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Kollegen Kriegsreporter: „Bitte Luft rauslassen, bitte tiefer hängen“

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Die Ermordung des US-Journalisten James Foley hat schmerzhaft daran erinnert, in welche Gefahren sich Kriegs- und Krisenreporter begeben. Sind sie darum heldenhafte Aufklärer auf der Suche nach Wahrheit? "Bitte Luft rauslassen, bitte tiefer hängen", schreibt Nahost-Korrespondent Tomas Avenarius in der Süddeutschen Zeitung. Viele Kriegsreporter seien seltsame Menschen, eitel und getrieben.

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In einem Essay, der in der Süddeutschen Zeitung vom Samstag erschien, gibt Avenarius, der für die SZ seit langem als Nahost-Experte schreibt, einen Einblick in den Typus „Kriegsreporter“: „Er riskiert angeblich sein Leben, sucht nach der Wahrheit im Krieg. Er will ‚Zeugnis ablegen‘ über fürchertliche Dinge. Wobei die Wahrheit schlicht ist.“ Man begegne „seltsamen Vögeln“ an den Krisenplätzen. Da sei etwa „der Mann von der Wochenzeitung, recht bekannt: Liest man seine Texte, wird geschossen, wo er auftaucht, rund um die Uhr.“

Der Kriegsreporter, für Avenarius ist er oft nicht mehr als ein Schauspieler im Kugelhagel. Durch die Hotellobby spaziere er mit der Splitterweste. Der heutige Krisenjournalismus habe mit dem Journalismus beispielsweise eines Peter Scholl-Latour nichts mehr zu tun: „Jüngere Journalisten schreiben, drehen, bloggen, schießen Bilder, am besten alles gleichzeitig. Schlecht bezahlt, riskieren sie viel.“ James Foley sei auch ermordet worden, weil er keinen festen Arbeitgeber hatte, der für ihn das geforderte Lösegeld hätte zahlen können, schreibt Avenarius.

„Nicht nur der Dschihad ist schneller geworden, auch das Mediengeschäft dreht sich immer irrer“, beoachtet der Reporter, der freilich selbst zur Spezies gehört und im Text eine Episode beichtet, in der er mal eine „schräge Sache“ gemacht habe. Als „Königsform des Journalismus“ sieht er die Berichterstattung aus dem Krieg aber nicht. Manches sei großartig, manches einfach nur verlogen.

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Eine Mitschuld an der Tempoverschärfung gibt Avenarius dem Internet: „Heute machen Videojournalisten, Blogger, Internetjournalisten den ‚Mainstream-Medien‘ Druck, heizen das oft sinnlose Geschäft mit den ‚Frontline-News‘ an.“ Westliche Medien übernähmen sogar schon Bilder, die der Islamische Staat (IS) übers Netz verbreitet. Avenarius unkt: „Das deutsche Publikum schaut irgendwann Kalifats-TV.“

Ein Lesetipp in diesem Zusammenhang: Ein Interview mit Kriegsfotograf Christoph Bangert über sein Buch „War Porn“ bei den Kollegen von Zeit Online.

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