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„Fernsehen ist in den 70ern stecken geblieben“: Die neuen TV-Andeutungen des Apple-Chefs

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Die PR-Offensive geht weiter: Kaum sind iPhone 6 und Apple Watch enthüllt, rührt Apple-Chef Tim Cook medial die Werbetrommel für den Kultkonzern aus Cupertino – und schärft das Image. Offen und detailliert wie nie gewährte Cook Talkshow-Legende Charlie Rose einen tiefen Einblick in die Apple-Welt, aber auch in seine eigene.

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Nach dem kurzen ABC-Interview vor und nach der Keynote nun das vertiefende Hintergrundgespräch mit einem Late Night-Talker von Weltformat: Gegenüber Charlie Rose präsentierte sich Apple-CEO Tim Cook offen wie nie. Im erstem Teil des zweistündigen Interviews, das am Wochenende ausgestrahlt wurde, äußerte sich Cook erneut umfangreich zur Hinterlassenschaft von Steve Jobs.

„Er war ein großer Lehrer“, erklärte Cook gegenüber dem 72-jährigen Talk-Veteranen. „Er hat Leute wirklich unterstützt und Wissen weitergegeben, er war einer der größten Mentoren der Welt. Das ist eine Seite an ihm, die in der Berichterstattung komplett untergeht“, findet der heutige Apple-CEO, der 1998 von Jobs persönlich von Compaq abgeworben wurde.

„Eine meiner Qualitäten besteht darin, den Lärm auszublenden“

Auch den Dauerkritikpunkt, er wäre so anders als sein früherer Mentor, pariert Cook. „Das wusste er ja, als er mich fragte, ob ich CEO werden wolle“, erklärte der 53-Jährige und macht deutlich, dass ihn die mitunter sehr harte Kritik im Vorjahr, als die Gewinne einbrachen und sich die Apple-Aktie fast halbierte, kalt ließ.

„Eine meiner Qualitäten besteht darin, den Lärm auszublenden“, erklärt Cook. „Ich hatte nie Zweifel.“ Der passionierte Marathonläufer macht deutlich, sich immer selbst treu geblieben zu sein und er nie versucht habe, den Stil von Jobs zu kopieren. „Ich bin ein schlechter Schauspieler, ich wäre furchtbar in Hollywood.“ Steve Jobs‘ Arbeitsplatz ist unterdessen bis heute unangetastet: „Sein Namensschild steht weiter an der Tür“.

Tim Cook wirkt bei Charlie Rose wie ausgewechselt

Man merkt Cook an, dass ihm das TV-Format liegt, in dem er sich auf Augenhöhe erklären kann, ohne dass er vor einem Millionenpublikum mit den Schatten der glorreichen Apple-Vergangenheit kämpfen muss.

Cook wirkt im Dialog mit Rose ein Jahr nach dem Börsendebakel wie ausgewechselt: Im dritten Jahr seiner Amtszeit hat er den ultimativen Härtetest bestanden, die Aktie auf neue Hochs geführt mit der Apple Watch endlich das neue Produkt vorgestellt, das seine Ära definieren soll. Er ist kein Getriebener mehr, er hält den Handlungsstrang – the narrative, wie es im PR-Sprech so schön heißt – wieder in der den Hand.

Nur Google echte Konkurrenz, Amazon nicht
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Tim Cook strotzt vor Selbstvertrauen, ohne despektierlich gegenüber der Konkurrenz zu sein. „Wir hätten ein großes Smartphone vor Jahren machen können“, erklärt Cook mit Blick auf die Phablets von Samsung, LG & Co. „Aber es ging nie darum, nur ein größeres Smartphone anzubieten, sondern ein besseres iPhone in jeder Hinsicht herzustellen“, verklärt Cook den iPhone 6- und iPhone 6 Plus-Launch – interne Dokumente, die im Rahmen des Samsung-Prozesses publik wurden („wir haben nicht, was unsere Kunden wollen – große Telefone“), erzählen freilich eine andere Geschichte.

Cook nennt Samsung zwar den „besten Hardware-Hersteller im Android-Lager“, hält für den größten Konkurrenten jedoch Google. Für Amazon hat Cook indes nur Spott über. „Sie verkaufen jetzt ja auch ein Smartphone, allerdings sieht man es kaum irgendwo“, zieht der Apple-CEO über das Fire Phone und den E-Commerce-Riesen im Allgemeinen her. „Sie sind keine Produkt-Company“, spricht Cook Amazon Innovationsgeist ab. Das wäre bei Facebook und Twitter ganz anders. „Wir mögen sie und arbeiten mit ihnen zusammen“, erklärt Cook. Ein eigenes Social Network-Angebot plane Apple indes weiterhin nicht.

„Fernsehen ist in den 70ern stecken geblieben“

Dafür klingt es stark danach, als spiele ein Fernsehgerät weiter eine wichtige Rolle in den Planungen des wertvollsten Unternehmens der Welt. „Das Fernsehen ist in den 70er Jahren stecken geblieben. Denken Sie mal an all die Dinge, die sich seitdem geändert haben, Fernsehen dagegen fühlt sich an, als würde man eine Zeitreise zurück antreten, die Benutzerführung ist grausam“, übt sich Cook im Trashtalk, den Steve Jobs auch so gerne praktizierte.

Ergo: „Fernsehen ist einer der Bereiche, an dem wir weiter großes Interesse haben“,  heizt Cook die Spekulationen um ein eigenes Fernsehgerät an, ohne sich jedoch in die Karten schauen zu lassen. Apple arbeite vielmehr an vielen Dingen, von denen noch niemand gehört habe, stellt der Apple-Chef süffisant fest.

Apple Watch-Träger werden „stolz sein“ 

Dass Apple mit seiner Akquisition Beats auch entsprechend viel vorhabe, bekräftige Cook noch einmal. „Das Team um Jimmy Iovine und Dr. Dre ist enorm talentiert, das Kerngeschäft wächst kräftig und der Streaming-Dienst Beats Music ist so gut, dass ich die ganze Nacht nicht schlafen konnte, als ich ihn getestet habe“, erläutert der Apple-CEO noch einmal die Gründe für die Übernahme, die im kommenden Geschäftsjahr ihre Spuren in der Bilanz des iKonzerns hinterlassen soll – ebenso wie die Apple Watch, die Cook naheliegenderweise noch einmal besonders hervorhob.

„Es ist das persönlichste Gerät, das wir je herausgebracht haben“, trommelt Cook.  Das Apple-Wearable werde „das Leben bereichern“, weil es nicht nur ein Stück Technologie, sondern „ein Stilment“ sei. Die Apple Watch sei ein persönliches Statement wie der Kleidungsstil – man werde stolz darauf sein, eine zu tragen, heizt Cook die Erwartungen an. Und damit nicht genug: Die Tim Cook-Show geht morgen bei Charlie Rose mit einem zweiten Interview-Teil weiter…

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