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Blattmacher mit Haltung: der Twen- und Capital-Erfinder Adolf Theobald ist tot

Adolf Theobald, einer der großen deutschen Zeitschriftenerfinder und Verlagskenner, ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Theobald gründete nicht nur legendäre Blätter wie Twen und Capital. Der Diplom-Kaufmann war auch Vorstand bei Gruner + Jahr und Ringier sowie Geschäftsführer des Spiegel-Verlags. MEEDIA hat prägnante Theobald-Zitate gesammelt.

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Twen hatte Theobald bereits 1957 gegründet, was einige Jugendverbände wegen für damalige Verhältnisse großer Freizügigkeit auf die Palme brauchte. 1962 kam das Wirtschaftsmagazin Capital, das Theobald an G+J verkaufte. Für G+J wie später für Ringier wechselte Theobald auf die Verlagsseite, gründete dann aber auch wieder, u.a. das Magazin Natur. 1985 ging er als Geo-Chefredakteur zurück nach Hamburg.

Allein diese kleine Aufzählung zeigt, wie vielfältig Theobald war – und dass er eine gute Nase für Themen und den Zeitgeist hatte. Er kämpfte für einen verständlichen Journalismus, hatte aber 1993 trotzdem einige Kritik am neu gegründeten Focus anzubringen.

Geo-natur-twen-Capital

Einige von Adolf Theobald gegründete und als Chefredakteur geleitete Zeitschriften

Die von uns zusammengestellten acht Zitate zeigen, dass Theobald in den vergangenen Jahren die Sorge um die Verlagsbranche umtrieb. Die Zusammenlegung der Redaktionen der G+J-Wirtschaftspublikationen lehnte er ab („Synergien haben noch nie funktioniert“). Das reine Renditestreben der Manager kritisierte er mit harschen Worten.

In der Sache war Theobald hart – im persönlichen Gespräch aber kein Polterer, sondern ein Mann, der mit seinem Sachverstand argumentierte, dem man zuhörte. Theobald hatte auch im hohen Alter schon vor vielen Jahren verstanden, dass das Internet nicht einfach nur ein neuer Vertriebskanal für Print-Inhalte ist. Verlagsmanager stehen heute vor anderen Aufgaben als Theobald damals. Dennoch: Branchenkenner mit einer solchen Bandbreite und mit einem ähnlichen kreativen Geist sind heute Mangelware.

8 Zitate von Adolf Theobald:

Ausbezahlt wird alles, was verdient wird. Wie bei einer Musikkapelle, die abends das Geld verteilt, das sie tagsüber eingenommen hat.“ (Theobald über die Mitarbeiter KG des Spiegel)

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„Ein harter Hund wäre für das harte Magazin-Business besser.“ (Theobald über die Spiegel-Chefredaktion im Jahr 2007 gegenüber turi2)

„Man mag mich als idealistischen Journalisten belächeln. Doch ich bin davon überzeugt, dass die Presse mehr transportiert als nur Informationen. Gute Zeitschriften und Zeitungen haben Haltung, transportieren eine Botschaft. Bei ‚Capital‘ stand sie sogar im Impressum: Das Wirtschaftliche menschlich und das Menschliche wirtschaftlich sehen.“ (Theobald über die Wirtschaftspresse von Gruner+Jahr im MediumMagazin)

„Synergien zwischen Redaktionen haben noch nie funktioniert. Und das ist auch gut so.“ (Theobald im Jahr 2008 gegenüber MEEDIA)

„Sie nahmen uns übel, daß wir ein Heft auf die Beine brachten, das gelesen wurde.“ (Theobald im Jahr 1961 über Kritiker an dem angeblich jugendgefährdenden Magazin Twen)

„Die Verlagsbranche hat sich im Kern verändert. Es ist noch nicht so lange her (1950), da prägte der österreichische Rechtsphilosoph René Marcic den Begriff von der Presse als „Vierter Gewalt“ im Staat. Ihre Aufgabe: die Öffentlichkeit zu informieren, demokratisch zu formen und die Staatsgewalt zu kontrollieren. Was ist davon geblieben? Wenig. Kommerz, Cashflow, Jahresergebnis – alles ehrenswerte Ziele. Nur: Das Verlagswesen hatte mal ein höheres Ziel als die Rendite.“ (Theobald in einem Beitrag für das manager-magazin, 2007)

„Der Inhalt des Heftes zerfällt in Puzzleteile, die nicht ineinandergreifen. Die Welt wird beschrieben anhand von Fußnoten. So geht der Überblick nicht verloren, er ist erst gar nicht da. Einordnung, Bewertung, Kritik – nahezu unmöglich.“ (Theobald 1993 in der Zeit über den Focus)

„Interessieren muss es halt.“ (zitiert in einem Nachruf bei Spiegel Online)

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