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Langzeit-Analyse: Wie geht es eigentlich den TV-Polit-Magazinen?

Vier der politischen Prime-Time-TV-Magazine: Monitor, Report Mainz, Spiegel TV und Frontal 21
Vier der politischen Prime-Time-TV-Magazine: Monitor, Report Mainz, Spiegel TV und Frontal 21

Nicht nur die gedruckten Magazine, die sich mit Politik, mit Gesellschaftshemen beschäftigen - Spiegel, stern, Focus - haben Probleme. Auch die TV-Magazine leiden seit Jahren unter schwindendem Zuspruch. So hat "Frontal 21" seit 2007 mehr als 1 Mio. Zuschauer verloren. Lichtblicke gibt es nur am Dienstagabend des Ersten.

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Acht Prime-Time-Magazine, die sich mit gesellschaftlichen, politischen Themen beschäftigen, gibt es bei den großen Sendern noch: Die beiden „Reports“ aus Mainz, „Fakt“, „Panorama“, „Monitor“ und „Kontraste“ im Ersten, „Frontal 21“ im ZDF und „Spiegel TV“ bei RTL. 26,2 Mio. Zuschauer hatten die acht Sendungen im Durchschnitt im Jahr 2004. Zehn Jahre später sind es noch 22,2 Mio. – vier Mio. weniger also – ein Minus von 15%. Und auch wenn der Herbst die Jahres-Durchschnittszahlen des laufenden Jahres noch etwas nach oben hieven wird, dürften sie erneut unter denen des Vorjahres liegen.

Zwischendurch sah es sogar noch schlechter aus: 21,2 Mio. waren es im Jahr 2010. Auf den ersten Blick geht es also nach deutlichen Verlusten seit dem Jahr 2010 wieder aufwärts mit den Magazinen. Doch das betrifft beim genaueren Hinsehen nur drei der acht Sendungen: die beiden „Reports“ und „Fakt“. Der Grund ist dabei recht profan: Das Trio wechselte im Herbst 2011 ganz einfach vom Montagabend auf den Dienstagabend. Seitdem laufen die drei ARD-Magazine direkt nach der Hit-Serie „In aller Freundschaft“ und bekommen zahlreiche Serien-Zuschauer ab. Der Report Mainz steigerte sich so von 2010 bis 2013 um über 1 Mio. Zuschauer von 2,53 Mio. auf 3,61 Mio., „Fakt“ gewann von 2,40 Mio. auf 3,44 Mio. ebenfalls mehr als 1 Mio. Interessenten hinzu und der „Report München“ von 2,60 Mio. auf 3,48 Mio. immerhin 880.000. Ein grandioses Beispiel dafür, dass man viele Menschen für journalistische Themen interessieren kann, wenn man sie auf populären Sendeplätzen erreicht.

Anders sieht es für die drei weiteren ARD-Magazine aus: „Panorama“, „Monitor“ und „Kontraste“ büßen auf ihrem Donnerstags-Sendeplatz seit Jahren Zuschauer ein. Seit 2004 ging vor allem „Monitor“ ein großer Teil des Publikums verloren: Aus 3,50 Mio. Sehern wurden in den ersten acht Monaten 2004 2,68 Mio. Auch „Panorama“ (-580.000) und „Kontraste“ (-260.000) liegen klar unter den Zahlen aus 2004. Bei „Kontraste“ allerdings weist die Tendenz insbesondere seit 2011 wieder nach oben: Aus 2,63 Mio. wurden 2,85 Mio. Zuschauer. „Panorama“ droht im Jahr 2014 hingegen auf einen neuen historischen Tiefstwert zu fallen.

Der ganz große Verlierer unter den acht Magazinen ist aber eindeutig „Frontal 21“. Das ZDF-Magazin war noch bis ins Jahr 2007 die unangefochtene Nummer 1 des Segments. 3,56 Mio. Leute sahen damals dienstags um 21 Uhr zu – inzwischen sind es 1 Mio. weniger. Da hilft auch der Vorlauf mit 45-Minuten-Dokus nicht. Im Gegenteil: Der Mix aus Berichten aus den Königshäusern, Kriegs-Dokus und „Baumarkt-Tests“ scheint dem folgenden „Frontal 21“ überhaupt nicht zu helfen, die Zuschauerzahlen sinken seit 2004 fast in jedem einzelnen Jahr.

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Auch das letzte gesellschaftliche Magazin der großen Privatsender, „Spiegel TV“ verliert an Zuspruch: Insbesondere zwischen 2011 und 2014 ging es von 2,07 Mio. auf 1,62 Mio. Zuschauer herab – trotz der Sendungen im direkten Anschluss an „Ich bin ein Star“ im Januar, die dem Magazin weit über 3 Mio. Zuschauer gebracht haben. „Spiegel TV“ ist dabei natürlich auch in großem Maße abhängig von den Sonntags-Spielfilmen, die direkt vor dem Magazin laufen. Und die schwächeln – letztlich wie der gesamte Sender RTL – ebenfalls seit 2011.

Was lernen wir also aus den Zahlen? Das Stammpublikum der gesellschaftlichen bzw. politischen TV-Magazine schrumpft seit Jahren. Nur in populären Programmumfeldern können noch zusätzliche Zuschauer erreicht werden. Letztlich sollte genau das die Aufgabe von ARD und ZDF sein: Journalistische Inhalte so zu platzieren, dass sie das größtmögliche Publikum erreichen. Die Verschiebung der drei Montags-Magazine auf den Dienstag im Herbst 2011 war da recht vorbildlich.

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