Wie die Bild einen „Schwarzfahrer-Skandal“ herbeikonstruierte

Der ehemalige Grüne Landtagsabgeordnete Daniel Mack wehrt sich gegen die Bild-Zeitung
Der ehemalige Grüne Landtagsabgeordnete Daniel Mack wehrt sich gegen die Bild-Zeitung

Ist der ehemalige hessische Landtagsabgeordnete der Grünen, Daniel Mack, ein notorischer Schwarzfahrer? Die Bild-Zeitung schrieb in ihrer Frankfurter Ausgabe und im Internet von einem “Schwarzfahrer-Skandal”. Manipulationsvorwürfe stehen im Raum, die Polizei prüft eine Strafanzeige. Mack sieht alles ganz anders und setzte jetzt eine Einstweilige Verfügung gegen die Bild-Berichterstattung durch.

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Bis zum 18. Januar 2014 war Daniel Mack, der in seiner Partei und im schönen Frankfurt am Main als Social-Media-Fex gilt, Mitglied des Hessischen Landtags. Man muss wissen, dass Landtagsabgeordnete im Hessenland gratis mit Bus und Bahn fahren dürfen. Als Fahrkarte dient die so genannte Netzwerk-Jahreskarte des Hessischen Landtages. Nun war Mack auch nach seiner Zeit als Landtagsabgeordneter viel mit der Bahn unterwegs, in der Regel nutzte er dabei nach eigener Aussage elektronische Fahrkarten auf seinem Handy.

Nun begab es sich in einer verhängnisvollen Juni-Nacht, dass Ex-MdL Mack den Regionalexpress von Frankfurt Hauptbahnhof nach Fulda bestieg. Nach Macks Angaben hatte sein Handy-Akku zu wenig Saft, um ein elektronisches Ticket zu laden und der Zug war kurz vor der Abfahrt. Ganz vorbildlicher Bahnkunde, sei er zu einem Zugbegleiter geeilt und habe die missliche Lage von sich aus geschildert.

Man muss weiter wissen, dass Daniel Mack in Frankfurter Bahnkreisen kein unbekannter Fahrgast ist. Im Oktober 2013 wurde er Zeuge, wie Bahn-Mitarbeiter am Frankfurter Hauptbahnhof einen dunkelhäutigen Mann drangsalierten, der ohne Fahrkarte unterwegs war. Mack prangerte Gewalt und Rassimus an, die Bahn-Mitarbeiter stellten Strafanzeige wegen Verleumdung, der Fall ging damals groß durch die Medien. Man könnte auch sagen: Der Grünen-Politiker Daniel Mack und die Belegschaft der Frankfurter Bahn kennen sich, schätzen sich aber nicht unbedingt.

Ob diese alte Geschichte etwas damit zu tun hat, wie der angebliche “Schwarzfahrer-Skandal” Fahrt aufnahm – man weiß es nicht, man kann es nur erahnen. Jedenfalls war es offenbar nicht möglich, dass Mack im Zug ein nachträgliches Ticket ausgestellt bekam. Mack musste 40 Euro “erhöhtes Beförderungsentgeld” zahlen, was er seinen Angaben zufolge sofort in bar erledigte. Danach sei er aufgefordert worden, sich auszuweisen. Mack erklärt, er habe – weil er seinen Personalausweis nicht mitführte – den Kontrolleuren Karten und Dokumente aus seiner Brieftasche gezeigt, darunter seine im Januar 2014 abgelaufene MdL-Netzkarte. Diese sei – so Mack auf seiner Website – von den Bahn-Mitarbeitern mit der Begründung, dass sie abgelaufen sei, einbehalten worden.

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Bild-Überschrift in der Online-Ausgabe

Hier wäre die Nicht-Story eigentlich zu Ende. Doch “irgendwie” gelangte das Geschichtchen in die Redaktionsstube der Bild Frankfurt, wo der Vorfall reichlich aufgebauscht zum “Schwarzfahrer-Skandal um Ex-MdL Daniel Mack (27)” hochgejazzt wurde. Daraus, dass sich Mack nach eigenen Angaben beim Zugbegleiter gemeldet hat, wurde gemacht, er sei von Kontrolleuren „erwischt worden“. In der Titelzeile ist die Rede davon, er solle ein „Bahn-Ticket gefälscht“ haben. Laut Verfügungsantrag von Macks Anwalt Ralf Höcker, lagen zwischen Kontaktaufnahme der Bild-Redaktion und Veröffentlichung des Skandal-Artikels bei Bild.de gerade mal eine Stunde und 45 Minuten. Zitat Bild: “Peinlich, peinlich, Herr Politiker! Kontrolleure erwischten den ehemaligen Grünen-Landtagsabgeordneten Daniel Mack (27) als Schwarzfahrer. Doch dabei bleibt’s nicht – jetzt ermittelt die Frankfurter Polizei gegen den Kommunikationsberater.” Die Sichtweise seines Mandaten wurde laut Höcker nur einseitig und unvollständig wiedergegeben. Höcker gegenüber MEEDIA: “Bild hat alle störenden Tatsachen ganz einfach weggelassen, um sich die Geschichte vom angeblich schwarzfahrenden Ex-Politiker nicht kaputt zu machen. Das ist nicht nur unredlich, sondern rechtswidrig.“ In dem Bild Artikel heiß es: „Übel: Der Politiker, der als grüner ‚Twitter-König von Hessen‘ mit fast 20.000 Followern gilt, soll die Jahreszahl ‚2014‘ eigenmächtig entfernt‘ haben.“ Mack hat allerdings in der Zeit nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag nachweislich Bahnfahrkarten im Wert von über 500 Euro gekauft. Dass er eine Netzkarte manipuliert haben soll, um sich Bahnfahrten zu erschleichen, ergibt darum schlicht keinen Sinn.

Ein Springer-Sprecher sieht auf Anfrage von MEEDIA keine Diskrepanz zwischen den Aussagen von Mack auf seiner Website und der “Verdachtsberichterstattung” in dem  Bild-Artikel.

So eine Strafanzeige wird schnell mal “geprüft” und schnell werden “Ermittlungen” bestätigt. Bedeuten muss das gar nichts, Folgen muss das keine haben. Allerdings ist auch eine Einstweilige Verfügung vor dem nicht gerade als pressefreundlich bekannten Landgericht Köln recht schnell erwirkt.

Das Landgericht Köln folgte der Sichtweise von Mack und seinem Anwalt Höcker und erließ eine Einstweilige Verfügung wegen des “Schwarzfahrer-Skandal”-Artikels gegen die Bild. Ob die Boulevardzeitung dagegen vorgeht, wird sich zeigen.

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