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Phänomen Richter Gnadenlos peinlich: eigenes TV-Format für Ronald Schill?

Vom Stalker zum Talker? Ronald Schill produzierte zusammen mit Hubert Kah einen Promi-Talk-Piloten für Sat.1
Vom Stalker zum Talker? Ronald Schill produzierte zusammen mit Hubert Kah einen Promi-Talk-Piloten für Sat.1

Bei "Promi Big Brother" wurde er Dritter, jetzt soll er nach Angaben von Bild ein eigenes TV-Format bekommen: Ronald Barnabas Schill, einst als Richter Gnadenlos gestartet und dann abgestürzt. Woher kommt die Faszination der TV-Macher für Schill? Der Grund ist ganz simpel: weil er gnadenlos peinlich ist.

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Zur Jahrtausendwende erlangte der Hamburger Richter Ronald Barnabas Schill Bekanntheit weit über die Hamburger Justiz hinaus: In den Medien forderte der Mann, der nach späterem Eingeständnis selbst medikamentensüchtig war, immer wieder härtere Strafen für Drogendealer oder jugendliche Straftäter, was ihm in der Boulevardpresse den Spitznamen „Richter Gnadenlos“ einbrachte. Mit seiner populistischen Partei „PRO“ (= Partei Rechtsstaatlicher Offensive) holte der Jurist bei der Bürgerschaftswahl 2001 fast 20 Prozent der Stimmen und schaffte es bis zum Zweiten Bürgermeister und Innensenator Hamburgs. Während seiner Amtszeit sorgte er für eine Reihe von Skandalen, 2003 wurde als Folge eines offenen Streits mit Oberbürgermeister Ole van Beust ein Verfahren wegen Nötigung gegen ihn eingeleitet. Zwar wurde Schill nicht verurteilt, die Koalition der CDU mit der Schill-Partei platzte aber und der Gründer war sein Amt los.

Danach wurde es ruhig um den nach Brasilien ausgewanderten oder besser: in Rio abgetauchten Richter Gnadenlos – abgesehen von einem merkwürdigen Kurzinterview mit dem NDR und einem verstörenden Video, das den gescheiterten Politiker beim Koksen zeigte und rasch zum YouTube-Hit wurde. 2014 ist Schill wieder da, mit seiner Autobiografie „Der Provokateur“ und als Kandidat des Sat.1-Formats „Promi Big Brother“. Hier nahm er neben Hubert Kah schnell die Rolle des zugleich peinlichsten und auf seltsame Weise faszinierendsten Bewohners an: Die weiblichen Teilnehmerinnen wurden gnadenlos angegraben, die Mitbewohner mit Erotik-Weisheiten belehrt und den Zuschauern unangenehme Einblicke in Schills Privatleben gewährt („Bei 1000 Frauen habe ich aufgehört zu zählen“). Ach ja, blank zog er auch noch – wobei er damit in der diesjährigen Staffel noch nicht einmal besonders auffiel, denn Nacktsein schien im Container zum guten Ton zu gehören. Seine Freizügigkeit und Stelzbock-Ambitionen wurden schon nach wenigen Tagen von der Boulevardpresse mit dem neuen Titel „Richter Schamlos“ belohnt und sicherlich für Sat.1 auch zum Quoten-Garanten.

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Für einen Sieg bei „Promi Big Brother“ reichte es nicht („Wer wird Millionär“-Liebling Aaron Troschke verließ den Container als Sieger), aber immerhin holte er sich die Bronze-Medaille. Und jetzt soll er sogar ein eigenes TV-Format bei Sat.1 bekommen. Ronald Schill verriet gegenüber der Bild, er stünde in Verhandlungen mit Endemol über ein TV-Format. „Es ist noch nicht ganz spruchreif. Die Idee hat sich während meiner Teilnahme an dem Format entwickelt“, sagte Schill gegenüber der Boulevardzeitung. Weder der Privatsender noch Endemol haben die Nachricht bislang offiziell bestätigt. Unklar ist zudem, welches Konzept das Format haben könnte. Eine Gerichtsshow dürfte jedenfalls kaum infrage kommen, eher wohl etwas aus dem Fremdschäm-Fach.

Darin könnte auch das Motiv und Quoten-Kalkül der Fernsehmacher liegen: Viele Zuschauer wollen sehen, wie sich Prominente blamieren, am liebsten gefallene Stars und Sternchen. „Was ist eigentlich aus Promi XY geworden?“ – Geschichten dieser Art kommen immer gut an – vor allem, wenn sich die Protagonisten so bereitwillig entblößen und freiwillig „schmutzige“ Details von sich preisgeben wie Ronald Schill, der jede Schamgrenze schamlos ignoriert. Die gerade abgelaufene Sat.1-Staffel von „Promi Big Brother“ hat gezeigt, dass diese Haltung kurzfristig Zuschauer bindet. Dass aber eine Schill-Dauersendung von einem Sender ernsthaft realisiert werden wird, ist eher unwahrscheinlich. Oder zumindest hofft man, dass kein TV-Verantwortlicher so verzweifelt ist, Schill diesen Gefallen zu tun. Gegenüber MEEDIA erklärte ProSiebenSat.1: „Wir sind mit einigen Ex-Bewohnern von „Promi Big Brother“ im Gespräch. Noch ist aber nichts spruchreif.“

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