Chaostage bei Carta: Verein und Redaktion zoffen sich öffentlich

Herausgeber Wolfgang Michal, Carta-Website
Herausgeber Wolfgang Michal, Carta-Website

Publishing Das Online-Magazin und Autoren-Blog Carta wurde schon mit dem Grimme Online Award und einem Lead Award ausgezeichnet. Namhafte Autoren haben dort veröffentlicht. Nun gibt es massig Ärger. Teile der Redaktion sehen die Unabhängigkeit von Carta in Gefahr, ein neuer Herausgeber wurde berufen, man zofft sich auf Twitter.

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Was soll man davon halten, wenn über den Twitter-Account eines Online-Magazins innerhalb von wenigen Minuten folgende zwei Tweets abgesetzt werden:

Vermutung 1: Da gibt es gewaltigen Ärger.

Vermutung 2: Beide Tweets wurden von unterschiedlichen Personen abgeschickt.

Ein Anruf bei Carta-Herausgeber Wolfgang Michal klärt auf, dass er der Urheber des ersten Tweets war. Hinter den Carta-Kulissen gibt es offenbar schon sei Anfang Mai gepflegten Unmut. Dazu muss man wissen, dass das Autoren-Blog Carta ein durchaus kompliziertes Gebilde ist. Gegründet wurde Carta 2008 von Robin Meyer-Lucht, der im September 2011 überraschend verstarb.

Bereits im Juni 2011 hatte Meyer-Lucht Carta eine Zwangspause verordnet, weil eine finanzielle Perspektive für das Projekt fehlte. 2012 wurde Carta nach Meyer-Luchts Tod von dessen Ehefrau Tatjana Brode und Wolfgang Michal weitergeführt. Carta wird seit März 2012 von der Unternehmergesellschaft Carta UG herausgegeben, an der Brode und Michal Anteile halten. Tatjana Brode ist die Mehrheits-Gesellschafterin.

Außerdem gibt es den Förderverein Carta e.V., der sich u.a. um Fördermittel kümmern soll. So wird Carta über den Verein zum Beispiel von der Rudolf Augstein Stiftung gefördert. Die Redaktion wurde bis vor kurzem von Vera Bunse gemacht. Brode, Michal und Leonard Novy fungierten als Herausgeber. Laut Auskunft von Wolfgang Michal seien auf einer Sitzung Anfang Mai neue Verträge vorgelegt worden, die vorgesehen hätten, dass redaktionelle Beiträge mit dem Verein abzustimmen seien.

Bunse und Michal, der auch für die Redaktion tätig war, hätten dies als Eingriff in die Unabhängigkeit der Redaktion abgelehnt. Ende August lief der alte Vertrag Vera Bunses dann aus. Laut Tatjana Brode habe diese den Vertrag aber auf eigenen Wunsch auslaufen lassen, die Redakteursstelle soll neu besetzt werden, so Brode.

Heute nun, so Michal gegenüber MEEDIA, sei von Seiten des Vereins ohne Rücksprache mit ihm Christian Stahl als neuer Herausgeber eingesetzt worden. Michal empfindet die Vorgänge, wie er sagt, als “Putschversuch” des Vereins. Stimmt nicht, widerspricht Tatjana Brode gegenüber MEEDIA, die Berufung Stahls sei sehr wohl mit Michal besprochen worden. Er sei nur eben überstimmt worden. Hinter all dem liegen wohl Meinungsverschiedenheiten, wer das Sagen bei Carta hat: die Carta UG oder der Carta Verein.

Wolfgang Michal setzte daraufhin den ersten Tweet ab. Der zweite Tweet kam dann von Tatjana Brode. Der interne Zank führte dazu, dass seit Ende August keine neuen Inhalte bei Carta mehr veröffentlicht wurden. Heute nun steht wieder ein neuer Text online. Wie es genau bei Carta weitergeht, scheint nicht ganz so sicher zu sein. Sicher ist wohl bloß eines: Es bleibt kompliziert.

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