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Nach dem ZDF jetzt auch der NDR: Manipulation von Online-Votings

NDR-Intendant Lutz Marmor
NDR-Intendant Lutz Marmor

Nach dem Skandal um manipulierte Zuschauerrankings bei der ZDF-Sendung "Deutschlands Beste" räumt nun auch der NDR ein, in mehreren Fällen Online-Votings gefälscht zu haben. Eine interne Untersuchung ergab Ranking-Manipulationen in TV- und Radiosendungen. NDR-Intent Lutz Marmor kündigte einen restriktiven Umgang mit Votings an. Die Fälle seien "nicht hinnehmbar".

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Betroffen sind neun Fernsehsendungen der Rundfunkanstalt in den Jahren 2011 bis 2013.  So wurde unter anderem in der Sendung „Die schönsten Gärten und Parks des Nordens“ vom 20. Dezember 2013 der Hamburger „Planten und Blomen“-Park von Platz Elf auf Platz Zehn vorgezogen, auf dem eigentlich der Rhododendronpark Ammerland gelandet war. Begründet wird die Entscheidung damit, dass für ersteren besseres Bildmaterial zur Verfügung stand.

Ein weiteres Beispiel war die  Sendung „Die besten Norddeutschen“ im Jahre 2011. In der Kurzfassung der Erstausstrahlung belegte hier Loriot Platz Acht, in der Langfassung war es auf einmal Loki Schmitt. Wie es von Seiten des NDR heißt, fehlten dem Sender die Rechte für die betreffenden Loriot-Ausschnitte, weshalb umdisponiert wurde.

Insgesamt waren alle betroffenen Sendungen Zusammenschnitte und basierten auf nicht-repräsentativen Online-Votings. Die einzige moderierte Ranking-Show war die „Top Flops Gala 2013“, in der Zuschauer über eine Vorauswahl der schönsten Fernsehpannen und Versprecher des Jahres abstimmen konnten. Die Schlussauswahl der Tops und Flops traf dann aber die Redaktion der Show, was in der Sendung allerdings nicht offengelegt worden war.

Auch das Hörfunkprogramm des NDR ist von Ranking-Manipulationen betroffen, wenngleich diese mehr oder weniger gut gemeint waren. Nachdem unter anderem das Voting der N-Joy-Sendung „Top 30“ offensichtlich gehackt worden war, habe man das Ergebnis um Mehrfachstimmen bereinigt; ebenso beim „Hitmarathon“ des Senders NDR 1 Radio MV. Manipulationsversuche von außen hatte es auch beim Bandwettbewerb „N-Joy Band Battle“ 2013 gegeben, weswegen das Voting hier am Ende wiederholt wurde.

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Auch wenn die Abweichungen der einzelnen Rankings teils minimal waren – akzeptieren will sie NDR-Intendant Lutz Marmor nicht. In einer Stellungnahme sagte er: „Ich halte die festgestellten Fälle für nicht hinnehmbar, vor allem auch weil sie nicht transparent gemacht wurden, selbst wenn sie im Einzelfall in ihrer Tragweite überschaubar erscheinen mögen.“ Marmor kündigte an, der NDR werde Abweichungen offenlegen, wenn sie in Ausnahmefällen redaktionell sinnvoll erschienen. Dafür habe der NDR vorläufige Leitlinien entwickelt, wie künftig mit Online-Votings umgegangen werden soll.

Fazit: So richtig schlimm manipuliert hat der NDR nicht. Vermutlich ging es Intendant Lutz Marmor darum, vorausschauend mögliche „Enthüllungen“ selbst zu übernehmen, um am Ende nicht als der Dumme dazustehen. Was die Überprüfung allerdings auch zeigt: Geringe Schummeleien bei den beliebten Votings scheinen eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Jetzt, wo der NDR vorgeprescht ist, dürfen gerne auch die anderen Anstalten nachziehen. Wenn sie sich denn trauen.

 

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