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Was Journalisten über die neue Twitter-Timeline wissen sollten

Twitter hat seine Timeline-Funktionen aktualisiert. Neben den Tweets und Retweets ihrer Kontakte sehen Nutzer ab sofort auch Tweets von Nutzern, denen sie gar nicht folgen. Die Änderung ist Teil einer Experimentierphase und stößt im Netz auf massive Kritik: Twitternutzer befürchten, dass sich Twitter und Facebook ähnlicher werden.

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Bisher sahen Nutzer in ihrer Twitter-Timeline nur Tweets von Accounts, denen sie folgen und deren Retweets. Dazwischen schummelten sich höchstens mal sogenannte gesponserte Beiträge, für die Unternehmen zahlen. Hinzu kommen nun aber auch Tweets von unbekannten Accounts, die entweder von eigenen Kontakten favorisiert wurden oder die Twitter als relevant für den einzelnen Nutzer empfindet, wie es im Hilfscenter der Unternehmenswebsite heißt:

Hinweis: Es können auch Inhalte von Accounts angezeigt werden, denen Du nicht folgst, wie etwa gesponserte Tweets, Retweets von Accounts, denen Du folgst, oder für Dich relevante Inhalte.

Relevant sind in diesem Fall Beiträge, die besonders oft von anderen Accounts, denen ein Nutzer folgt, favorisiert wurden oder solche, die Twitter selbst in der Gesamtschau aller Inhalte als relevant erachtet. Ob ein Tweet favorisiert oder von Twitter in die Timeline gespült wurde, wird über der Nachricht angezeigt.

Bildschirmfoto 2014-08-20 um 10.12.17

Die Änderung ist Teil einer Experimentierphase des Kurznachrichtendienstes. CEO Dick Costolo hatte bereits im Juli angekündigt, die Funktionsweise von Twitter ausbauen zu wollen. Laut Online-Magazin Quartz kündigte der Twitter-Chef an, er wolle große und bedeutende Konversationen sichtbarer machen, um sicherzugehen, dass Nutzer nichts Wichtiges mehr verpassen:  “Surfacing the kinds of great conversations that pop up in peoples’ timelines from time to time, making sure that for those users who follow hundreds of accounts, they don’t miss the very, very best pieces of those streams as they flow by, and then…for those users who are new to the platform and are coming to the platform for the first time, getting them value immediately.” Die Funktionsänderungen gelten bisher als Experiment, dessen Dauer aber unklar ist. Im Netz stoßen die Neuerungen mitunter allerdings auf Kritik. 

Viele Nutzer sehen darin eine zu starke Annäherung an die Funktionsweise des sozialen Netzwerks Facebook, dessen Newsfeed-Inhalte von einem Algorithmus gefiltert werden und auf den bisherigen Aktivitäten – „Gefällt mir“-Markierungen, geteilte Beiträge oder Klicks – des jeweiligen Mitglieds basieren. Dadurch bekommen Nutzer verstärkt Ereignisse und Nachrichten von Kontakten angezeigt, deren Inhalte sie zuvor bereits aktiv wahrgenommen hatten. Andere Accounts und Inhalte geraten dadurch in den Hintergrund, bis sie gar nicht mehr im Newsfeed auftauchen. Die Facebook-Wirklichkeit ist dadurch eine ganz eigene, wie zuletzt der Fall um den erschossenen Teenager Michael Brown zeigte. Das Online-Portal Mashable prophezeite bereits im Februar die Verwandlung von Twitter in eine Art „Facebook-Klon“.

Anders als bei Facebook, hält Twitter (noch) an der ungefilterten Wiedergabe aller Inhalte fest – Nachrichten erscheinen nach wie vor in chronologischer Abfolge in der Timeline der Nutzer. Die neue Funktion bedeutet lediglich ein Mehr an Tweets, was aber natürlich zu führen kann, dass Beiträge gefolgter Accounts übersehen werden. Twitter wiederum versichert, die Änderungen sollen es den Nutzern gerade einfacher machen, für sie interessante Inhalte zu entdecken. Eine widersprüchliche Argumentation.

Für Journalisten, für die der Kurznachrichtendienst als tägliche Quelle große Bedeutung erlangt hat, kann das zweierlei bedeuten: zum einen Hinweise auf interessante Beiträge, die man im Nachrichtenfeuer sonst übersehen hätte. Zum anderen kann es auch dazu führen, dass man gerade wichtige Inhalte übersieht. Nicht zuletzt gestalten sich Twitter-Nutzer ihre Accounts sehr individuell, je nach Interessengebiet und verfolgen damit eine bestimmte Agenda, die durch die neue Funktion unterwandert werden könnte.

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