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Manual: G+Js Lifestyle-Heft macht Männer zum Vertriebsexperiment

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Mann kann künftig den Playboy oder GQ getrost wegwerfen – zumindest wenn es nach den Machern von Manual geht. Denn G+Js Neuling soll "das erste Männermagazin" sein, mit dem Männer wirklich "etwas anfangen können". Tatsächlich gibt sich die erste Ausgabe redlich Mühe vor allem als „ein modernes Handbuch“ zu funktionieren. Wichtiger als der redaktionelle Inhalt scheint allerdings das Vertriebskonzept hinter dem Heft zu sein.

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So spricht der Verlag selbst von einem „innovativen Vertriebsexperiment“, dass die Hamburger befähigen soll „die Vermarktungsposition im Männer-Segment entscheidend zu stärken“. In den Verkauf kommt der Neuling vor allem im Bahnhofsbuchhandel und an Flughäfen. Auch einen Abovertrieb soll es geben. Entscheidender Baustein im Konzept ist jedoch eine Kooperation mit Hennes & Mauritz. Die Modekette verteilt eine garantierte Auflage von 150.000 Exemplaren. Manual ist also ein Hyprid aus dem Vice- und einem klassischen Magazin-Vertriebs-Konzept. Eine smarte Idee.

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Redaktionell verantwortlich ist die Corporate Publishing-Sparte von Gruner + Jahr, Chefredakteur ist Joern Frederic Kengelbach. Die Position der Redaktion wirkt allerdings etwas nebulös. So ist das Editorial in Ich-Form geschrieben. Wer der Ego-Autor allerdings ist, wird nicht verraten. Bereits im Vorfeld erklärten die Hamburger mehrfach, dass Manual inhaltlich „vollständig unabhängig“ sei und die „redaktionelle Hoheit bei Gruner + Jahr“ liege.

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Dem Anspruch einer Gebrauchsanweisung wird Manual inhaltlich jedoch recht gewitzt gerecht. So wollen fast alle Storys irgendwie helfen, dass der Leser ein besserer Mann wird. Am Ende jedes Stückes findet sich deshalb eine konkrete Anleitung, die – laut Verlag – „aufzeigt“, wie „Mann das besprochene Thema in sein eigenes Leben einbauen und sich zunutze machen kann“. Ganz konkret bedeutet dies, dass am Ende der Titelgeschichte über einen Bartträger, der seinen Diekmann-Lookalike-Putz Stück für Stück abrasiert, ein Artikel über Bartpflege anschließt. Am Ende einer Story über einen alten Buckelvolvo gibt es Tipps zum Kauf alter Schweden.

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MANUAL cover

Unterteilt ist Manual in die drei Ressorts „At Home“, „At Work“ und „To Remember“. Das Volvo-Stück versteckt sich im Remember-Teil. Unter „At Home“ finden sich Geschichten über einen Architekten, der zur Miete wohnt und ein einem Pärchen, das zusammengezogen ist und sich dabei fragt, von wem man welche Möbel behalten soll. At Work berichtet unter anderem über einen Drehbuchautoren in Hollywood, der ein Nagelstudio für Männer eröffnete.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Alles nette Storys. Es fehlt aber an Emotion. Alles ist ordentlich und sauber. Manual fühlt sich an wie gut gemachtes Corporate Publishing. Und genau das ist es wohl auch. Mehr Chaos, Anarchie und Spaß hätten dem Heft wohl gut getan. Trotzdem ist es besser, als ein Großteil der sonstigen Publikationen, die sich speziell an Herren wenden. Hierzulande fehlt noch immer ein Heft, dass sich an den Buben im Mann richtet. Das kann und will Manual allerdings auch nicht leisten.

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Eine lustige weitere Erkenntnis verdankt der interessierte Medienmensch dem neuen Heft: Darth Vader liest die Zeit.

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