Grünes Licht für „Projekt 3.0“, aber Spiegel-Gesellschafter bremsen Büchner und Saffe bei der Umsetzung

Spiegel Geschäftsführer Ove Saffe (l.) und Chefredakteur Wolfgang Büchner
Spiegel Geschäftsführer Ove Saffe (l.) und Chefredakteur Wolfgang Büchner

Kryptik 3.0: Die offizielle und nach fast fünfstündigen Verhandlungen abgestimmte Erklärung der Spiegel-Gesellschafter zur Neuorganisation beim Spiegel und der Neu-Ausschreibung aller Ressortleiterstellen klingt trotz einer vermeintlich deutlichen Botschaft unverständlich und lässt viele Fragen offen. Klar ist, dass damit sowohl Chefredakteur Büchner als auch GF Ove Saffe in die Klausur geschickt werden. Sie sollen bitte der Mannschaft vermitteln, was sie genau vorhaben. Taktisch ist das eine Notbremsung.

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Die Gesellschafter, die Mitarbeiter KG, das Verlagshaus Gruner + Jahr sowie die Erben Augsteins, senden damit ein gemeinsames Signal in beide Richtungen: Zum Einen machen sie den Kritikern von Chefredakteur Wolfgang Büchner unmissverständlich klar, dass sie dessen Kurs im Kern für richtig halten und sein Projekt „Spiegel 3.0“ zur Verzahnung von Print und Digitalem billigen und unterstützen. Zum Anderen verlangen sie von Büchner und Gesamtgeschäftsführer Ove Saffe, dass das Projekt nicht im Eiltempo ohne Rücksicht auf die Widerstände durchgezogen wird, wie es das Duo angekündigt hatte.

Unterm Strich ist das Gesellschafter-Votum damit auch eine Niederlage für Saffe und Büchner, die den radikalen Wandel ungenügend vorbereitet und desaströs komuniziert haben. Es ist aber auch kein Ruhmesblatt für die Gesellschafter, die damit das Problem quasi an das Führungsduo zurück delegieren, statt klar Stellung zu beziehen. Für den Spiegel, so dürfte feststehen, brechen schwere Zeiten an. Der Machtkampf geht in die nächste Runde.

Hier der Wortlaut der Erklärung:

Gemeinsame Erklärung der SPIEGEL-Gesellschafter

Das Projekt von Chefredaktion und Geschäftsführung für die engere Verzahnung von Print und Online, das unter dem Namen „SPIEGEL 3.0“ bekannt geworden ist, findet die Unterstützung aller Gesellschafter.
Die Gesellschafter nehmen die Sorgen ernst, die aus Redaktion und Dokumentation des SPIEGEL in den vergangenen Tagen geäußert wurden.
Die Gesellschafter begrüßen es, dass die Chefredaktion und die Geschäftsführung das Projekt „SPIEGEL 3.0“ in enger Zusammenarbeit mit den Redaktionen von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE verwirklichen will, sowohl was die Umsetzung als auch was den Zeitablauf angeht.
Geschäftsführung der Mitarbeiter KG
Gruner + Jahr
Erbengemeinschaft Augstein
Update, 23.08.14: Die Einordnung von MEEDIA stößt bei Betroffenen auf Kritik, da der Grundtenor der Erklärung dabei zu kurz komme. MEEDIA stellt deshalb klar, dass das Projekt „Spiegel 3.0“ von Geschäftsführer Ove Saffe und Chefredakteur Wolfgang Büchner grundsätzlich gebilligt worden ist. Insofern ist das ein Erfolg für beide. Hinsichtlich der Ausführung können Saffe und Büchner allerdings nicht bei ihrem ehrgeizigen Plan bleiben, den Umbau schon in der kommenden Woche zu starten. Sie müssen zunächst Überzeugungsarbeit leisten. Auf diesen Aspekt bezieht sich MEEDIA in der ursprünglichen Headline „Spiegel-Gesellschafter bremsen Büchner und Saffe“. Da dies offenbar missverständlich ist, haben wir den Text ergänzt und die Headline überarbeitet.
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