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Selbstdarsteller? Trittbrettfahrer? Die Gegenbewegung zur Ice Bucket Challenge

Immer mehr Menschen verweigern sich der Ice Bucket Challenge. Zurecht?
Immer mehr Menschen verweigern sich der Ice Bucket Challenge. Zurecht?

Die Ice Bucket Challenge, bei der sich prominente und weniger prominente Zeitgenossen einen Kübel mit Eiswasser über den Kopf schütten, um Aufmerksamkeit für die Nervenkrankheit ALS zu generieren und zum Spenden zu animieren, ist ein weltweites Web-Phänomen geworden. Und wie jede Bewegung, erzeugt auch dies eine Gegenbewegung. Es häufen sich Videos und öffentliche Erklärungen, warum die Ice Bucket Challenge vielleicht doch keine so gute Idee sein soll.

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Mark Zuckerberg hat es getan, Bill Gates, George W. Bush und Steven Spielberg auch. Sie haben sich einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf geschüttet, um Aufmerksamkeit für die schreckliche Nervenkrankheit ALS zu generieren. Zahlreiche Prominente und Nicht-Prominente sind ihrem Beispiel gefolgt. Ursprünglich war die Idee, dass man entweder die „Challenge“ mit dem Eiswasser akzeptiert und weitere Leute für die Challenge nominiert oder zu Gunsten der Bekämpfung von ALS spendet.

Die meisten Teilnehmer machen allerdings beides: Sie nehmen die Eiswasser-Dusche und spenden. Auch unter Medienmenschen ist die Ice Bucket Challenge zu einem beliebten Spielchen geworden. Und weil jeder immer neue Teilnehmer nominiert, gerne auch Intimfeinde, kann das auch noch eine Weile weitergehen. Neben reichlich Aufmerksamkeit und Spenden in Millionenhöhe, ruft die Ice Bucket Challenge mittlerweile aber auch immer mehr Kritiker auf den Plan.

Hier ein Beispiel, das besonders oft geteilt und bei Facebook kontrovers diskutiert wurde:

Die Ice Bucket Verweigerer sind zunehmend auch prominent. „Tagesthemen“-Moderatorin Minda Zervakis verzichtete auch auf die Eisdusche (wegen ihrer Schwangerschaft) und bekundete, lieber leise spenden zu wollen.

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Vizekanzler und SPD-Politiker Sigmar Gabriel nahm die Challenge von Anne Will vollmundig zunächst an, um dann per Video dann zurückzurudern. Die Krankheit sei viel zu ernst und „die Zeiten auch nicht gerade fröhlich“ erläutert er mit Weltuntergangsmiene, als dass man sich einfach damit begnügen könne, sich einen Eimer Wasser „übern Kopf zu kippen“. Privat, ohne Kameras, würde er das zwar machen. Aber nur, wenn Frau Will genausoviel spendet wie er. Da hat Sigmar Gabriel wohl ein Berater noch rechtzeitig eingeflüstert, dass es keine super Idee wäre, ein Foto archiviert zu bekommen, auf dem er wie ein begossener Pudel dasteht. Schade, die Bild-Agenturen hätten sich gefreut …

Ex-WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy schrieb sogar einen ausführlichen Rant, warum er die Ice Bucket Challenge mittlerweile für ein PR-Vehikel für Selbstdarsteller hält:

Als die Ice Bucket Challenge in den letzten Tagen Deutschland erreicht, ist ihr Sinn im großen Stil bereits weitestgehend zweckentfremdet. Zwar geht es schon noch periphär um das Thema ALS, aber eigentlich nur noch darum, dass sich einige steife Medienfuzzis als launig-lockere Entertainer versuchen und sich dabei in eine Reihe mit den Lenkern dieser Republik aus Politik und Wirtschaft stellen möchte. Sie schnappen nach einer Minute Ruhm wie der Dackel nach der Leberwurst. Man sieht, und ist peinlich berührt, völlig steifen Menschen dabei zu, wie sie mit dem Wassereimer das Scheinwerferlicht über sich auszuschütten versuchen. Menschen, die ansonsten nicht mal über sich selber lachen können.

Und im fernen Australien erklärt der Nachrichtensprecher Lincoln Humphries ebenfalls, für was man sonst so spenden könne, statt für ALS. Für eine Organisation, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt, zum Beispiel. Oder für die Bekämpfung von Krebs.

Die stilvollste Challenge-Verweigerung lieferte allerdings der Schauspieler Patrick Steward, aka Captain Picard vom Raumschiff Enterprise:

Und so folgt dem Trend der Gegentrend. Bei aller – auch berechtigter – Kritik muss man aber festhalten, dass die Aktion ihr Ziel radikal übererfüllt hat. Die Krankheit ALS ist weltweit zum Thema geworden, das Spendenaufkommen hat sich verzigfacht. Vielleicht lässt man am besten einen ALS-Betroffenen zu Wort kommen, der sich in diesem Bemerkenswerten Video, das bei YouTUbe bereits über 13 Millionen mal angeschaut wurde, dazu äußert, was er von der Ice Bucket Challenge hält (vorsicht, es wird nach zwei Minuten sehr emotional):

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