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Christian Krug – der neue starke Mann beim stern

stern-Chefredakteur Christian Krug
stern-Chefredakteur Christian Krug

Der stern bekommt einen neuen Chef. Dass die Wahl des Vorstands ausgerechnet auf den Gala-Blattmacher Christian Krug fiel, ist nur für Außenstehende eine Überraschung. Tatsächlich bringt der 48-Jährige viele Qualitäten mit, die mit Blick auf die Zukunft im neuen Job entscheidend sein werden.

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Wer die offizielle Verlautbarung von Gruner + Jahr zur Abberufung von Dominik Wichmann als stern-Chef zwischen den Zeilen liest, ahnt, welche Eigenschaften vom neuen Mann auf der Top-Position des wichtigsten Titels im Hause gefordert sind. Niemand bestreitet, dass Wichmann ein Vollblutjournalist ist, hart daran gearbeitet hat, sein Konzept umzusetzen und Qualitäten als Blattmacher mitgebracht hat. Doch noch mehr als das scheinen in der Position stern-Chefredakteurs soft skills gefragt zu sein, die Fähigkeit, eine ganze Redaktion zu erreichen und mitzuziehen, und das trotz harter und unangenehmer Einschnitte, die in naher Zukunft zu vollziehen sind. Die Frage ist: Ist der jetzt benannte Nachfolger von Wichmann dafür der Richtige?

Um dies zu beantworten, muss man in der Karriere von Christian Krug, derzeit Chefredakteur des People-Magazins Gala, weit zurückgehen. Der 48-Jährige, Sohn des stern-Ressortleiters und ehemaligen Fußballnationalspielers Gerd Krug, hatte seine Laufbahn Ende der 80er Jahre als stern-Reporter gestartet. Viele Redakteure, die heute in verantwortlichen Positionen beim Magazin arbeiten, kennen ihn noch von damals. Später leitete Krug das Kulturressort, bevor er – von Stefan Aust abgeworben – zur Spiegel-Gruppe wechselte. Als er 1998 zum stern zurückkehrte, machte ihn der damalige Chefredakteur Werner Funk zum Leiter des wichtigen Ressorts Deutschland II, das damals regelmäßiger Titelstory-Lieferant für den stern war. Als Funk gegen den Österreicher Michael Maier ausgetauscht wurde, erlebte Krug krisenhafte Monate, die schließlich in der Entlassung Maiers nach nur sechs Monaten gipfelten.

Einem wie ihm nachzusagen, er wisse nicht wie Gruners Magazin-Flaggschiff „tickt“, wäre vermessen. Und genauso ungerechtfertigt wäre es, den Blattmacher zu unterschätzen, weil er von der Gala nun ins erste Journalistenamt im Haus befördert wird. Ob man Krug allerdings in der Redaktion mit offenen Armen empfängt, ist eine andere Frage und zudem eine müßige: Den Chefredakteur, der in der als selbstbewusst und kritisch geltenden Redaktion vom Start unumstritten wäre, gibt es nicht, weder im Haus noch als Kandidaten von außerhalb.

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Wer Krugs Stationen über die Jahre als Blattmacher in der Milchstraße (Max) und am Baumwall (Lufthansa Magazin, Gala) verfolgt, registriert einen Reifungsprozess vor allem im Umgang mit den Mitarbeitern. Bei der Übernahme des Gala-Chefpostens von Langzeit-Blattmacher Peter Lewandowski verzichtete Krug – für viele überraschend – auf den erwarteten Austausch von Redakteuren und Führungskräften. Das Team, erklärte er knapp, sei gut genug, er wolle das Heft mit der vorhandenen Mannschaft modernisieren. Tatsächlich verstärkte er die Gala-Redaktion nur punktuell, holte Ex-Bravo-Chefredakteur Philipp Jessen (vermutlich sein zumindest interimistischer Nachfolger bei Gruners People-Magazin) in die Chefredaktion und schaffte es, die Gala journalistischer, relevanter und aufmerksamkeitsstärker zu machen als je zuvor. Der Redaktion hat das neue Stabilität und Sicherheit gegeben, in Zeiten von Sparprogrammen und Entlassungen im Verlag ein nicht zu unterschätzendes Gut.

Ab Oktober wird Krug zeigen müssen, ob das, was er mit einer vergleichsweise kleinen Redaktion von rund 30 Leuten geschafft hat, auch beim fast 200 Mitarbeiter starken stern funktioniert. Es wird für ihn darauf ankommen, sich in einer gebeutelten Redaktion Autorität zu verschaffen, Authentizität auszustrahlen und die Blattlinie konsequent vorzuleben. Es wird ebenso wichtig sein, sich intern nicht von einzelnen Gruppierungen vereinnahmen zu lassen und zugleich die Magazin-Interessen selbstbewusst gegenüber dem Vorstand zu vertreten und durchzusetzen. Das ist alles andere als eine leichte Aufgabe, und es erscheint kaum denkbar, dass diese in einem Haus wie Gruner + Jahr von einem von außen verpflichteten Neuzugang ohne Stallgeruch gemeistert werden könnte. Auch wenn es ungewiss erscheint, ob überhaupt jemand die gewaltigen Probleme der stern-Redaktion in den Griff bekommen kann, ist man geneigt zu sagen: wenn es jemand schaffen wird, dann einer wie Christian Krug.

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