Opferschutz verletzt: Presserat missbilligt u.a. Spiegel-Berichterstattung zu MH17

Opferschutz verletzt: Der Presserat sanktioniert Spiegel, Stern, Bunte und Bild wegen ihrer Berichterstattung zum Flugzeugabsturz der MH 17
Opferschutz verletzt: Der Presserat sanktioniert Spiegel, Stern, Bunte und Bild wegen ihrer Berichterstattung zum Flugzeugabsturz der MH 17

Publishing Der Deutsche Presserat tadelt Spiegel, Bild, Bunte und Stern wegen ihrer Berichterstattung über den Absturz des Fluges MH 17. Mit der Veröffentlichung von Bildern der Flugopfer hätten die Medien deren Opferschutz verletzt.

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Gleich mehrere Medien hatten im Fall der abgestürzten Malaysia Airline Maschine am 17. Juli diesen Jahres Bilder von Opfern veröffentlicht, obwohl sie dazu keine Erlaubnis von Angehörigen eingeholt hatten. Das Material war dabei oftmals aus dem Internet gezogen worden. Im Feuer der Kritik stand unter anderem das Cover des Nachrichtenmagazins Der Spiegel vom 27. Juli. Unter dem Titel „Stoppt Putin jetzt“ hatte das Blatt mit zahlreichen Opferbildern des MH17-Absturzes aufgemacht. 18 der insgesamt 30 Leserbeschwerden, mit denen sich der Deutsche Presserat am Dienstag in einer Sitzung beschäftigt hatte, richteten sich an den Spiegel. Das Gremium sprach dem Magazin nun eine Missbilligung aus. Aus Sicht des Ausschusses wurden die Opferfotos auf der Titelseite für eine politische Aussage instrumentalisiert und damit der Opferschutz verletzt.

Eine Missbilligung musste auch Bild Online für den Beitrag „Ruhet in Frieden!“ vom 23. Juli 2014 einstecken. Das Online-Portal des Boulevardblattes hatte ebenfalls Bilder der Verstorbenen, angereichert mit „zahlreichen Details aus ihrem Privatleben“, veröffentlicht. Ein öffentliches Interesse am Abdruck dieser Bilder hat aber laut Presserat nicht bestanden.

Etwas milder fielen die Sanktionen gegen Stern und Bunte Online aus. In jeweils einem Beitrag wurden zwar Bilder der Opfer publiziert, dabei aber weitaus weniger detailreich dargestellt. Der Presserat sprach den beiden Medien einen Hinweis aus, in Zukunft stärker auf den Schutz von Opfern zu achten. Hinweis und Missbilligung sind jeweils nicht-öffentliche Formen der Sanktionierung durch den Presserat. Im Gegensatz zu der öffentlichen Rüge müssen die betroffenen Medien die Ermahnung in diesen Fällen nicht abdrucken.

Gleichzeitig stellte das Gremium klar, dass identifizierende Abbildungen von Opfern in der Regel nicht mit dem Opferschutz nach Ziffer 8, Richtlinie 8.2 vereinbar sind. „Die Argumentation einiger Medien, den Opfern ein Gesicht zu geben, ist nachvollziehbar, dennoch: Nur weil jemand zufällig Opfer eines schrecklichen Ereignisses wird, darf er nicht automatisch mit Foto in der Presse gezeigt werden“, sagte Ursula Ernst, Vorsitzende des Ausschusses.

Andere Beschwerden hatten die Abbildung von Leichenteilen im Trümmerfeld zum Gegenstand. Diese wiederum befand der Presserat für angemessen. „Die Fotos dokumentieren eindringlich die schreckliche Dimension und die Folgen des Ereignisses. Sie sind noch akzeptabel, da kein Opfer erkennbar ist und die abgebildeten Situationen nicht unangemessen in der Darstellung hervorgehoben werden.“

In der Richtlinie 8.2 zum Opferschutz des deutschen Pressekodex heißt es:

Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines Unfallgeschehens, Unglücks- bzw. Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Name und Foto eines Opfers können veröffentlicht werden, wenn das Opfer bzw. Angehörige oder sonstige befugte Personen  zugestimmt haben, oder wenn es sich bei dem Opfer um eine Person des öffentlichen Lebens handelt.

 

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