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Nazis im Netz: Rechtsextreme erreichen Jugendliche verstärkt über Facebook & Co.

Rechtsextreme Beiträge haben besonders in sozialen Netzwerken zugenommen und gefährden laut eines Reports der Organisation Jugendschutz.net besonders junge Nutzerinnen und Nutzer
Rechtsextreme Beiträge haben besonders in sozialen Netzwerken zugenommen und gefährden laut eines Reports der Organisation Jugendschutz.net besonders junge Nutzerinnen und Nutzer

Soziale Netzwerke wie Facebook dienen zunehmend der Verbreitung rassistischer Hetze unter Kindern und Jugendlichen. Das belegt der aktuelle Rechtsextremismus-Bericht der Organisation Jugendschutz.net. Ausländerfeindliches Gedankengut wird über vermeintlich jugendkulturelle Themen platziert, es kapert Hastags und QR-Codes und gewinnt so an Reichweite über die rechtsextreme Szene hinaus.

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Die Organisation sichtete im vergangenen Jahr mehr als 5.500 rechtsextreme Webangebote, also Webseiten und vor allem Profile auf Social Networks. Ganze 70 Prozent der Angebote finden sich auf Facebook, Twitter, Youtube und dem russischen Angebot VK.com. Ebenfalls betroffen, wenn auch nur minimal (7 Prozent), sind deutsche Portale wie MyVideo oder (das mittlerweile eingestellte) Wer-kennt-wen. Vor allem im Social Web sei die Anzahl strafbarer Beiträge im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Mit 1.460 solcher Beiträge erreichte die Statistik laut Bericht ihren bisherigen Höchststand – 2012 waren es noch gut 200 strafbare Beiträge weniger.

Besonders gefährdet seien junge Nutzerinnen und Nutzer, warnt die Organisation Jugendschutz.net, die für die Erhebung und Veröffentlichung der Studie verantwortlich ist: „Das Social Web ist für den modernen Rechtsextremismus das wichtigste Mittel, um Jugendliche (…) mit menschenverachtenden Ideologien zu beeinflussen.“

Das Krümelmonster wird zum Volkssprecher

Rechtsextrem gesinnten Personen und Gruppen bietet das Web eine Vielzahl von Möglichkeiten, Reichweite über die Szene hinaus zu generieren. Besonders perfide gehen hierbei Gruppen vor, die sich hinter emotional aufgeladenen Themen verstecken, um zunächst Reichweite zu generieren und dann rassistisches Gedankengut zu streuen. Auch vor der Instrumentalisierung populärer Figuren wird nicht Halt gemacht, wie das Beispiel der Website „Zukunftsstimmen“ veranschaulicht. Das Krümelmonster entpuppt sich hier als Verfechter des deutschen Volkes, auf der Website heißt es: „Ihr habt immer nur Kekse für alles Fremde übrig – für fremde Völker, fremde Kulturen und fremde Werte. Aber keine für die Identität und Kultur des deutschen Volkes. So vergiftet ihr Demokraten die deutsche Jugend bereits an den Schulen eures Systems, lehrt ihr auf groteske Weise sich selbst zu verachten, für ein einfältiges Leben unter dem Trümmerhaufen eurer Demokratie.“

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Vertreter ausländerfeindlicher Meinungen unterwandern zudem antirassistische Kampagnen mit Nazi-Parolen, wie jüngst bei dem Hashtag #schauhin geschehen. Sie kapern QR-Codes oder verstecken Hasspropaganda-Videos hinter Links zu Hollywood-Trailern. Trotz zahlreicher geschickter Tarnungsvarianten sei die offensichtliche Hetze aber mittlerweile weiter verbreitet, sagt Stefan Glaser, Leiter von Jugendschutz.net: „Während in den vergangenen Jahren subtile Propaganda vorherrschte, stoßen wir mittlerweile regelmäßig auf Darstellungen, in denen Juden, Muslime, Sinti & Roma oder Homosexuelle ohne Umschweife zu Menschen zweiter Klasse degradiert werden.“ Vor allem das russische Netzwerk VK wird bei Jugendlichen immer beliebter. Hier führten beispielsweise Suchanfragen nach Rockbands wie Pink Floyd oder TV-Serien wie Southpark zu Neonazivideos, in denen reale Exekutionen gezeigt wurden. 

Soziale Netzwerke unternehmen zu wenig, um gegenzusteuern

Noch unternähmen insbesondere das Netzwerk VK und auch der US-Dienst Tumblr (Yahoo) laut jugendschutz.net zu wenig, um die beanstandeten Inhalte von ihren Plattformen zu verbannen. Die Zusammenarbeit gestalte sich schwierig, weil über 90 Prozent der beanstandeten Beiträge auf Servern ausländischer Anbieter lägen. Den größten Erfolg habe man durch den direkten Kontakt zu den Anbietern erzielen können, heißt es in dem Bericht: 67 Prozent der unzulässigen Beiträge wurden demnach bereits gelöscht.

Gerade die internationale Zusammenarbeit müsse jedoch weiter vorangetrieben werden, sagt Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung: „Das Gros der Inhalte wird über ausländische Dienste eingestellt, daher müssen Strategien gegen Hass im Netz auch international ansetzen.“ Initiativen wie das International Network Against Cyber Hate sollen hierfür Ansatzpunkt liefern. Dem Zusammenschluss aus mittlerweile 22 Organisationen aus Europa, den USA und Kanada fehlten aber bislang noch die nötigen Ressourcen, um stärker gegen Rassismus im Netz vorzugehen.

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