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„Populär wie Jauch plus Pilawa plus Kerner im Quadrat“: So gedenkt die Presse Joachim Fuchsberger

Die deutschen Medien gedenken dem TV-Star Joachim Fuchsberger alias „Blacky“. Er  verstarb am 11. September 2014.
Die deutschen Medien gedenken dem TV-Star Joachim Fuchsberger alias "Blacky". Er verstarb am 11. September 2014.

"Latent unverschämt", ein "kultivierter Rebell", so "populär wie Jauch plus Pilawa plus Kerner im Quadrat" und mit einer Persönlichkeit so stark, "dass ihr Tod einfach unvorstellbar erscheint" - so gedenken die deutschen Medien dem verstorbenen Joachim Fuchsberger. MEEDIA sammelt die Nachrufe zum Tod des TV-Lieblings.

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Edo Reents – F.A.Z. (S. 11):
Der dezente, zum Teil aber auch klamaukige Tanz aus der Reihe, der schon damals zum Anforderungsprofil gehörte, lag ihm. Wie Kulenkampff und Carrell hielt er lässig die Balance zwischen den latent unverschämten, aber selten verletzenden Frotzeleien, denen seine Gäste ausgesetzt waren, und einer noch heute angenehm berührenden Höflichkeit. Zwischen der Prominenz, die in unglaublicher Zahl und Güteklasse bei ihm vorbeischaute, und sogenannten normalen Leuten machte er dabei keinen erkennbaren Unterschied. (…) Man meint heute, es komme auf das Format, auf das Konzept einer Sendung an. Fuchsberger wusste vermutlich, dass dafür Persönlichkeit mindestens genauso wichtig ist, und kam dieser Anforderung mit leichtfüßiger Selbstreflexivität nach. Sich selbst zum Thema der Unterhaltung zu machen, dazu war er sich nicht zu schade. Das wirkte auf allzu zugeknöpfte Zuschauer eitel – was es natürlich auch war –; im Grunde aber bewies er damit Nehmerqualitäten, die in seltsamem Kontrast zu seinem jahrzehntelang blendenden Aussehen standen.

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Christian Mayer, Süddeutsche.de:

Der Quotengarant Fuchsberger war damals ungefähr so allgegenwärtig und populär wie Jauch plus Pilawa plus Kerner im Quadrat. Ja, es waren auch andere Zeiten. Das Publikum war ausdauernder, die Medien waren gnädiger, die Mächtigen im Sender hatten nichts zu befürchten. (…)Mit 87 Jahren ist er nun gestorben, in seinem Haus in Grünwald. Viele werden ihn vermissen, seinen Charme, seine Fabulierlust, seine Selbstironie. Wie hat er doch mal gesagt? „Ich stehe auf und hole mir die Zeitung, schlage zuerst die Todesanzeigen auf, lese sie aufmerksam durch – wenn ich nicht drinstehe, ziehe ich mich an!“

Thilo Wydra, Zeit.de:
Joachim Fuchsberger war ein Mensch, der mit einer sehr festen eigenen Haltung durchs Leben ging. Seitdem er im Alter von nur 15 Jahren in den Krieg geschickt wurde, als Soldat in der Luftwaffe, und mit 18 Veteran und Überlebender des Zweiten Weltkrieges war, hatte er sich geschworen, „unabhängig zu sein, und nie wieder fremdbestimmt“. (…)Fuchsberger spielte stets den Guten, meist den für Scotland Yard Ermittelnden, der dann Richard Gordon oder Dick Alford oder Inspector Higgins hieß. Fuchsberger war hier stets der positiv konnotierte Held. Ein Frauenschwarm auch.

 Knut Teske, Welt.de:
Aus dem gut aussehenden smarten jungen Burschen war im Laufe der Jahrzehnte ein gut aussehender smarter älterer Herr geworden. Lange gelang es ihm, diese anziehende Mischung von jugendlicher Unbekümmertheit und echter Nachdenklichkeit auszustrahlen. (…) Zur endlichen, unausweichlichen Realität bekannte er sich mit dem Satz: „Je älter ich werde, desto intoleranter werde ich“, darin einig mit seinem berühmtesten Freund, Harry Belafonte. Ein Satz, der für „Blacky“ Fuchsberger von nun an jegliche Bedeutung verloren hat.

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Mirko Weber, Stuttgarter Zeitung:
Er war ein Optimist und Beförderer mit leise skeptischen Zügen, der im Zweifelsfall immer zuerst sich befragte und kritisierte, nicht die anderen. Einen solch verständnisvollen Pädagogen hätte man gerne haben wollen. Fuchsberger war womöglich nie mehr bei sich als in diesem Film. (…) Joachim Fuchsberger – bis zum Schluss gern gesehener Besuch im Fernsehstudio – erhielt sich vielmehr eine grundlegende Höflichkeit und Aufmerksamkeit im Umgang mit Menschen, die auf nicht nachlassender Neugier fußte. Seine Antworten wurden weniger, die Fragen nahmen zu. So rundete sich sein Leben.

Thomas Frankenfeld, Hamburger Abendblatt:
Es gibt Menschen, deren Persönlichkeit so stark ist, dass ihr Tod einfach unvorstellbar erscheint. Und obwohl ich ihn nur wenige Male getroffen habe, war Joachim „Blacky“ Fuchsberger ein Bestandteil meines Lebens. (…) „Blacky“ war ein sensibler, lebenskluger Mann; wohl nicht immer einfach im Umgang, denn er hatte viel zu viel erlebt und auch begriffen, um sich von Wichtigtuern die Lebenszeit stehlen zu lassen. Er war ein kultivierter Rebell, zuletzt manchmal ein zorniger alter Mann; aber dies meist mit Recht.

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