jungs zuschauen, dann kaufen wir eine Serie zu, die exakt zu diesem Profil passt. 

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Stichwort Netflix. Ex-WiWo-Chef Roland Tichy hat in einem Kommentar in Bezug aufs TV gerade geschrieben: „Den Elefanten fällt es schwer, wie Mäuse zu steppen.“ Mit „Elefanten“ hat er sie gemeint – lineares TV. Die Mäuse sind Anbieter wie YouTube oder Netflix. Fühlen Sie sich als Elefant?

Nein, gar nicht. Wenn ich einen Elefanten definieren müsste, dann wäre Netflix ganz weit vorne, was die Größe anbelangt. Das ist ja kein Kleinst-Unternehmen. In den USA ist Netflix auf dem Zenith angekommen, nun wollen und müssen sie international wachsen. Aber schauen Sie mal auf den deutschen Markt: Da gibt es zum Beispiel Maxdome von ProSiebenSat.1, die mit einem Marktanteil von 32 Prozent keine Gewinne erwirtschaften. Es gibt Amazon, Watchever und und und. Es ist nicht so, dass der Markt hier leer wäre. Netflix wird zwar sicher auch ein Kinderprogramm anbieten aber uns ist nicht bange. Die Rechte, die wir von Dreamworks haben, bekommt Netflix zum Beispiel schon mal nicht. Und das, obwohl Netflix außerhalb Deutschlands ein großer Partner von Dreamworks ist. Sämtliche Premierenrechte liegen bei Super RTL. Das bedeutet, die Dreamworks-Serien müssen zuerst bei Super RTL laufen, bevor sie überhaupt ins VoD-Geschäft gehen. Wir sind für Kinderfernsehen schlicht die wichtigste Plattform in Deutschland und erreichen mehr Kinder als Disney Channel und Nickelodeon zusammen. Außerdem ist Netflix – wenn überhaupt – eher eine Kampfansage ans Pay-TV und weniger an das lineare Fernsehen.

Wäre eine eigene Video ob Demand Plattform für Super RTL eine Überlegung wert?

Wir sind mit Super RTL Now bereits im nicht linearen Geschäft tätig. Mit unseren kostenpflichtigen Internetangeboten Toggolino Club und Toggo CleverClub sowie der Lernplattform scoyo haben wir außerdem langjährige Erfahrung im Abo-Geschäft. Sollte sich VoD als ertragreiches Geschäftsmodell erweisen, könnten wir da problemlos nachziehen. 

Sie glauben nicht, dass sich mit VoD Gewinne erzielen lassen?

Die Frage ist eher, wie viel Geld ich damit verdienen kann. Netflix ist nicht das Rote Kreuz, die wollen natürlich Geld verdienen. Ob VoD aber die große Cash-Maschine sein wird – fragen sie mal die Maxdome Kollegen … Ich bezweifle das. Wir haben den Vorteil, dass VoD nicht unser Hauptgeschäft ist. Unser starkes lineares Geschäftsmodell wird noch über viele Jahre tragen. VoD wird nie unsere Haupt-Einnahmequelle werden.

Es wird viel geredet über den Shift der jungen Zielgruppe hin zu mobilem Medien-Konsum. Wenn man manche Artikel liest, könnte man den Eindruck gewinnen, die Jugend guckt nur noch TV-Serien auf Smartphones. Wie ist Ihr Eindruck?

Wir sehen, dass die Nutzung des linearen Fernsehen nicht abnimmt, sondern stabil bleibt. Klar ist aber auch, dass die nicht-lineare Mediennutzung zugenommen hat. Wir sehen das aber gelassen. Nur weil in der Branche viele mit iPhones und iPads rumlaufen, hat das noch lange nicht jeder. Bei jugendlichen Zielgruppen ist die pro-aktive Nutzung einzelner Sendungen zudem noch nicht so stark ausgeprägt wie bei Älteren. Kinder machen eher den Fernseher an und gucken eben Super RTL oder Toggolino – egal was läuft. Das ist für uns ein großer struktureller Vorteil.

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Alle Kommentare

  1. Eins was ich nicht verstehe das jeden Samstag Mittag 12Uhr immer nur Barbie, Barbie läuft, und das schon über einen längeren Zeitraum. Da ja diese Filme ja auch am Sonntag Nachmittag wiederholt werden. Meine Frage ist: Gibt es denn keine anderen Filme für Samstag um 12Uhr? Und was ich noch nicht verstehe, gibt es denn überwiegend Filme aus den Usa? Warum denn nicht mal aus anderen Ländern. Dei werden doch auch kinder filme, , Zeichentrickfilm und vieles andere haben. Muss denn immer das Eine sein? Sind wir denn verpflichtet dazu? Dankeschön

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