Spiegel-Krise: Warum Wolfgang Büchner aufs Blattmachen verzichtet

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Spiegel-Mitgesellschafter-Vertreter: Franziska Augstein, Julia Jäkel, Jakob Augstein

Die Pressemitteilung war kurz, hatte aber sowohl für Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner wie für die Ressortleiter des Print-Spiegel eine gute und eine schlechte Botschaft. Büchners "Spiegel 3.0"-Konzept befinden die Gesellschafter für gut. Aber Büchner und seine Kritiker in der Redaktion müssen sich zusammenraufen. Nach MEEDIA-Infos innerhalb von zwei Monaten. Bemerkenswert: so lange macht Büchner kein Blatt.

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Die Botschaft der Gesellschafter an die Büchner-Kritiker in der Print-Redaktion lautet: Der Chefredakteur bleibt, aber er kann nicht an euch vorbei seine Reform „Spiegel 3.0“ umsetzen. Ein Umbau der Ressortleiterstruktur von heute auf morgen ist danach vom Tisch. Etwa vier Fünftel der Spiegel-Redaktion hatte sich bis Freitag gegen eine schnelle Umsetzung der Büchner-Pläne ausgesprochen. Diese Petition hatte bei den Gesellschaftern Wirkung gezeigt.

Die Botschaft der Gesellschafter an Wolfgang Büchner lautet: Du kannst dein Konzept umsetzen, wir finden die „engere Verzahnung von Print und Online“ richtig. Aber der Chefredakteur kann nicht durchregieren, kann nicht schon wie von ihm vorgesehen von Montag an mit dem Umbau beginnen.

Erst muss er die Ressortleiter von seinen Plänen überzeugen. Nach MEEDIA-Infos soll er dafür zwei Monate Zeit bekommen. In dieser Zeit soll er sich voll auf die Überzeugungsarbeit konzentrieren, auch kein Blatt machen. Bemerkenswert ist, dass die Mitarbeiter KG, die gegenüber Büchner gespalten ist, seinem Konzept prinzipiell grünes Licht gegeben hat. Alle Gesellschafter, heißt es in der kurzen Pressemitteilung, unterstützten „Spiegel 3.0“. Danach sollen künftig je ein Print-Redakteur und ein Onliner eine gemeinsame Ressort-Doppelspitze bilden.

Nachdem die Gesellschafter, darunter die Vertreter der Mitarbeiter KG, des Verlagshauses Gruner+Jahr und der Erbengemeinschaft Rudolf Augstein, am Freitagabend mit ihrer Beratung durch waren, überwog offenbar die Zufriedenheit mit dieser Lösung. Sie verhindert zunächst einen Eklat, noch gibt es keine Verlierer. Büchner und seine Kritiker müssen sich zusammenraufen.

Wenn ihnen das allerdings nicht gelingt, dann ist das Reformprojekt „Spiegel 3.0“ erstmal gescheitert. Und Büchner müsste gehen. Beide Seiten haben nun eine Bewährungsfrist bekommen.

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