Zeitungs-IVW: alle Regionalen verlieren, Abendzeitung gleich 32%

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Publishing Die deutschen Tageszeitungen verlieren weiter an Zuspruch. Wie die neuesten IVW-Auflagen zeigen, gewann unter den größten rund 60 Regionalblättern niemand Käufer hinzu, einzig durch sonstige Verkäufe ging es bei zwei Titeln nach oben. Die Münchner Abendzeitung meldete im Zuge der drohenden Insolvenz sogar 34.362 weniger Verkäufe, darunter allerdings 25.700 abgebaute Bordexemplare und sonstige Verkäufe.

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Beginnen wir unsere traditionelle Rundreise durch Zeitungs-Deutschland in Berlin. Die fünf Tageszeitungen der Hauptstadt liegen allesamt unter den Vorjahreszahlen, am deutlichsten ging es dabei für die Berliner Zeitung und die Berliner Morgenpost bergab: um jeweils mehr als 6%. Doch auch die Zahlen der B.Z. und des Tagesspiegels, die auf den ersten Blick halbwegs glimpflich davon gekommen sind, sehen beim zweiten Blick schlechter aus: die B.Z. hätte ohne 3.000 zusätzliche sonstige Verkäufe und Bordexemplare einen deutlich schlechteren Wert gemeldet und auch der Tagesspiegel hievte seine Verkaufszahl u.a. durch ein Plus von 4.200 sonstigen Verkäufen nach oben.

In den fünf anderen östlichen Ländern schwanken die Verluste unterdessen zwischen 1,2% (Ostsee-Zeitung) und 3,8% (Märkische Allgemeine). Das geringe Minus der Ostsee-Zeitung ist dabei ebenfalls durch ein Plus bei den Bordexemplaren und den sonstigen Verkäufen so gering, ebenso wie das der Leipziger Volkszeitung. Deutliche Verluste finden sich neben Berlin auch in Hamburg: Die Morgenpost büßte 3,6% ein, das Abendblatt sogar 4,2% und abzüglich der 2.500 zusätzlichen sonstigen Verkäufen sogar noch mehr.

IVW 2014/II: Die größten Regionalzeitungen (Teil 1)
Platz Titel / Belegungseinheit verkaufte Auflage*
2014/II vs. 2013/II in %
Berlin
1 B.Z. 124.640 -4.430 -3,4
2 Berliner Zeitung 116.957 -8.425 -6,7
3 Der Tagesspiegel 111.779 -207 -0,2
4 Berliner Morgenpost 109.027 -7.419 -6,4
5 Berliner Kurier 90.355 -3.565 -3,8
Brandenburg
1 Märkische Allgemeine Gesamt 125.149 -4.879 -3,8
2 Märkische Oderzeitung Gesamt + Oranienburger Generalanzeiger + Ruppiner Anzeiger + Gransee-Zeitung 99.626 -3.255 -3,2
Mecklenburg-Vorpommern
1 Ostsee-Zeitung Gesamtausgabe 140.049 -1.669 -1,2
Sachsen-Anhalt
1 Mitteldeutsche Zeitung Gesamt Sachsen-Anhalt Süd MZ-Gesamt + Naumburger Tageblatt 204.212 -5.011 -2,4
2 Volksstimme Gesamt 181.634 -4.469 -2,4
Sachsen
1 Freie Presse Gesamt 253.760 -7.366 -2,8
2 Sächsische Zeitung 010 Gesamt 237.443 -7.441 -3,0
3 Leipziger Volkszeitung Gesamt 200.696 -2.591 -1,3
Thüringen
1 ZGT Thüringen Gesamtausgabe (TA+TLZ+OTZ) 272.041 -9.911 -3,5
Bremen
1 Weser-Kurier Gesamtausgabe 156.723 -3.033 -1,9
Hamburg
1 Hamburger Abendblatt 188.749 -8.202 -4,2
2 Hamburger Morgenpost 93.662 -3.537 -3,6
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Die stärksten Verluste in unserer zweiten Übersicht finden sich bei der Funke-Mediengruppe, die mit ihren NRW-Zeitungen weitere 7,3% der verkauften Auflage verlor, sowie in Hessen bei der Kombi RheinMainMedia, zu der u.a. die Frankfurter Neue Presse und die Frankfurter Rundschau gehören. Dort ging es sogar um 7,7% nach unten. Beiden muss man allerdings zugute halten, das 3.000 bzw. 4.000 sonstige Verkäufe und Bordexemplare abgebaut wurden, das Minus in den wichtigeren Kategorien Abos und Einzelverkauf ist daher nicht ganz so hoch.

Umgekehrt kamen die geringen Verluste der Neuen Osnabrücker Zeitung, der sh:z in Schleswig-Holstein, der Kombi mrw Mediaregion Ruhrgebiet/Westfalen und des Westfälischen Anzeigers auch durch ein Plus bei diesen oft als Auflagenkosmetik verwendeten sonstigen Verkäufe zustande. Beim Westfälischen Anzeiger beträgt das Plus hier allerdings nur rund 900, das Minus hätte also auch ohne diese Entwicklung bei knapp unter 1% gelegen.

IVW 2014/II: Die größten Regionalzeitungen (Teil 2)
Platz Titel / Belegungseinheit verkaufte Auflage*
2014/II vs. 2013/II in %
Niedersachsen
1 HAZ-Wirtschaftsraum Hannover 408.737 -10.998 -2,6
2 Nordwest-Zeitung/Zeitungsregion Nordwest 277.040 -3.496 -1,2
3 Neue Osnabrücker Zeitung/ Zeitungsgruppe Südwest-Niedersachsen 274.703 -873 -0,3
4 Braunschweiger Zeitung Gesamtausgabe 146.528 -4.019 -2,7
Schleswig-Holstein
1 sh:z Gesamtausgabe 209.090 -386 -0,2
2 Kieler Nachrichten GAK Gesamt 96.732 -2.031 -2,1
3 Lübecker Nachrichten Gesamt 93.387 -2.135 -2,2
Nordrhein-Westfalen
1 Funke-Mediengruppe Funke-Medien-G (WAZ+NRZ+WP+WR)+IKZ 629.421 -49.526 -7,3
2 Rheinische Post Gesamt 321.056 -11.711 -3,5
3 Zeitungsgruppe Köln Abozeitungen Gesamt (Kölner Stadtanzeiger/Kölnische Rundschau) 303.333 -8.302 -2,7
4 mrw Mediaregion Ruhrgebiet/Westfalen Gesamtausgabe 1000 260.791 -1.901 -0,7
5 Zeitungsgruppe Neue Westfälische Gesamt 501 233.450 -5.815 -2,4
6 ZGM Ztg-Gr Münsterland 218.243 -2.392 -1,1
7 Zeitungsgruppe Köln Express Gesamt 157.934 -10.959 -6,5
8 WA-Westfälischer Anzeiger Gesamtausgabe 135.024 -328 -0,2
9 Westdeutsche Zeitung plus Gesamt 130.532 -5.656 -4,2
10 Westfalen-Blatt Gesamtauflage 117.824 -1.732 -1,4
11 Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten Gesamt 115.232 -4.922 -4,1
Hessen
1 RheinMainMedia Gesamt 213.715 -17.763 -7,7
2 HNA Regional Hessen+WLZ/FZ 177.825 -5.946 -3,2
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Im letzten Teil unserer Übersicht finden sich zwei Titel, die im Gesamtverkauf über dem Vorjahr liegen, außerdem der größte Verlierer des Jahres. Zunächst die beiden vermeintlichen Gewinner: die Rheinland-Pfalz-Kombi der Rhein-Main-Presse gewann 0,7% hinzu, der Südkurier 0,2%. Auch hier – Sie ahnen es schon – lässt der Blick auf die sonstigen Verkäufe den Erfolg etwas verblassen. Beide Titel rutschen abzüglich dieser Auflagenbestandteile ebenfalls ins Minus. Aber: Die Rhein-Main-Presse entwickelt sich auch ohne die 1.000 sonstigen Verkäufe deutlich besser als der Markt, der Südkurier landet ohne die 3.800 zusätzlichen sonstigen Verkäufe hingegen bei einem Minus von 2,5% bis 3%.

Der große Verlierer des zweiten Quartals 2014 ist ganz eindeutig die Abendzeitung aus München. Im Zuge der drohenden Insolvenz wurden dort große Teile der defizitären Auflagenbestandteile aus den Kategorien Bordexemplare und sonstige Verkäufe abgebaut. Um rund 25.700 Exemplare schrumpften die Zahlen hier. Doch auch in den wichtigen Kategorien Abo und Einzelverkauf ging es um rund 8.600 Verkäufe nach unten. Insgesamt ergibt sich somit ein Minus von 31,9%, bei den Abos eins 10,4% und am Kiosk eins von 14,7%. 32.127 Abonnenten und 28.293 Kiosk-Käufer hat die Abendzeitung noch – an diesen Zahlen müssen sich die neuen Betreiber nun messen lassen.

IVW 2014/II: Die größten Regionalzeitungen (Teil 3)
Platz Titel / Belegungseinheit verkaufte Auflage
2014/II vs. 2013/II in %
Rheinland-Pfalz
1 Die Rheinpfalz Gesamt inkl. Pirmasenser Zeitung 230.120 -4.382 -1,9
2 Rhein-Zeitung Gesamt 190.832 -8.406 -4,2
3 Rhein-Main-Presse Rheinland-Pfalz-Kombi 31 105.770 730 0,7
Saarland
1 Saarbrücker Zeitung Gesamt 137.399 -3.625 -2,6
Baden-Württemberg
1 Südwest Presse Gesamt 290.936 -2.499 -0,9
2 Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten Gesamt 188.889 -7.439 -3,8
3 Schwäbische Zeitung Gesamt 167.968 -1.302 -0,8
4 Badische Zeitung 104 Gesamtausgabe 142.749 -2.241 -1,5
5 Südkurier Gesamt 001 127.996 228 0,2
6 Badische Neueste Nachrichten Gesamt 220 126.342 -2.666 -2,1
7 Schwarzwälder Bote Gesamt 118.771 -2.204 -1,8
8 Mannheimer Morgen Ausgabe B 110.388 -2.178 -1,9
Bayern
1 Augsburger Allgemeine mit Allgäuer Zeitung Gesamt 321.596 -1.851 -0,6
2 Nürnberger Nachrichten Gesamt 263.335 -5.133 -1,9
3 Münchner Merkur Gesamtausgabe 255.326 -5.231 -2,0
4 Passauer Neue Presse Gesamt 160.370 -2.609 -1,6
5 tz-München 130.650 -1.711 -1,3
6 Main-Post 50 Gesamt 122.061 -746 -0,6
7 Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung 121.113 -1.519 -1,2
8 Mittelbayerische Zeitung Gesamt 115.305 -2.858 -2,4
9 Zeitungsring Mediengruppe Oberfranken/ZRM 113.957 kein Vergleich möglich
Abendzeitung München 73.272 -34.362 -31,9
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Die Auflagen-Übersicht der überregionalen Tageszeitungen, der wichtigsten Wochen- und Sonntagszeitungen, sowie der größten Publikumszeitschriften finden Sie in unserer Analyse vom Freitag an dieser Stelle.

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