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„Das ‚Nordopfer‘ reicht nicht“: Verleger in Norddeutschland verhandeln Sondertarif

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Nach den Tarifverhandlungen für Redakteure an Tageszeitungen sitzen derzeit Verleger aus dem Norden erneut mit den Gewerkschaften an einem Tisch. Die Ostsee Zeitung, Lübecker Nachrichten, die Kieler Nachrichten sowie das Verlagshaus Boyens wollen ein eigenes Tarifwerk. Die Folge: die Tarifstruktur wird regional weiter aufgebrochen. Zeitungsmanager Thomas Ehlers sagt im Gespräch mit MEEDIA, warum Nachverhandlungen nötig sind.

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Thomas Ehlers ist Geschäftsführer der Lübecker Nachrichten (LN) und der Ostsee Zeitung. Bei den Tarifverhandlungen für Zeitungsredakteure auf Bundesebene schloss sich der Verlagsmanager mit Kollegen von den Kieler Nachrichten sowie dem Verlagshaus Boyens (Dithmarscher Landeszeitung, Brunsbütteler Zeitung) zusammen und lehnte das neu ausgehandelte Tarifwerk ab. Zuvor hatten Arbeitgeber und Arbeitnehmerverbände fast ein ganzes Jahr lang über neue Vergütungen gestritten.

Um Ehlers und dessen Kollegen im BDZV-Tarif zu halten, ließen sich die Gewerkschafter sogar auf die Forderung regionaler Unterschiede ein. Sie beschlossen das so genannte „Nordopfer“. Die Gewerkschaften kamen bei den Tarifverhandlungen nicht wirklich glänzend davon, sagen Kritiker in den eigenen Reihen. So erreichten sie zwar insgesamt Gehaltserhöhungen von rund vier Prozent bis Ende kommenden Jahres. Im Gegenzug mussten der Deutsche Journalisten Verband (DJV) und die Deutsche Journalisten Union (dju in Verdi) Kürzungen von Sondergehältern (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) zustimmen. Die Senkung soll auf fünf Jahre gestreckt werden. Für Angestellte im Norden fallen die Sonderleistungen allerdings schon bis Ende 2015. Für Neueinstellungen greifen die Absenkungen sofort. Zudem wurde unter anderem eine Deckelung der Urlaubstage auf 30 beschlossen. 

„Nordopfer“ ist nicht genug: Verlage fordern geringere Konditionen

In Bremen, Niedersachsen und Hamburg nahm man die neuen Konditionen für den Norden an. Für die Kieler Nachrichten, die Lübecker Nachrichten die Ostsee-Zeitung sowie Boyens Zeitungen gab es dagegen Gesprächsbedarf. Derzeit sitzen Verlage und Gewerkschaften darum erneut am Tisch. Gefordert werden seitens der Verlage: Gehaltserhöhungen von nur 3,8 Prozent. Für Neueinsteiger könnten die Sonderleistungen erfolgsabhängig gestaltet werden. Dabei ist derzeit noch strittig, wie der Erfolg definiert werden soll. 

 

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Redaktionsgemeinschaft: Sonderverhandlungen führen bei Ostsee Zeitung und Lübecker Nachrichten zum Gehaltsgefälle

Die Belegschaften der Ostsee Zeitung und der Lübecker Nachrichten sind derweil aufgebracht. Denn die Kollegen der Redaktionsgemeinschaft beider Häuser (RSG), die Mantelteile an die Zeitungen liefert, werden besser bezahlt. Aufgrund einer Klausel im eigenen Haustarif werden die RSG-Angestellten nämlich nach Tarif auf Bundesebene vergütet. Für sie gab es im Juli 2,5 Prozent mehr Gehalt, während direkt bei den Zeitungen angestellte Redakteure weiter warten müssen. „Damit ist erstmals der Fall in den Lübecker Nachrichten eingetreten, dass es zwei Gruppen von angestellten Redakteurinnen und Redakteuren gibt, die tariflich unterschiedlich bezahlt werden“, erklärt ein Mitglied der Tarif-Kommission seitens der dju in einem Rundschreiben. Kurios: Ein gängiges Modell ist eher, dass in Redaktionsgemeinschaften ausgelagerte Kollegen weniger verdienen als Verlagsangestellte, weil sie meist ohne Tarifbindung arbeiten. Setzt sich Ehlers mit seinen Forderungen durch, wird zwar auch das Gehalt der Verlagsangestellten steigen – allerdings geringer als das der RSG-Kollegen.

Im Gespräch mit MEEDIA sagt Ehlers: „Unser Hauptaugenmerk sind nicht die relativ geringen Einsparungen gegenüber dem Bundestarif. Wir müssen an die Zukunft denken und uns für Neueinsteiger ein neues Tarifwerk überlegen. Darüber wollen wir mit den Gewerkschaften verhandeln.“ Der Manager sagt, er habe bereits während der Verhandlungen auf Bundesebene immer wieder betont, dass der ausgehandelte Tarif für ein nachhaltiges Wirtschaften nicht reiche. „Wir haben bei der Ostsee Zeitung und auch bei den Lübecker Nachrichten viele Redakteure, die auf die Rente zugehen. Spätestens dann benötigen wir neue, junge Redakteure. Das so genannte „Nordopfer“ reicht nicht.“ Erschwerend hinzu käme der Konkurrenzdruck durch tarifungebundene Unternehmen. 

Wie genau das von Ehlers angesprochene neue Tarifwerk aussehen soll, ist ungewiss. Gegenüber MEEDIA wollte er das nicht konkretisieren, um den Verhandlungen am kommenden Dienstag nicht vorzugreifen. So viel ist klar: Kostensenkungen stehen im Vordergrund. Ehlers: „Wir arbeiten kontinuierlich an unserer Prozessoptimierung. Es geht in erster Linie um eine Entlastung der Unternehmen. Wir sehen uns mit schrumpfenden Auflagen und sinkenden Anzeigenerlösen konfrontiert.“ 

Den RSG-Tarif kann Ehlers erst zum Ende des kommenden Jahres kündigen. Solange muss er die Journalisten nach Bundestarif bezahlen. In der Tochterfirma arbeiten immerhin 30 Redakteure. Wie es nach 2015 mit den Tarifen in der Redaktionsgemeinschaft weitergehen soll, deutet Ehlers bereits an: „Neueinstellungen müssen nicht unbedingt über die RSG erfolgen.“ 

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