Spiegel: Saffe will Büchner-Konzept schon nächste Woche umsetzen

Will die Strukturen an der Ericusspitze verändern: Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe.
Will die Strukturen an der Ericusspitze verändern: Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe.

Friss oder stirb: Nach der Devise will Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe seine Reformpläne durchziehen. Die von ihm am Dienstag informierte Spitze der Mitarbeiter KG soll dem Redaktionsumbau bis Freitag zustimmen, ab Montag dann die Umsetzungsphase starten. Ein Schnellschuss, der Saffe selbst treffen könnte.

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Die juristisch und arbeitsrechtlich wohl unhaltbare Zeitvorgabe kommt einem Ultimatum an die Mitarbeiter KG gleich. Gesamtgeschäftsführer Ove Saffe, dessen Vertrag erst unlängst um weitere fünf Jahre verlängert wurde, geht damit aufs Ganze. Würde die Mitarbeiter-Vertretung ihre Zustimmung verweigern, wäre das praktisch ein Misstrauensvotum gegen Saffe, der dann kaum noch zu halten wäre – und mit ihm vermutlich auch nicht Chefredakteur Wolfgang Büchner, der sich entschieden hat, sämtliche Ressortleiterstellen neu auszuschreiben und damit den Streit mit seinen Führungskräften auf die Spitze zu treiben.

Das kann eigentlich nicht gutgehen. Es ist anzunehmen, dass sowohl Saffe als auch Büchner dies nur zu gut wissen. Dass sie trotzdem die Flucht nach vorn antreten, ist Indikator dafür, wie sehr beide von den Vorgängen der vergangenen Monaten zermürbt worden sind. Und beide handeln aus einer vergleichsweise sicheren Position; ihre noch frischen Verträge sichern ihnen für den Fall des Ausscheidens hohe Abfindungen, Summen, die sich der Spiegel angesichts einer wirtschaftlich angespannten Situation eigentlich nicht leisten will. Die Mitarbeiter KG steht dabei vor einem Dilemma: Einerseits will man es sich mit Blick auf die langfristigen strategischen Interessen der Spiegel-Gruppe nicht gefallen lassen, dass eine Gruppe von Print-Ressortleitern und Büchner-Gegnern die Politik im Hause diktiert. Andererseits würde eine schnelle Absegnung der Saffe-Pläne das Gremium beim eigenen Fußvolk wahrscheinlich vor große Probleme stellen, auf deren Vertrauen und Unterstützung die KG-Führung angewiesen ist.

Der größte Schwachpunkt der Anti-Büchner-Fraktion ist, dass es an einem eigenen tragfähigen Konzept für die Weiterführung des Magazins mangelt und dass es mit Blick auf die digitalen Aktivitäten überhaupt keine erkennbaren Ansätze zu geben scheint. Weiterwurschteln wie gehabt, könnte das Motto lauten. Auch die Favoriten für eine Büchner-Nachfolge – Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry – sprechen Bände: Erneuerung und Vision stehen nicht auf der Agenda der Büchner-Gegner. Dies ist das vielleicht entscheidende Argument, auf das Saffe und Büchner noch setzen können. Aber selbst wenn es ihnen gelingen sollte, die Mehrheit der Mitarbeiter KG auf ihren Kurs einzuschwören, dürfte die Umsetzung der Pläne Monate dauern und die Zerrüttung der Binnenverhältnisse noch zunehmen. In solchen Situationen ziehen Gesellschafter gewöhnlich die Notbremse, um bleibenden Schaden vom Unternehmen abzuwenden – aber was ist beim Spiegel mit seiner ganz speziellen Machtstruktur schon gewöhnlich?

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