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„Genug Geld, Sache aus der Welt“: Medien empört über Ecclestone-Urteil

Freier Mann: Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone.
Freier Mann: Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone.

Bernie Ecclestone war wegen Bestechung eines BayernLB-Bankers angeklagt. Der Formel-1-Chef wurde allerdings nicht verurteilt. Gegen 100 Millionen US-Dollar wird das Verfahren fallen gelassen. Kritiker sprechen vom "Freikauf" und prangern die deutsche Justiz an. Die Reaktionen:

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„Recht gegen Geld: Bernie Ecclestone kann weiter Chef der Formel 1 bleiben. Er zahlt 100 Millionen Dollar in die Staatskasse – und der Vorwurf der Bestechung wird fallengelassen. Damit hat der 83-Jährige de facto zum zweiten Mal bestochen, nur diesmal den Richtigen, den Staat“, kommentiert Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart in seinem Morning Briefing. 

„I’m happy“: Die tageszeitung titelt ihren Nachrichtentext mit einem Zitat Ecclestones nach der Gerichtsentscheidung. Bei Twitter schreibt die Redaktion: „Weiße Haare, weiße Weste: Bernie #Ecclestone ist unschuldig, dank 75 Millionen Euro.“

In der Süddeutschen Zeitung meint Heribert Prantl: „Zahlt der Täter genug Geld, ist die Sache aus der Welt.“ Der Prozess habe mit Recht nicht viel zu tun gehabt, so der Leiter Innenpolitik. „Der Hundert-Millionen-Deal ist ein Exempel für die Ökonomisierung und Kommerzialisierung des Strafverfahrens. Auf der Strecke bleibt der verfassungsrechtlich verankerte Grundsatz der Wahrheitsermittlung – ohne dass irgendjemand etwas dagegen tun kann. Gegen diese Art der Verfahrenserledigung ist kein Kraut gewachsen.“

FAZ-Redakteur Christoph Becker beschreibt den Tag im Gericht: „Bis zu zehn Jahre Haft hatten ihm gedroht, aber Ecclestone gilt nicht als vorbestraft, wenn er die 100 Millionen Dollar zahlt, binnen einer Woche. 100 Millionen in einer Woche. „Ist das machbar?“, hatte ihn der Vorsitzende Richter am Morgen gefragt.“ 

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Die Frage bekommt einen pikanteren Beigeschmack, wenn man die Zeilen der Welt-Redakteure Jörg Eigendorf und Andre Tauber liest: „Nach Informationen der Welt waren vor Prozessbeginn noch ganz andere Summen im Gespräch gewesen. Mehr als 250 Millionen US-Dollar sollen diskutiert worden sein – eine Summe, die bereits heruntergehandelt worden war. Dann folgten die Gespräche der vergangenen Tage. Die Staatsanwaltschaft wollte nach Informationen der Welt eigentlich eine Summe von 150 Millionen Euro haben. Doch auch diese Summe handelte Ecclestone herunter. Und zwar persönlich.“ Über Ecclestone heißt es dort, er sei der „gewiefteste Sportmanager unserer Zeit … Ecclestone ist der zentrale Mann in der Welt des Motorsports. Ohne ihn – das haben zahlreiche Zeugen in den 21 Verhandlungstagen deutlich gemacht – läuft in der Formel 1 nichts.“

Gegenüber der Tagesschau bezeichnete die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Deal bereits vor dem Urteilsspruch als eine „Frechheit“. Dazu Zeit Online:Viele halten das wie Leutheusser-Schnarrenberger für einen Skandal. Bestätige es doch, dass vor Gericht eben nicht alle Menschen gleich seien, sondern sich die mit viel Geld davon freikaufen könnten, dass gültiges Recht auf sie angewandt wird. Tatsächlich bleibt ein schaler Beigeschmack nach dieser Entscheidung des Gerichts. Man kann die Frage aufwerfen, ob sich hier jemand bereits zum zweiten Male andere Menschen gewogen macht, indem er ihnen viel Geld anbietet.“

Auch seitens der Satire-Redaktionen gibt es Reaktionen auf das Ecclestone-Verfahren. So macht die Titanic acht Vorschläge, was das Land Bayern (das von den 100 Millionen Euro profitiert) anstellen könnte – beispielsweise „mit Uli Hoeneß zocken gehen“ oder „Alimente für Seehofers Nachwuchs zahlen“.

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