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Jetzt auch noch der WDR: Aus für Online-Votings nach Manipulationen

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WDR-Fernsehchef Jörg Schönenborn

Die Manipulation von TV-Ranking-Formaten hat System. Das war bereits nach den bekannten Fällen ZDF ("Deutschlands Beste!) und NDR offensichtlich. Wie zum Beweis berichtet am Dienstag nun auch der WDR in eigener Sache: bei 10 von insgesamt 111 Sendungen in den Jahren 2008 bis 2014 wurden die Ergebnisse von Online-Votings verändert. Der WDR hat dafür aber Erklärungen parat. Zwei Manipulationen habe es derweil beim RBB gegeben.

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Zum einen begründet der WDR nachträgliche Änderungen von Online-Abstimmungen, etwa bei den „beliebtesten Ausflugszielen“ oder den „beliebtesten Fußballvereinen“, mit der „außergewöhnlichen Häufung von Stimmen“ für bestimmte Kandidaten. So landete die Schalke-Arena einmal ganz vorne, ein anderes Mal der Club Preußen Münster. Mit anderen Worten: es wurde von interessierter Seite oder von Fans nachgeholfen. In diesen Fällen habe der Sender ein Institut mit einer Abstimmung beauftragt. Informiert wurden die Zuschauer der Ranking-Sendung „Hitlisten des Westens“ aber nicht, wie die Rankings zustande kamen.

Zum anderen sahen sich die Redaktionen veranlasst, einige Rankings händisch zu sortieren. Weil schlichtweg zu wenige Stimmen für einige Kandidaten, zum Beispiel Kunstwerke und Wanderwege, eingingen. Oder weil die Beteiligung für gesamte Abstimmungen zu gering ausfiel. Dann wurde in „Fachliteratur“ nachgeblättert. Oder nach Besucherzahlen von Museen geschaut. Die komplette Übersicht über die Sendungen gibt es hier beim WDR.

In keinem der Fälle wurden Zuschauer explizit darauf hingewiesen, dass die Rankings keineswegs auf der tatsächlichen Stimmenabgabe der Online-Nutzer basierten. Es gebe „offensichtliche Probleme“mit den Online-Votings, heißt es nun vom Sender. Als seien die Menschen schuld, die entweder zu viel oder zu wenig abstimmen. WDR-Fernsehchef Jörg Schönenborn zieht nun die Konsequenz, dass komplett auf Online-Votings verzichtet wird. Die „Konzepte“ für Sendungen wie „Hitlisten des Westens“ sollen „grundlegend überarbeitet“ werden. Die Sendungen selber aber, so liest es sich zumindest, stehen nicht zur Disposition.

MEEDIA kommentierte den Ranking-Irrsinn bereits am Montag. Am Freitag hatte der NDR seine Fälle offengelegt. Zuvor hatte das ZDF zugeben müssen, dass in der Show „Deutschlands Beste“ die Reihenfolge der Rankings verändert wurden. Die Fälle zeigen einerseits, dass Manipulationen bei solchen Ranking-Formaten zum System gehören. Was darüber hinaus offensichtlich wird, ist die absolute Überdrehung dieses Formats. Über 100 Formate liefen bisher allein im WDR. Einige der Sendungen, die fast keine Stimmen von Nutzern bekamen, hießen:

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  • die unheimlichsten Orte in NRW (keine schlechte Idee eigentlich, wir schlagen den Bahnhof Löhne in Westfalen vor)
  • die beliebtesten Spektakel in NRW (kawumm)
  • die beliebtesten Talsperren in NRW (ohne Worte)

Stellungnahmen von weiteren ARD-Sendern wie BR, HR und MDR stehen noch aus. Der SWR sagte auf dpa-Nachfrage, man habe die vom Sender ausgestrahlten Ranking-Shows überprüft. Es seien keine Veränderungen vorgenommen worden.

Der RBB stellte derweil klar, dass Manipulationen in zwei Sendungen entdeckt wurden. Bei den 45-minütigen Formaten „21 Dinge, die man in Berlin erlebt haben muss“ und „21 Dinge, die man in Brandenburg erlebt haben muss“ habe die ausgestrahlte Reihenfolge nicht mit dem Abstimmungsergebnis übereingestimmt. Aufschlussreich: an der Online-Abstimmung hätten rund 350 Nutzer teilgenommen. Die Redaktion habe eine andere „Dramaturgie“  bevorzugt als die von den Zuschauern bestimmte. Die zwei Sendungen sind aus der Mediathek entfernt worden. 

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